Le Roy: "Ein gutes Bild des Landes abgeben"
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Claude Le Roy hat sich als Trainer mehrerer afrikanischer Nationalmannschaften einen legendären Ruf erarbeitet. Anfang des kommenden Jahres wird er zum siebten Mal ein Team beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal betreuen. Der Franzose sitzt zum zweiten Mal bei der DR Kongo auf der Bank und hat es bereits geschafft, dem Team neue Hoffnung einzuhauchen.

Die Leoparden, die einst zu den stärksten Teams des Kontinents gezählt wurden, haben die letzten drei Turnierauflagen verpasst. Doch seit seinem Amtsantritt im September 2011 ist es Le Roy gelungen, das Ruder herumzureißen. Nun ist er zuversichtlich, dass sein Team bei der Kontinentalmeisterschaft vom 19. Januar bis 10. Februar konkurrenzfähig ist.

"So weit, so gut", sagte er auf die Frage, wie die Vorbereitung bisher läuft. "Wir führen für die in der DR Kongo aktiven Spieler ein Trainingslager in Südafrika durch. Dabei können wir die Bedingungen und die Umgebung kennen lernen, uns mit den Einrichtungen vertraut machen, und so weiter. Unser abschließendes Trainingslager wird dann in Oman stattfinden."

Die richtige Balance finden
Le Roys Vorgänger hatte große Schwierigkeiten, die Legionäre zu überzeugen, für ihr Land zu spielen. Doch heute sei die Situation genau umgekehrt, so der 64-jährige Fussballlehrer: "Als ich hier anfing, hatten zahlreiche Spieler erklärt, dass sie nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen wollten. Doch das hat sich jetzt geändert. Nun wollen Spieler wie Youssouf Mulumbu (West Bromwich Albion), Bedi Mbenza (RSC Anderlecht), Cedric Makiadi (SC Freiburg) und Cedric Mongongu (Evian) wieder für uns spielen. Sie bestärken sich sogar gegenseitig in ihrem Wunsch, für die Nationalmannschaft zu spielen. Daher haben wir fantastische Spieler zur Verfügung."

Le Roy ist allerdings entschlossen, auch einige in der DR Kongo aktive Spieler mit zur Endrunde z nehmen. "Ich muss die richtige Balance zwischen heimischen Spielern und Profi-Legionären bewahren. Die in der Heimat aktiven Spieler stellen eine Bereicherung für die Mannschaft dar. Sie inspirieren das Team und das ganze Land."

Le Roy hatte die Leoparden schon einmal, von 2004 bis 2006, betreut und ist überzeugt, dass sich die Situation seitdem verbessert hat. "Der Verband ist jetzt etwas stabiler und besser organisiert. Auch die Regierung unterstützt die Arbeit. In Afrika braucht man die Hilfe der Regierung, denn ohne sie kommt man kaum weiter. Man braucht die Hilfe für Trainingslager, um Flugtickets zu kaufen, um Bonusleistungen zu bezahlen. Es sind keine großen Beträge nötig, aber alles muss organisiert werden. Insbesondere wenn man zu einem Turnier wie dem Afrikanischen Nationen-Pokal fährt. Dort kommt es auf viele kleine Details an und alles muss vorbereitet sein."

Die DR Kongo gilt einigen Beobachtern als Geheimtipp, doch davon will Le Roy nichts hören. "Bitte, bitte, bitte", sagte er auf die Frage nach Chancen seines Teams in Gruppe B mit Ghana, Mali und Niger. "Wir standen in der Weltrangliste auf Platz 129, als ich übernommen habe, und sind gerade erst in die Top 100 vorgestoßen. Wir stehen in einer Gruppe mit Ghana und Mali. Wenn wir uns tatsächlich für die zweite Runde qualifizieren könnten, wäre das der Beginn eines wunderbaren Traumes. Aber Favoriten und Geheimfavoriten muss man wohl woanders suchen."

Bemerkenswerte Afrika-Bilanz
Nach dem Turnier in Südafrika wird Le Roy als einziger Trainer sieben Mal beim Afrikanischen Nationen-Pokal dabei gewesen sein. Seine persönliche Bilanz zeigt zudem, dass er alle seine bisherigen Teams mindestens bis ins Viertelfinale geführt hat. Allerdings weiß auch er selbst, dass es enorm schwierig wird, diese Serie auszubauen. "Wir wollen zumindest beim Fairplay und beim Verhalten perfekt sein. Wenn wir am Ende die Fairplay-Auszeichnung bekämen, wäre das großartig. Ich möchte, dass wir taktisch klug spielen und ein gutes Bild des Landes abgeben. Doch natürlich werden wir durchaus versuchen, es in die zweite Runde zu schaffen."

Le Roy hat an alle bisherigen Teilnahmen lebhafte Erinnerungen. "Ich hatte großes Glück. Ich habe den Afrikanischen Nationen-Pokal mit Kamerun gewonnen und den Gulf Cup mit Oman. Wo immer ich mit der Nationalmannschaft gearbeitet habe, war es ein großes Vergnügen. Daher fordert man mich immer wieder zur Rückkehr auf. Ich bin sehr zufrieden mit all den gewonnenen Trophäen und ich hatte das Glück, viele gute Spieler zur Verfügung zu haben. Doch am Ende zählen Siege für die Spieler und Niederlagen für die Trainer."

Le Roy ist auch im sozialen Bereich sehr engagiert. Er hofft, dass der Fussball der DR Kongo auch eine Atempause bringt. Im Osten des Landes haben bei Kämpfen zahlreiche Menschen ihr Leben verloren. "Viele Spieler sind sehr besorgt. Es herrscht schon viel zu lange Krieg im Land. Kongo hat riesiges Potenzial, nicht nur im Fussball sondern auch sonst. Es könnte eines der besten Länder sein, wenn Ruhe herrscht. Es ist sehr wichtig, dass wir gute Leistungen zeigen. Die Spieler sind wie Soldaten des Landes und sie müssen zeigen, dass sie alle vereint sein können."