Wie viele seiner Mitspieler hat auch Didier Drogba auf Vereinsebene zahlreiche Titel gesammelt. Ein großer internationaler Triumph mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste blieb dem Angreifer bisher indes verwehrt. Auch wenn dem mittlerweile 34 Jahre alten Stürmer langsam die Zeit davon läuft, betont er gegenüber FIFA.com, dass es ein gewaltiger Erfolg für die Elfenbeinküste wäre, den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2013 zu gewinnen.

Im vergangenen Jahr schaffte es die Elfenbeinküste bis ins Endspiel des in Gabun und Äquatorial-Guinea ausgetragenen Turniers. Dort traf man auf Außenseiter Sambia. Beim Stand von 0:0 in der 70. Minute wurde den Ivorern ein Strafstoß zugesprochen, den Drogba allerdings über das Tor setzte. Obwohl der Stürmer im anschließenden Elfmeterschießen sicher verwandelte, setzte sich Sambia am Ende mit 8:7 durch und verwehrte damit Drogba und seinen Mitstreitern erneut einen internationalen Titel. Ironischerweise ist Drogba, der überschwänglich gefeiert wurde, als er im Endspiel der UEFA Champions League 2012 den entscheidenden Elfmeter für den FC Chelsea verwandelte, in Afrika insbesondere für seinen verschossenen Elfmeter im Endspiel 2006 gegen Ägypten bekannt.

Der unverwüstliche Akteur aus dem ivorischen Abidjan blickt dennoch zuversichtlich auf das schwere Viertelfinale am Sonntag gegen den zweimaligen Champion Nigeria und spricht sogar schon vom Endspiel, das am 10. Februar in Johannesburg ausgetragen wird. "Ich hoffe wirklich, dass wir dieses Mal das Turnier gewinnen können. Wir mussten lange darauf warten, und es wäre ein gewaltiger Erfolg, wenn es uns gelingen würde", so Drogba nach dem 2:2 im letzten Spiel der Gruppe D gegen Algerien. Der Gewinner des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals von 1992 hatte nach zwei Vorrundensiegen gegen Togo und Tunesien den Gruppensieg bereits vor der abschließenden Partie sicher.

Trainer vertraut auf Drogba

Beim 3:0-Sieg gegen Tunesien saß Drogba zunächst auf der Bank und stand damit zum ersten Mal seit längerer Zeit nicht in der Startformation. Der ivorische Trainer Sabri Lamouchi betonte indes, dass Drogba ein wichtiger Teil der Mannschaft sei und er sich keine Sorgen über die Form des Angreifers mache, auch wenn dieser in den zurückliegenden drei Monaten nur selten zum Einsatz gekommen war. "Ich mache mir keine Sorgen. Wir beobachten ihn jeden Tag beim Training. Er macht täglich Fortschritte. Ich hoffe, dass wir so weit wie möglich kommen und er noch einen wichtigen Part übernehmen wird. Wir machen uns keine Sorgen um ihn, und er selbst ist auch nicht besorgt", so der Trainer.

Gegen Algerien stand Drogba wieder in der Startelf. Sein Treffer in der 77. Minute leitete zudem die Aufholjagd der Ivorer ein, die zwischenzeitlich mit zwei Toren in Rückstand lagen. Auf die Frage, ob er mit seiner Leistung zufrieden sei, äußerte sich der Stürmerstar wie immer zurückhaltend: "Ich möchte mich weniger zu meiner eigenen Leistung äußern, als über die Leistung der Mannschaft sprechen. Mein Tor war nichts Besonderes, es hat uns nicht den Sieg gebracht. Es hat lediglich geholfen, einen Rückstand aufzuholen."

Die Begegnung hat Drogba als aufmerksamen Beobachter des Spiels zwei Dinge gelehrt. "Erstens, dass wir bestraft werden, wenn wir in unserem Bemühen nachlassen. Und zweitens, dass die Stärke dieser Mannschaft durchaus erkennbar ist, wenn wir nach vorne spielen, entschlossen agieren und unsere Leistung abrufen. Ich hoffe, dass wir aus diesen Lektionen lernen werden. Es war außerdem schön zu sehen, dass wir einen Rückstand von zwei Toren aufholen können. Wir haben Moral bewiesen. Zudem ist es besser, solche Korrekturen während der Gruppenphase und nicht erst im späteren Turnierverlauf vornehmen zu müssen."

Duell gegen Mikel
Auf die Begegnung gegen Nigeria in Rustenburg angesprochen, betont der athletische Torjäger, dass dies kein Selbstläufer werden wird. "Das wird keine leichte Sache gegen Nigeria, das ebenfalls so weit wie möglich im Turnier kommen will. Die Super Eagles haben ein ausgezeichnetes und physisch starkes Team. Stephen Keshi hat gute Arbeit geleistet. Ich hoffe natürlich, dass sich die Elfenbeinküste durchsetzen und in die nächste Runde einziehen wird. Einfach wird das aber nicht werden."

Drogba trifft im Viertelfinale auf seinen ehemaligen Vereinskameraden John Obi Mikel - ein Duell, dem er besonders entgegen fiebert. "Das wird keine leichte Aufgabe werden. Jeder kennt seine Qualitäten und weiß, was er im Endspiel der Champions League für Chelsea geleistet hat. Er war einer der besten Akteure auf dem Platz. Jetzt aber spiele ich gegen ihn. Wir werden vor dem Spiel zusammen lachen, im Anschluss wird es etwas ruppig werden, und nach dem Schlusspfiff werden wir wieder zusammen lachen, da wir gute Freunde sind. Er ist mein Bruder."

Auf seine Vereinskarriere angesprochen, wollte sich Drogba nicht zu seinem Wechsel zum türkischen Erstligisten Galatasaray äußern, gegen den sich sein jetziger Verein Shanghai Shenhua heftig zur Wehr setzt. "Ich konzentriere mich auf den Afrikanischen Nationen-Pokal und will den Titel."

Viele Fans der Ivorer, die in den vergangenen fünf Jahren im Vorfeld des Turniers immer als Favoriten gehandelt wurden, sind davon überzeugt, dass dieses Jahr der große Traum vom Triumph endlich in Erfüllung gehen wird. Und es könnte durchaus sein, dass Drogba, der bei den FIFA WM-Endrunden 2006 und 2010 insgesamt fünf Mal zum Einsatz kam, die Chance bekommt, beim diesjährigen FIFA Konföderationen-Pokal in Brasilien erneut auf internationaler Bühne zu glänzen, wo der neue Afrikameister neben Welt- und Europameister Spanien auf Uruguay und Tahiti trifft.