De la Torre: "Mit Mexiko ganz oben stehen"
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Nachdem der mexikanische Fussball mit seinen Nachwuchsteams einige Erfolge feiern konnte, möchte man nun in den nächsten Jahren auch mit der A-Nationalmannschaft einen Sprung nach vorn machen.

Mit dieser Mission wurde José Manuel De la Torre betraut, der auf einem guten Weg zu sein scheint. Schließlich hat er mit dem Team bereits den CONCACAF Gold Cup gewonnen und sich damit gleichzeitig für den FIFA Konföderationen-Pokal qualifiziert.

In der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ zog die Auswahl zudem mühelos in die Runde der letzten Sechs ein.  

Während er sich mit dem Team auf die entscheidende Etappe der WM-Qualifikation vorbereitet, nahm sich der Trainer von El Tri Zeit für ein Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

Chepo, Mexiko nimmt dieses Jahr am FIFA Konföderationen-Pokal in Brasilien teil. Welche Erwartungen haben Sie diesbezüglich?
Für uns ist es sehr wichtig, einen derartigen Wettbewerb zu bestreiten. Das ist noch immer ein sehr starkes Turnier, an dem die Meister der einzelnen Konföderationen aufeinandertreffen und bei dem wir uns ein Bild davon machen können, auf welchem Niveau wir in spielerischer Hinsicht angekommen sind. Es wird natürlich sehr knifflig werden, aber dennoch haben wir ziemlich hohe Erwartungen. Mexiko entwickelt sich schon seit einiger Zeit sehr positiv. Jetzt müssen wir diese Entwicklumg auch bei großen Turnieren und auf A-Nationalmannschaftsebene untermauern.

Vom mannschaftlichen Gesichtspunkt aus haben Sie bei diesem Turnier die Möglichkeit, ein Team ins Rennen zu schicken, dem mittlerweile viele Nachwuchsspieler angehören, nicht wahr?
Ja, natürlich! Hier bietet sich eine gute Gelegenheit, die Nachwuchsspieler zu bewerten, die sich gerade einen Weg bahnen, und zu schauen, ob es für sie reicht oder nicht. Es ist zwar noch einige Zeit hin und daher schwer zu sagen, wer dabei sein kann und wer nicht, aber viele junge Spieler drängen auf eine Position und einen Platz in der Mannschaft. Für uns wird es schwer werden, hier die entsprechenden Entscheidungen zu treffen, aber das ist sicherlich ein wichtiger Parameter.

Wozu kann das Turnier sonst noch dienen? Kann man vielleicht in logistischer Hinsicht Rückschlüsse für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ziehen?
Ja, auch das. Wir werden zur gleichen Zeit dort seit, zu der 2014 die WM stattfindet. Daher bekommen wir eine Vorstellung davon, was uns in Zukunft erwarten könnte. Allerdings muss man da noch vorsichtig sein, denn noch haben wir das Ticket nicht gelöst. Aber natürlich ist der Wettbewerb gewissermaßen das Vorzimmer der WM.

Auf welchem Niveau befindet sich der Fussball der CONCACAF derzeit?
Er hat sich sehr positiv entwickelt. Bei den Olympischen Spielen haben wir gesehen, dass zwei Mannschaften der Region sich für die K.o.-Runden qualifizieren konnten [Anm. d. Red. Honduras schied im Viertelfinale aus]. Sie haben sich als würdige Gegner erwiesen, und Mexiko hat am Ende die Goldmedaille geholt. Das hebt uns in der CONCACAF auf ein hohes Niveau. Die Region steigert sich nach und nach, hebt ihr Niveau, und das ist hilfreich, wenn wir gegen Mannschaften aus anderen Konföderationen antreten.

Mexiko hat auf Juniorenebene bereits Titel gewonnen, den großen Sprung mit der A-Nationalmannschaft aber noch nicht geschafft. Was fehlt noch zum großen Erfolg?
Wir müssen das Ganze noch ausbauen und festigen. Das ist Bestandteil eines Prozesses, der sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, und bei dem es sich sowohl die Akteure als auch die Funktionäre zur Aufgabe gemacht haben, etwas mehr in den Nachwuchs zu investieren, die Leute besser vorzubereiten und mehr Wettbewerb auf internationaler Ebene zu schaffen. Dies hat dazu beigetragen, dass Mexiko auf Juniorenebene so gute Ergebnisse erzielt hat, aber aus diesem Prozess muss nun auch mit der A-Nationalmannschaft Kapital geschlagen werden. Wie ich bereits zu Beginn sagte, stehen Wettbewerbe an, bei denen wir uns diese Nachwuchsspieler anschauen und uns ihre Fähigkeiten zu Nutze machen können. Ich glaube, sie können einen großen Beitrag dazu leisten, dass Mexiko den entscheidenden Schritt tun und im Fussball eine Vorreiterrolle übernehmen kann.

