Antunes: "Es gibt kein Geheimnis"
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Kap Verde steht vor einem historischen Augenblick: Am Samstag, 19. Januar, tritt das gerade einmal 500.000 Einwohner zählende Land in der Auftaktpartie des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 2013 gegen Südafrika an. Die Partie findet in einem Stadion statt, in dem nicht nur das Finale der letzten Auflage der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft stattgefunden hat, sondern in dem zudem auch noch ein Sechstel der kapverdischen Bevölkerung Platz findet.

FIFA.com wollte herausfinden, wie sich eine aus 15 bewohnten und unbewohnten Inseln bestehende Nation, in der aufgrund der rauen klimatischen Bedingungen kaum Rasen wächst, entgegen vieler Voraussagen auf dem afrikanischen Kontinent behaupten konnte. Zu diesem Zwecke unterhielten wir uns in einem Exklusiv-Interview mit Lucio Antunes, dem Nationaltrainer des Inselstaates.

Herr Antunes, was bedeutet der Fussball für Kap Verde?
Heute ist er die Nummer eins unter den Sportarten. Vor zehn Jahren, als die Chancen, dass wir uns für ein großes Turnier qualifizieren, praktisch gleich Null waren, unterstützten die Fussballbegeisterten des Landes andere Nationalteams wie Nigeria, Kamerun und die Elfenbeinküste. Heute spricht jeder im Lande vom Fussball und von unserer Nationalmannschaft – vom Minister bis zum Landwirt.

Kap Verde ist mit etwa einer halben Million Einwohnern das kleinste Land der Wettbewerbsgeschichte, das sich für den Afrikanischen Nationen-Pokal qualifizieren konnte. Wie lautet das Erfolgsgeheimnis?
Tatsache ist, es gibt kein Geheimnis. Unser Verband hat sich im Rahmen des Projekts "Kap Verde 2008 – 2014" gut um die Nachwuchsförderung gekümmert. Das ist eine globale Initiative, denn einmal abgesehen von der Arbeit, die unser Verband geleistet hat, ist der Erfolg von Kap Verde auf die von der FIFA umgesetzten Entwicklungsprojekte zurückzuführen. Ganz konkret haben der Bau eines technischen Zentrums in Praia sowie die Anlage einer ganzen Reihe von Kunstrasenplätzen es uns ermöglicht, den Fussball in unserem Land auf eine wesentlich breitere Basis zu stellen.

Kann Kap Verde Ihrer Meinung nach Vorbildfunktion für andere Länder übernehmen, die bei der Entwicklung ihrer Fussballstrukturen auf Schwierigkeiten stoßen?
Ja, ich glaube, Kap Verde geht mit gutem Beispiel voran, aber nicht nur im Hinblick auf den Fussball, sondern auch ganz allgemein. Mit wenigen Ressourcen ist unserem Land viel gelungen – im Fussball ebenso wie in anderen Bereichen, beispielsweise im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Am Samstag steht das Auftaktspiel auf dem Programm, und es geht gleich gegen den Gastgeber Südafrika. Die Partie findet im Soccer City Stadium statt, in dem auch das Finale der FIFA WM 2010 ausgetragen wurde. Welche Erwartungen haben Sie?
Für uns ist es schon ein großer Erfolg, überhaupt beim Turnier dabei zu sein. Dann auch noch das Auftaktspiel zu bestreiten, mit all dem Medieninteresse, ist ein ungeheures Privileg, das uns verpflichtet, uns dem Anlass entsprechend zu präsentieren. Wir haben viel Respekt vor Südafrika, das zu Hause vor 80.000 Zuschauern spielen wird, aber wir werden unser Land trotzdem mit Stolz vertreten.

Wie geht es nach dem Nationen-Pokal für Kap Verde weiter? Wie kann man auf dieser Erfahrung aufbauen und den Fussball in Ihrem Land weiterentwickeln?
Wir müssen weiterhin alle an einem Strang ziehen, und der Verband muss sein Projekt fortsetzen, um Talente zu entdecken und ihnen die besten Bedingungen für ihre Entwicklung zu bieten. Eine Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ wird sehr schwer werden, aber wir werden bis zum Schluss darum kämpfen, es vielleicht doch zu schaffen.

In der Vergangenheit gab es viele Fussballer mit kapverdischen Wurzeln, die das Land verlassen haben, um für andere Nationalmannschaften aktiv zu werden. In welchem Maße kann die Qualifikation für den Nationen-Pokal dazu beitragen, diesen Trend umzukehren und die Spieler dazu motivieren, im Land zu bleiben?
Das stimmt, in jüngster Vergangenheit gab es einige Spieler mit kapverdischen Wurzeln, die sich anderen Nationalmannschaften angeschlossen haben. Beispiele sind Nani, Eliseu und Gelson Fernandes, um nur einige zu nennen. Jetzt haben die Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal und die positive Entwicklung unser Image auf positive Weise verändert. Ich glaube, derzeit bietet unsere Nationalmannschaft für die Talente unseres Landes eine immer interessantere Perspektive.