Said glaubt an Äthiopiens Träume
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Im Laufe dieses Monats tritt Äthiopien nach 31 Jahren zum ersten Mal wieder beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal an. Allein dies ist schon ein großer Erfolg. Die Äthiopier wurden jedoch in eine knifflige Gruppe gelost, in der sie es mit Titelverteidiger Sambia, dem zweimaligen Afrikameister Nigeria und Burkina Faso aufnehmen müssen. Nachdem das Team sich in der Qualifikation überraschend gegen Benin und Sudan durchsetzen konnte – bei beiden Gelegenheiten aufgrund der Auswärtstorregel – glauben die Äthiopier nun jedoch trotzdem fest an das Erreichen der zweiten Runde. Das meint jedenfalls Torjäger Saladin Said.

Said, der auf Vereinsebene für das ägyptische Team Wadi Degla aktiv ist, räumt ein, dass den Ostafrikanern vom 19. Januar bis zum 10. Februar in Südafrika ein Härtetest bevorsteht. Dennoch wollen die Äthiopier alles daran setzen, das Viertelfinale des Wettbewerbs zu erreichen. "Unsere Gruppe ist sehr schwierig. Nigeria ist eine große Mannschaft, genauso wie Sambia, das die letzte Auflage des Nationen-Pokals gewonnen hat", meint Said, der in zwölf Länderspielen neun Treffer für sich verbuchen konnte, in einem Interview mit FIFA.com. "Andererseits haben wir aber auch eine starke Mannschaft. Wir haben letztes Jahr nur ein einziges Spiel verloren. Daher glauben wir daran, dass wir ein gutes Turnier spielen können, so Gott will. Wir treten mit dem Ziel an, die nächste Runde zu erreichen."

Alle Anzeichen deuten auf eine neue Hochphase
In Äthiopien träumt man von einer Rückkehr zu glorreichen Tagen, denn die Auswahl des Landes konnte bei den ersten beiden Auflagen des Nationen-Pokals 1957 und 1959 den zweiten bzw. dritten Platz belegen und gewann das prestigeträchtige Turnier 1962 auf heimischem Boden. Nach langjähriger Abwesenheit konnte das Team sich nun endlich wieder für den Nationen-Pokal qualifizieren. Äthiopien setzte sich aufgrund der Auswärtstorregel gegen Benin durch (1:1-Unentschieden nach Hin- und Rückspiel) und holte dann im letzten Qualifikationsspiel gegen Sudan einen Rückstand aus dem Hinspiel wieder auf. Auswärts hatte man eine 3:5-Niederlage hinnehmen müssen, konnte sich dank eines entscheidenden Treffers von Said zu Hause dann aber mit 2:0 durchsetzen. Aus kurzer Distanz schloss er präzise ab und löste damit in Addis Abeba ein wildes Freudenfest aus.

Obwohl die Äthiopier sich in jüngster Zeit in Hochform präsentieren konnten, hat das unerfahrene Team im Vergleich zu den besten Mannschaften des Kontinents jedoch noch einen langen Weg vor sich. "Ich kann nicht sagen, welche Mannschaft in unserer Gruppe beim Nationen-Pokal die stärkste ist. Alle drei sind knifflige Gegner", so der 24-Jährige, der gemeinsam mit dem in Vietnam unter Vertrag stehenden Fikru Teferra einer von zwei im Ausland aktiven äthiopischen Nationalspielern ist. "Nigeria verfügt über viele in Europa aktive Profis, und Sambia hat eine sehr gute Mannschaft. Über Burkina Faso weiß ich nicht so viel, ich habe das Team seit drei oder vier Jahren nicht mehr spielen sehen. Vor dem Start des Nationen-Pokals werden wir drei Freundschaftsspiele gegen Niger, Togo und Tunesien bestreiten. Ich hoffe, dass wir gute Ergebnisse erzielen können, die uns vor dem Turnierstart noch einmal ordentlich Auftrieb geben."

Said ist das Aushängeschild des äthiopischen Fussballs. 2011 erhielt er einen Dreijahresvertrag beim ägyptischen Klub Wadi Degla, hatte jedoch noch nicht viele Gelegenheiten, Einfluss zu nehmen, da die ägyptische Liga infolge der Katastrophe von Port Said im Februar letzten Jahres ausgesetzt wurde. Auf die Frage, ob die Aussetzung des Spielbetriebs in Ägypten sich negativ auf seine Leistungen bei der Endrunde des Nationen-Pokals auswirken würde, antwortet Said: "Das ist ein echtes Problem, das mir Sorge bereitet. Aber ich hoffe, dass die Freundschaftsspiele vor Turnierbeginn mir helfen werden, rechtzeitig fit zu werden."

Ein toller Start auf dem Weg zur WM 2014
Als ob sie beweisen wollten, dass die Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal keine Eintagsfliege ist, haben die Äthiopier auch in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ einen super Start hingelegt. Sie besiegten Somalia nach Hin- und Rückspiel mit 5:0 und erreichten damit die Gruppenrunde. Nach zwei Spielen führen sie nun die Tabelle der Gruppe A überraschend mit vier Punkten an. Auch hier stand Said wieder im Rampenlicht, als er beim 1:1-Unentschieden in Südafrika den einzigen Treffer seiner Mannschaft erzielte und beim 2:0-Sieg gegen die Zentralafrikanische Republik gleich zwei Mal erfolgreich war.

Die Zentralafrikanische Republik belegt drei Spieltage vor Schluss mit drei Punkten den zweiten Platz, gefolgt von Südafrika mit zwei Punkten und Tabellenschlusslicht Botswana. Nur der Gruppensieger kommt weiter und kämpft in einer in Hin- und Rückspiel ausgetragenen Begegnung um einen Startplatz bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Brasilien. Äthiopien war noch nie bei einer WM dabei, aber Said wagt dennoch eine kühne Prognose: "Unsere Gruppe in der WM-Qualifikation ist leichter als die Gruppe im Nationen-Pokal. Wir haben in der WM-Qualifikation eine 70-prozentige Chance, die letzte Runde zu erreichen."