Das Kräftemessen der Fussball-Elite Afrikas
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Am Samstag beginnt die 29. Auflage des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals. Die ganze Welt erwartet einmal mehr eine aufregende und überraschende Endrunde. Vor einem Jahr in Gabun und Äquatorial-Guinea verblüffte Sambia alle Beobachter, als es sich auf dem Weg zum ersten Titel seiner Geschichte unter anderem gegen Ghana und die Elfenbeinküste durchsetzte. Damit gesellen sich die Chipolopolo zum Favoritenkreis rund um jene im letzten Jahr düpierten Gegner - und dieses Mal steht zudem ein Startplatz für den FIFA Konföderationen-Pokal auf dem Spiel.

Zu den weiteren Kandidaten auf den Einzug ins Finale in Johannesburgs Soccer City am 10. Februar gehören der zweimalige Afrikameister Nigeria, der Drittplatzierte des letzten Jahres, Mali, sowie Gastgeber Südafrika, das den einzigen kontinentalen Titel 1996 vor eigenem Publikum gewann.

Die Favoriten
Sambia wird erneut vom inspirierenden französischen Trainer Hervé Renard ins Turnier geführt, und es besteht wenig Zweifel daran, dass sich die Mannschaft noch stärker als im letzten Jahr präsentieren wird. Dennoch hat der amtierende Meister seit dem Finaltriumph nach Elfmeterschießen gegen die Ivorer im vergangenen Januar nur drei der letzten elf Spiele gewinnen können.

Nur knapp sicherte sich das Team die Möglichkeit, den kontinentalen Titel zu verteidigen, und zwar ebenfalls nach einem Elfmeterkrimi gegen Uganda, das 9:8 zu ihren Gunsten endete. Die erfahrene Mannschaft wird somit wohl kaum einen Gegner fürchten, sollte es erneut zu einer spektakulären Entscheidung vom Elfmeterpunkt kommen.

Der Titelverteidiger startet in der Gruppe C mit dem Duell gegen Äthiopien, das erstmalig seit 31 Jahren wieder bei einer afrikanischen Endrunde vertreten ist, bevor in der zweiten Partie gegen Nigeria wohl die Vorentscheidung um den Gruppensieg fällt.

Ein möglicher Ausrutscher Sambias wird mit Sicherheit von der Elfenbeinküste oder Ghana, den zwei erfahrensten und am stärksten eingeschätzten Teams Afrikas, ausgenutzt. Beide waren bei den zwei letzten FIFA Fussball-Weltmeisterschaften dabei und erreichten in drei der letzten vier Afrikameisterschaften jeweils mindestens das Halbfinale.

Dennoch umweht die Giganten des Kontinents ein Hauch von Verzweiflung. Die Elefanten, die inzwischen vom Franzosen Sabri Lamouchi in seinem ersten Job als Cheftrainer betreut werden, treibt die Sorge um, endlich eine Trophäe für den 34-jährigen Didier Drogba in seinem möglicherweise letzten großen Turnier zu gewinnen. Die Black Stars wiederum konnten seit 1982 ihren vier kontinentalen Titeln keinen weiteren hinzufügen.

Die Außenseiter
Mali wurde in der letzten Auflage Dritter, doch die Adler sind es trotz einer vor Talent strotzenden Mannschaft gewohnt, eher zu den Außenseitern gezählt zu werden. Das Land schaffte nur zu acht von 29 Auflagen die Qualifikation, erreichte in diesen aber fünf Mal das Halbfinale. Deshalb werden sie in der Gruppe B neben Ghana und DR Kongo, das die Eröffnungspartie gegen die Black Stars eröffnet, wohl ein gewichtiges Wort mitreden.

In der Gruppe D wird das nordafrikanische Duo Tunesien und Algerien versuchen, der Übermacht der Elfenbeinküste zu trotzen. Die Tunesier haben seit ihrem Titelgewinn im eigenen Land 2004 nicht mehr das Halbfinale erreicht, sind aber in drei der vier letzten Teilnahmen immer über die Gruppenphase hinausgekommen.

Auch Algerien konnte nach einer Blütezeit in den 80er Jahren, die 1990 mit dem Titelgewinn ebenfalls im eigenen Land ihren Höhepunkt erreichte, bis 2010 nicht mehr in die vorletzte Runde vorstoßen. Damals schockten die Algerier im Viertelfinale die Elfenbeinküste und waren im selben Jahr auch bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft dabei.

