Gyan: "Wir können den Bann brechen"
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Asamoah Gyan und die ghanaische Nationalmannschaft - das ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Dennoch ist der Stürmer zuversichtlich, was die Chancen der Black Stars beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2013 angeht. Diese holten 1963, 1965, 1978 und zuletzt 1982 den kontinentalen Titel und erreichten bei den letzten drei Turnieren jeweils das Halbfinale. Nun aber soll der Bann gebrochen werden. Ghana will nicht weniger als der beste der 16 Endrundenteilnehmer sein.

Für Routinier Gyan ist es die vierte Teilnahme am Afrikanischen Nationen-Pokal in Folge. Angesichts dessen sind fünf Endrundentore eigentlich eine dürftige Bilanz. Gyan selbst verweist jedoch auf seine 28 Tore in 60 Länderspielen und weist Kritik zurück. "Ich bin die Ruhe selbst, denn meine Trefferquote in der Nationalmannschaft kann sich sehen lassen", erklärte er erst unlängst gegenüber FIFA.com. "Natürlich erwarten die Leute von einem Stürmer immer Tore, aber Tore sind nicht alles. Tore, die man für andere auflegt, sind genau so wichtig. Ich stelle mich stets in den Dienst der Mannschaft."

Mit seinen 27 Jahren hat Gyan den letzten Titeltriumph der ghanaischen Nationalmannschaft noch gar nicht miterleben können. Seiner Meinung nach ist die Stimmung im aktuellen Kader aber so gut, dass der große Wurf dieses Mal gelingen könnte. "Ich mache mir große Hoffnungen, dass wir den Bann brechen und Afrikameister werden können", so Gyan.

Rücktritt vom Rücktritt
Zwei Mal schon hat der Stürmer von Al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten seine Nationalmannschaftskarriere beendet, weil er sich mit den eigenen Fans überworfen hatte - zuletzt nach dem Afrikanischen Nationen-Pokal im vergangenen Jahr in Gabun und Äquatorial-Guinea. Vier Monate später verkündete er jedoch seinen Rücktritt vom Rücktritt.

Gyan war ohnehin stets eingebunden in die Geschehnisse im Kader. Ghanaische Nationalspieler sind ihren Mannschaftskapitänen gegenüber in der Regel sehr loyal. Das war schon bei Legenden wie Abedi Ayew Pele, Stephen Appiah und John Mensah so. Eine Tradition, die Gyan nur zu gern fortsetzen will.

"Ich habe größten Respekt für Appiah. Sowohl er als auch Mensah waren auf dem Platz und abseits großartige Führungspersönlichkeiten. Ich habe von beiden viel gelernt und zusammen mit meinen Mannschaftskameraden sollten wir das große Ziel erreichen können", sagt er.

Schwere Gegner
Auf dem Weg zum (möglichen) Titel in Südafrika müssen die Black Stars allerdings zunächst einmal die Klingen mit einigen alten Bekannten kreuzen: In der Gruppe B (Austragungsort Port Elizabeth) warten Mali, DR Kongo und Niger. Laut Gyan hat es diese Vorrunde in sich, auch wenn Afrikas klangvolle Namen wie Elfenbeinküste, Nigeria oder Titelverteidiger Sambia noch nicht darunter sind. Mali beispielsweise hat Ghana zuletzt im Spiel um Platz drei geschlagen.

"Auf diesem Niveau darf man keinen Gegner unterschätzen. Alle vier Mannschaften in der Gruppe sind stark. Wir haben erst 2012 beim Afrikanischen Nationen-Pokal gegen Mali gespielt und jeder weiß, wie es ausgegangen ist. Und Niger mag zwar keine bekannte Mannschaft haben, aber sie sind jederzeit für eine Überraschung gut", warnt Gyan.

Auf dem Weg nach Südafrika werden die Black Stars ein Trainingslager in Abu Dhabi beziehen, wo der ghanaische Stürmer ob seiner Tore für Al-Ain Kultstatus genießt. Aktuell führt Gyan die Torschützenliste an. Nur ein Treffer fehlt ihm noch zur Einstellung seines persönlichen Rekords von 22 Toren im Vorjahr, welches das womöglich beste des Ex-Stürmers von Udinese, Modena, Rennes und Sunderland war.

Er wurde Meister und Torschützenkönig mit Al-Ain und anschließend Nationalmannschaftskapitän von Ghana. Nur wenige Tage später ereilte Gyan jedoch ein Schicksalsschlag. Seine Mutter starb bei einem Verkehrsunfall. "[2012] war ein positives Jahr für meine Karriere, aber ansonsten hatte es Höhen und Tiefen. Der Tod meiner Mutter war ein schwerer Schlag. Aber ich bin inzwischen wieder mental gestärkt und konzentriert."

Rückkehr nach Südafrika
An Südafrika hat Gyan schmerzliche Erinnerungen. Sein verschossener Elfmeter während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ im Viertelfinale gegen Uruguay kostete Ghana den historischen Platz im Halbfinale. Ein Drama, dass sich für ihn und für die Black Stars beim letzten Afrikanischen Nationen-Pokal gegen den späteren Gewinner Sambia wiederholen sollte.

Seitdem tritt der 27-Jährige nicht mehr vom Punkt an. Sechs der 21 Saisontore für Al Ain waren Elfmeter, doch die beiden verschossenen in der Nationalmannschaft verfolgen Gyan noch immer. "Ich werde keine Elfmeter für Ghana mehr schießen. Meine Mutter hat immer gesagt, ich soll keine Elfmeter schießen, und jetzt, da sie nicht mehr unter uns ist, muss ich mich daran halten."

In den ersten beiden Qualifikationsspielen für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ gegen Lesotho und Sambia war Gyan wegen seines selbst auferlegten Nationalmannschaftsverzichts nicht dabei. Doch für den Rest der Qualifikation hat er volles Engagement angekündigt. Schließlich soll am Ende die dritte WM-Teilnahme in Folge stehen.