Am letzten Spieltag der Qualifikation haben sie bereits einige Spieler aus dem siegreichen Olympiateam eingesetzt. Wie haben sie sich Ihrer Meinung nach eingefügt?
Sehr gut. Wir waren während der gesamten Entwicklungszeit ganz nah an ihnen dran: von der U-17 bis zur U-23. Wir stehen ständig mit ihnen in Verbindung, sind beim Training und bei den Wettbewerben anwesend. So sind wir besser informiert und lernen die einzelnen Spieler gut kennen. Sie wissen, dass sie jederzeit den Sprung schaffen oder sich eine bessere Ausgangsposition verschaffen können. Daher waren sie in der Partie gegen El Salvador dabei und haben ihre Sache gut gemacht. Das sind junge Spieler, die bereits über viel internationale Erfahrung verfügen, die es auf jedem Platz mit jedem Gegner aufnehmen können und dort genauso auftreten, wie sie es in Mexiko tun würden. Das war eine sehr angenehme Erfahrung. Sie nach und nach zu integrieren, wenn sich eine Gelegenheit ergeben hat, war eine gute Sache: Sie werden immer stabiler und passen sich nach und nach an die Anforderungen der A-Nationalmannschaft an. Natürlich sehen wir ihre Zukunft dort.

Unter den etwas erfahreneren Spielern Ihres Teams gibt es einen Stürmer, der sich gerade in einer etwas speziellen Situation befindet: Javier Hernández wurde von der lokalen Presse in letzter Zeit sehr widersprüchlich behandelt. Wie arbeitet man psychologisch mit einem Spieler, damit sich so etwas nicht auf seine Leistung auswirkt?
Chícharo hat eine hervorragende mentale Einstellung. Ob er nun eine sehr gute Partie macht und mehrere Tore erzielt oder ob ihm kein einziger Treffer gelingt, er bleibt immer derselbe. Er ist ein sehr starker Spieler, der keinen Ball verloren gibt. Er macht immer weiter Druck. Wir verfolgen seine Auftritte bei Manchester beständig. Er gibt nicht viel darauf, was in der Presse steht. Auch wenn er kritisiert wurde, hat er weitergemacht wie bisher. Er ist und bleibt ein Spieler, der für die Nationalmannschaft immer mit vollem Einsatz dabei ist. Und dadurch hat er auch immer wieder Gelegenheit zu guten Auftritten und zum Toreschießen. Was auch immer sie sagen, er bleibt sich treu.

Die Runde der letzten Sechs der CONCACAF-Qualifikation steht bevor. Stehen Sie dort besonders unter Druck, weil Ihre Mannschaft als "Fussballriese" der Region gilt?
Wenn man realistisch ist, werden wir uns immer in dieser Situation befinden. Ich mag es nicht, wenn man die Mannschaft mit solchen Bezeichnungen und Superlativen belegt. Ich glaube, wir geraten nur in eine solche Position, wenn wir gute Ergebnisse erzielen. Natürlich wird die Qualifikation dadurch erschwert, dass das Niveau in der Region gestiegen ist. Es wird nicht leicht werden, aber in Mexiko weiß man das und hat sich immer darauf eingestellt und die erforderlichen Ergebnisse erzielt. In diesem Fall ist das Ziel ein Ticket für die Weltmeisterschaft. Was in der Vergangenheit passiert ist, das ist Schnee von gestern. Es dient zu nichts mehr und hat keine Bedeutung. Allerdings ist es ein Referenzpunkt und ein Anreiz, unsere Arbeit fortzusetzen. Wir stehen in der Pflicht, uns besser vorzubereiten und dürfen kein Detail dem Zufall überlassen.

Zum ersten Mal seit langer Zeit scheint es in Mexiko ein Überangebot an Offensivspielern zu geben. Wie hält man so viele Spieler bei der Stange, wenn klar ist, dass es nicht für alle einen Platz im Team gibt?
Die Spieler wissen, dass die Konkurrenz groß ist. Und ihnen ist bewusst, dass vor allem ihre Leistungen auf Vereinsebene sich auf die Nationalmannschaft auswirken werden. Sie sind so etwas wie die Eintrittskarte. Die Kommunikation mit den anderen Trainern hat immer gestimmt, so dass wir immer darüber informiert sind, was mit ihnen passiert, wie sie sich in unterschiedlichen Situationen verhalten und reagieren. Das ist sehr hilfreich, wenn es darum geht, immer die besten Elemente in der Nationalmannschaft zu haben. Sie wissen das. Wir haben immer offen mit ihnen darüber gesprochen. Das Problem liegt darin, dass wir immer entscheiden müssen, wen wir nun berufen. Aber das ist wesentlich besser als niemanden zu haben, den man gern berufen würde!

Seit 1986 hat Mexiko sich nicht mehr für das Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ qualifiziert. Ist es für Sie eine Zusatzmotivation, dass Sie als erster Trainer in die Geschichte eingehen könnten, dem dies nach langer Zeit wieder gelingt.
Es geht nicht darum, meinen Namen groß zu machen, sondern den Mexikos. Die Mexikaner müssen sich bewusst werden, dass sie jedes Ziel erreichen können, wie sie bereits bei den Olympischen Spielen gezeigt haben. Ich bin eher zurückhaltend und greife nicht gern vor. Aber natürlich träumen wir immer vom höchsten Ziel. Das ist auch dieses Mal der Fall, da gibt es keine Ausnahme.