Die nordafrikanischen Nachbarn aus Marokko sind eine zwar unerfahrene, aber talentierte Mannschaft, die als Geheimtipp in der Gruppe A gilt. Südafrika unter Trainer Gordon Igesund wiederum wird mit der großen Erwartungshaltung zurechtkommen müssen, obwohl sich die Bafana Bafana nur als Gastgeber qualifizierten, nachdem Libyen zurückzog.

Der Coach von Nigeria, Stephen Keshi, war einst Dreh- und Angelpunkt der letzten Auswahl der Super Eagles, die den Wettbewerb 1994 gewinnen konnte. Der 'Big Boss' hat mit seiner Autorität für etwas mehr Ruhe im bisweilen etwas nervösen Umfeld des westafrikanischen Teams gesorgt, das erstmals seit 2000 wieder auf eine Finalteilnahme hofft.

Die Spieler im Fokus
Christopher Katongo, bester Spieler des letzten Wettbewerbs, wird Sambia erneut als Kapitän ins Turnier führen und ist der zentrale Mann in der Offensive des Teams, das indes mit Jacob Mulenga, Emmanuel Mayuka und Rainford Kalaba über weitere starke Angreifer verfügt. Am anderen Ende erwies sich Torhüter Kennedy Mweene 2012 als sicherer Rückhalt und charismatische Figur, wie auch Verteidiger Stoppila Sunzu, der zudem im Finale den entscheidenden Elfmeter verwandelte.

Die Elfenbeinküste wird in Person von Drogba ebenfalls von einem Stürmer angeführt, der auf die Unterstützung von Gervinho und Salomon Kalou zählen kann. Doch der Erfolg der Mannschaft basiert nicht zuletzt auf einem eisenharten und erfahrenen Mittelfeld, welches das Gerüst des Teams darstellt. Die Gebrüder Touré sind nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil, wie auch Cheik Tioté und Didier Zokora im defensiven Mittelfeld sowie Boubacar Barry als Rückhalt zwischen den Pfosten.

Ein kampfstarkes Mittelfeld ist auch für Ghana das zentrale Element. Die Mannschaft kann sich in Abwesenheit von Michael Essien, Andre Ayew, Kevin-Prince Boateng und Sulley Muntari auf das in Italien tätige Duo Kwadwo Asamoah und Emmanuel Agyemang-Badu sowie auf Anthony Annan von CA Osasuna stützen. Kapitän Asamoah Gyan ist die Referenz in der Offensive, während in der Hintermannschaft Routinier John Paintsil eine Gruppe von aufstrebenden Talenten anführt.

Nigeria kann wieder auf Jon Obi Mikel bauen, und sein Teamkollege beim FC Chelsea, Victor Moses, soll im Angriff für Gefahr sorgen. Abwehrchef ist Kapitän Joseph Yobo, der seine sechste Afrikameisterschaft bestreiten wird.

Die Gastgeber werden auf Steven Pienaar verzichten müssen, dennoch finden sich viele bekannte Namen von der letzten Weltmeisterschaft wieder, wie zum Beispiel der junge Verteidiger Bongani Khumalo, der inzwischen Kapitän ist.

Ebenfalls seine sechste Teilnahme am Afrika-Cup wird Malis Legende Seydou Keita bestreiten. Er wird das Mittelfeld des Teams anführen, das zwar auf den verletzten Mahamadou Diarra verzichten muss, aber wieder auf Rückkehrer Momo Sissoko zählen kann. Im Angriff werden Cheick Diabate und Modibo Maiga für Mali stürmen.

Weitere Stürmer, die im Fokus stehen werden, sind Togos Rückkehrer Emmanuel Adebayor, Angolas Kapitän Manucho, Nigers Spielmacher Moussa Maazou, das Duo von TP Mazembe, Tresor Mabi Mputu und Deo Kanda, im Team der DR Kongo sowie Tunesiens Issam Jemaa.

Die Statistik
10 - So oft hat Nigeria bei seinen letzten elf Teilnahmen am Afrika-Cup das Halbfinale erreicht.

Das Zitat
"Es wäre großartig, endlich die Trophäe zu gewinnen. Ehrlich gesagt sind wir es langsam leid, jedes Mal so knapp vor dem Ziel zu scheitern."
Didier Drogba (Elfenbeinküste)

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