Renard will erneut auf Afrikas Gipfel
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Sambia wird ab dem 19. Januar bei der neuen Auflage des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals in Südafrika versuchen, den Titel zu verteidigen. Fast ein Jahr nach dem Turniergewinn in Libreville, wo man sich gegen die hoch favorisierte Elfenbeinküste nach einem torlosen Unentschieden in der regulären Spielzeit im Elfmeterschießen mit 8:7 durchgesetzt hatte, sind die Chipolopolo in einer kniffligen Gruppe gelandet.

Hervé Renard, der aus Frankreich stammende 44 Jahre alte Trainer des Teams, ist jedoch überzeugt davon, dass seine Mannschaft den Titel verteidigen kann, der den größten Erfolg Sambias aller Zeiten darstellt.

Hervé Renard, Sie sind am Samstag, 15. Dezember, in die sechswöchige Vorbereitung eingestiegen. Wie wird das Ganze strukturiert sein?
Am ersten Teil der Vorbereitung nehmen die im Inland unter Vertrag stehenden Spieler, aber auch die bei TP Mazembe und in China spielenden Akteure teil. Am 22. Dezember spielen wir in Dar Es Salaam gegen Tansania. Dann bekommen die Spieler drei Tage frei, und wir treffen uns am 26. Dezember in Johannesburg wieder. Die restlichen Spieler, die in England unter Vertrag stehenden und der Rest, kommen nach und nach hinzu. Am 8. Januar ist der Kader dann komplett. Wir werden mindestens drei Testspiele bestreiten: Am 5. Januar, wahrscheinlich gegen Swasiland, am 8. Januar gegen Marokko und dann am 12. zu Hause in Ndola gegen Norwegen. Möglicherweise werden wir am 15. Januar ein weiteres Spiel in Johannesburg bestreiten.

Sie sind amtierender Meister und denken sicherlich daran, den Titel zu verteidigen, oder?
Natürlich. Das ist doch ganz normal. Wir werden unserer Verantwortung gerecht werden, auch wenn wir in diesem Wettbewerb nicht favorisiert sind. Ich sage häufig, dass wir beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2012 das beste Team des Turniers waren, aber nicht unbedingt das beste in Afrika. Wir werden tun, was wir können, um so weit wie möglich zu kommen, und natürlich werden wir versuchen, den Titel zu verteidigen.

Wer ist Ihr Favorit?
Die Elfenbeinküste. Aber außer den Ivorern und Sambia gibt es noch mehrere andere Teams, die den Wettbewerb gewinnen können: Ghana, Südafrika und einige große Außenseiter wie Tunesien, Mali, Algerien und Nigeria.

Hatten Sie 2012 das Gefühl, Ihr Team sei unterschätzt worden?
Ehrlich gesagt, nein. Wissen Sie, Sambia spielt in Afrika seit fast 20 Jahren konstant oben mit. Das Team war regelmäßig in der Endrunde vertreten und hat oft die zweite Runde erreicht. Aber unser Sieg hat vermutlich eine Menge Leute überrascht, weil nur wenige erwartet hatten, dass wir so weit kommen würden. Ich wusste, dass wir etwas erreichen konnten. Jetzt konzentrieren wir uns auf die erste Runde, denn was uns dort erwartet, scheint knifflig zu sein.

Wer ist Ihr größter Rivale in Gruppe C?
Ich unterschätze niemanden. Ich bin wachsam, was Äthiopien angeht, das Benin und Sudan aus dem Rennen geworfen hat und ein harter Gegner ist. Aber unsere beiden größten Rivalen sind Burkina Faso, das in Gestalt von Alain Traore und Jonathan Pitroipa über sehr gute Einzelspieler verfügt, und dann natürlich Nigeria, mit Stephen Keshi, das im Jahr 2012 sehr erfolgreich war. Die Nigerianer waren letztes Jahr nicht dabei und wollen bei ihrer Rückkehr sicherlich Spuren hinterlassen.

Ist Ihr Team durch den Sieg in Libreville stärker geworden?
Sambia hat auf jeden Fall einen Durchbruch geschafft, so viel steht fest. Wir sind gereift, wir haben mehr Selbstbewusstsein. Das ist Fortschritt. In dem Freundschaftsspiel, das wir im November in Südafrika gewonnen haben [1:0] wurde dieser Eindruck meiner Meinung nach bestätigt. Nach dem Nationen-Pokal haben wir Ghana in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 erneut geschlagen [1:0], vier Monate nachdem wir uns im Halbfinale des Nationen-Pokals gegen sie durchgesetzt hatten [1:0]. Das sind einige Beispiele.

Es wird keine größeren Änderungen in der Mannschaft geben?

Nein, es wird zu 80 bis 85 Prozent dasselbe Team sein. Allerdings werden wichtige Spieler hinzukommen, zum Beispiel Emmanuel Mbola [FC Porto], der beim Afrikanischen Nationen-Pokal 2012 gesperrt war, Jacob Mulenga [FC Utrecht], Collins Mbesuma [Orlando Pirates] und William Njovu [Hapoel Be’er Sheva], die aus sportlichen Gründen nicht in Äquatorial-Guinea und Gabun vertreten waren.

Nach dem Erfolg in Libreville haben Sie mehrere Stellenangebote bekommen, darunter auch einige sehr lukrative. Tritt man immer noch regelmäßig an Sie heran?
Ja, ich bekomme Angebote vom Persischen Golf, aber auch aus China. Ich könnte schon irgendwo mehr Geld verdienen, aber ich habe hier in Sambia ein Projekt. Es stimmt schon, dass ich gedroht habe, zu gehen, als man mich im Juni nicht bezahlt hat und die Nationalmannschaft nicht gerade beste Bedingungen bekam, insbesondere was Reisen betraf. Seitdem funktioniert alles. Es ist sogar möglich, dass ich meinen Vertrag verlängere, der im Juli 2014 ausläuft. Hier kann ich Entscheidungen treffen, ohne dass sich jemand einmischt. Ich habe Spieler, mit denen ich gern arbeite, auch wenn ich streng zu ihnen bin. Ich verbringe viel Zeit mit der Suche nach jungen Talenten. Es gibt hier eine Kultur des Angriffsfussballs, mit der ich mich identifiziere, und Sambia ist ein Land, das ich liebe. Die Menschen hier sind toll und friedliebend.

Die Vereine Ihres Heimatlandes Frankreich scheinen hingegen nicht viel Interesse an Ihnen angemeldet zu haben, oder?
Das ist oft so. Wenn man als Trainer in Afrika arbeitet, glauben viele Leute nicht so sehr an einen. Und doch gibt es Leute wie Eric Gerets, Paul Le Guen und Vahid Halilhodzic, die auf diesem Kontinent eine Führungsrolle übernehmen oder übernommen haben. Aber ich bin nicht enttäuscht. Letztendlich sind die Leute, die Vereine in Frankreich führen, vielleicht nicht aufgeschlossen genug, um sich anzuschauen, was in Afrika passiert.