Lamouchi: "Wir akzeptieren die Favoritenrolle"
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Es ist zwar seine erste Station als Trainer, doch der 41-jährige Sabri Lamouchi kann auf eine fast zwei Jahrzehnte lange Karriere als Spieler aufbauen, um sein Ziel zu erreichen. Der ehemalige französische Nationalspieler will die Elfenbeinküste bei der Endrunde des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals im Januar und Februar zu ihrem zweiten Titel zu führen.

Die Elefanten haben bei den letzten vier Afrikameisterschaften zwei Mal das Finale erreicht, doch die ivorische "goldene Generation" läuft Gefahr, ihr großartiges Versprechen nicht einlösen zu können und ohne großen Titel zu bleiben. Der französische Coach sprach mit FIFA.com über sein talentiertes Team und über seine Verpflichtung, der Mannschaft dabei zu helfen, bei einem wichtigen Turnier den Durchbruch zu schaffen.

Sabri, wie sehen Ihre Pläne für die Vorbereitung der Elefanten im Vorfeld des Afrikanischen Nationen-Pokals aus?
Seit dem Sieg im Freundschaftsspiel in Österreich am 15. November bin ich in Europa geblieben, um mir einige Spiele anzusehen und Spieler zu treffen, und ich werde das auch im Dezember noch so handhaben. Am 5. Januar treffen wir uns in Paris und fliegen nach Abu Dhabi, wo sich die Mannschaft auch im Vorfeld der Afrikameisterschaft 2012 vorbereitet hat. Dort bleiben wir bis zum 16. Januar, und am 14. steht ein Freundschaftsspiel gegen Ägypten auf dem Programm.

Die endgültige Liste der 23 Spieler muss zehn Tage vor Beginn des Nationen-Pokals eingereicht werden. Wie viele Spieler nehmen Sie ins Trainingslager mit?
23! Das habe ich so entschieden, obwohl ich genau weiß, dass sich ein Spieler verletzen kann. Natürlich habe ich eine Liste von Alternativkandidaten, die benachrichtigt werden. Doch ich bevorzuge es, dass diese bei ihren Klubs sind, um bei voller Wettkampfhärte zu bleiben, bis sie gebraucht werden. In meinem Kopf steht mein Kader bereits fest.

Didier Drogba wurde in diesem Monat ein spezieller Wechsel auf Leihbasis nach dem Ende der chinesischen Saison, aber vor Beginn der Transferperiode, verweigert. Hätten Sie einen anderen Ausgang bevorzugt?
Vielleicht stellt es sich im Nachhinein als Segen heraus. Über diese Angelegenheit kann man zweierlei denken: Wenn er im Vorfeld der Afrikameisterschaft noch woanders gespielt hätte, wäre es ihm möglich gewesen, wieder auf Wettkampfniveau zu kommen. Doch andererseits könnte dies auch das Risiko erhöhen, sich zu verletzen, und möglicherweise seine Teilnahme an der Endrunde gefährden. Didier ist ein großartiger Profi, und ich weiß, dass er gut auf den Wettbewerb vorbereitet sein wird. Er wird vielleicht noch an Schnelligkeit zulegen müssen, doch er ist sich dessen bewusst und achtet sehr gewissenhaft auf seine Fitness.

Bei der Auslosung landete die Elfenbeinküste in Gruppe D mit Tunesien, Togo und Algerien. Was wissen Sie über Ihre drei Gegner?
Algerien und Tunesien sind zwei Mannschaften, die einen offensiven Fussball spielen, aber auch sehr schwer zu überwinden sind. Technisch ist viel Qualität vorhanden, doch sie sind auch taktisch intelligent und haben ein gutes kollektives Spiel. Ich werde sie im Vorfeld der Endrunde weiter studieren. Togo wiederum könnte wieder höchstes Niveau erreichen. In athletischer Hinsicht scheinen sie sehr stark. Wie dem auch sei: Wir werden in Bestform sein müssen, wenn wir diese Gruppe gewinnen wollen.

Und als einer der Favoriten denkt die Elfenbeinküste sicherlich auch an den Titelgewinn?
Natürlich – neben Sambia, dem Titelverteidiger, Ghana, das in den letzten Jahren konstant gute Leistungen gezeigt hat, und natürlich Südafrika als Gastgeber. Wir akzeptieren unseren Favoritenstatus. Als ich im Mai als Trainer der Elefanten verpflichtet wurde, war ich mir absolut über das Niveau dieser Mannschaft im Klaren. Es ist eine sehr starke Mannschaft mit Spielern, die in ihren Klubs viel gewonnen haben.

Aber noch nichts mit der Nationalmannschaft…
Das ist wahr, obwohl das Team alles hat, was es dafür braucht. In gewisser Hinsicht war es eine Vergeudung, und wenn diese Generation niemals etwas gewinnen würde, wäre es eine enorme Vergeudung. Es ist also unser Ziel, die Afrikameisterschaft zu gewinnen, und ich weiß, dass meine Spieler dazu in der Lage sind. Sie müssen dies als ihr Projekt annehmen. Für einige von ihnen ist es wahrscheinlich die letzte Chance, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Ich glaube an diese Mannschaft.

War das Team nicht ein Gefangener der eigenen hohen Erwartungen oder seines großartigen Rufs?
Zwei Ivorer – Didier Drogba und Yaya Touré – gehören zu den fünf nominierten Spielern für die Auszeichnung als Afrikas Fussballer des Jahres. Und Didier Drogba gehörte zur Kandidatenliste für den FIFA Ballon d’Or. Es sind also große Einzelkönner in dieser Mannschaft vorhanden. Doch es ist die Mannschaft, die den Unterschied ausmachen muss, und nicht nur einige Spieler. Nehmen Sie zum Beispiel Spanien: Sie haben große Namen wie Iniesta, Villa, Xavi und Fabregas, doch trotz allem sprechen wir meistens über die Qualität ihres kollektiven Spiels. Beachten Sie, dass ich die Elfenbeinküste nicht mit Spanien vergleichen will. Es ist nur ein Beispiel, das als Inspiration dienen kann.

Ihre Verpflichtung wurde kontrovers diskutiert, doch seit Ihrer Amtsübernahme blieb die Mannschaft mit vier Siegen und zwei Unentschieden ungeschlagen. Haben Sie sich gegen Ihre Kritiker durchgesetzt?
Ich akzeptierte die Kritik und die Zweifel zum Zeitpunkt meiner Verpflichtung. Ich hatte Verständnis dafür, denn letztlich konnte ich keine Erfahrung als Trainer vorweisen. Man sollte Kritik nicht ignorieren. Doch ich habe viele Jahre als Spieler hinter mir und bin in dieser Umgebung also kein Neuling. Es muss ein erstes Mal geben. Ich weiß nicht, ob ich alle überzeugt habe, doch ich will alles in meiner Macht stehende dafür tun, um diesen Spielern dabei zu helfen, dieses Projekt zu verwirklichen. Diese Verpflichtung garantiere ich jederzeit.