Für Kap Verde geht ein Traum in Erfüllung
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Wenn im kommenden Januar die 16 besten Mannschaften des Kontinents in Südafrika zur 29. Auflage des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals antreten, werden einige große Namen fehlen. Allen voran Samuel Eto'o. Der kamerunische Star muss auf seine siebte Teilnahme verzichten, nachdem die Unzähmbaren Löwen in der letzten Qualifikationsrunde sensationell an Kap Verde scheiterten.

Odair Fortes musste beim 2:0-Heimsieg im Hinspiel in Praia den Platz verletzt verlassen, und verpasste dadurch die 1:2-Niederlage im Rückspiel in Yaoundé. Doch abgesehen davon ist Kap Verdes Mittelfeldspieler, der in Diensten des französischen Erstligisten Stade Reims steht, seit seinem Länderspieldebüt im Jahre 2010 ein wichtiger Leistungsträger für die Auswahl seines Heimatlandes.

Auch bei der ersten Teilnahme Kap Verdes an der Endrunde des Afrika-Cups dürfte er zu den Akteuren gehören, die das Rückgrat des Teams bilden. FIFA.com traf sich mit dem 25-Jährigen und sprach mit ihm exklusiv über den beispiellosen Aufschwung des Fussballs in der ehemaligen portugiesischen Kolonie: "Wir sind in der Abwehr sehr solide und im Angriff schnell und flexibel. Daher sind wir sehr konterstark."

Mit breiter Brust
Doch er fügt gleich hinzu, dass sich das Team keineswegs nur zurückzieht und es dem Gegner überlässt, das Spiel zu machen. Dies wurde auch im Rückspiel gegen Kamerun deutlich. Die Gastgeber mussten mindestens zwei Tore erzielen, um im Rennen zu bleiben, doch die Kap Verder brachten die Zuschauer schon früh durch einen eigenen Treffer zum Schweigen, den Stürmer Heldon Nhuck Ramos vom portugiesischen Klub Maritimo erzielte, der schon in der Qualifikation für den Afrika-Cup 2012 der beste Torjäger des Teams war.

"Ich denke, dass wir durchaus über die Fähigkeit verfügen, unsere Gegner unter Druck zu setzen. In unserem Team findet sich eine gesunde Mischung der Generationen. Unser Kapitän Fernando Neves ist schon 34, aber so leidenschaftlich und enthusiastisch als wäre er erst 20. Wir haben mehrere gute Spieler von Klubs in Portugal und in Osteuropa, und außerdem auch Mendes [von OSC Lille], ebenfalls ein sehr vielversprechender Akteur."

Ziel: Triumph in Südafrika
In der Qualifikation für den Afrika-Cup 2012 in Gabun und Äquatorial-Guinea war Kap Verde nur aufgrund der Tordifferenz hinter Mali gelandet. Fortes zufolge hat sich die Stimmung im Team seitdem deutlich verbessert. "Als wir Mali in unserem ersten Qualifikationsspiel für 2012 geschlagen hatten, begannen wir, an uns selbst zu glauben. Das hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. Und obwohl wir es dann nicht zur Endrunde geschafft haben, wussten wir, dass die Qualifikation für künftige Turniere kein unerfüllbarer Traum bleiben musste."

Nach den 90 Minuten von Yaoundé strichen Fortes und seine Teamkameraden den Lohn für viel harte Arbeit ein. "Für uns wird ein Traum wahr. In meiner Kindheit und Jugend hat jeder in Kap Verde Senegal unterstützt, das sehr nahe liegt. Jetzt hoffe ich, dass jeder in Senegal uns unterstützt! Wir haben uns qualifiziert und sind jetzt hoch motiviert. Wir werden nach Südafrika fahren, um das Turnier zu gewinnen! Ich glaube, dass mit Ausnahme der Elfenbeinküste derzeit kein afrikanisches Team stärker als wir ist."

Fussball auf den Straßen Praias
Wie viele afrikanische Spieler hat auch Fortes zunächst einfach auf der Straße gespielt. "Ich war immer beim Kicken auf den Straßen unserer Hauptstadt Praia dabei. Aber ich habe auch sehr gern Futsal gespielt, der in Kap Verde sehr populär ist. Dabei habe ich meine Technik sehr verbessert und bin schneller und dribbelstärker geworden. Mein Lieblingsspieler war immer der großartige Brasilianer Ronaldinho, zu dem ich als Youngster aufgeschaut habe."

Um seine Chancen auf eine Anstellung als Profi-Fussballer zu verbessern, reiste Fortes 2004 als 17-Jähriger mit seinem Onkel nach Frankreich. Nachdem er zunächst in der fünften französischen Liga für UJA Alfortville gespielt hatte, unterschrieb er bei Stade Reims, wo er seit vier nunmehr vier Jahren spielt. Sein erstes Länderspiel bestritt Fortes 2010 in Portugal. Es war ein Freundschaftsspiel gegen Guinea-Bissau.

Große Moral im Team
"Auch davor hatte es schon Kontakte zur neuen Führungsriege der Nationalmannschaft unter Lucio Antunes gegeben. Natürlich habe ich sofort zugesagt. Und seitdem bin ich immer wieder nominiert worden, wenn ich nicht verletzt war."

Fortes, der gewöhnlich auf dem Flügel eingesetzt wird, schreibt den Aufschwung Kap Verdes in erster Linie dem 46-jährigen Antunes zu und verweit zudem auf die kollektive Stärke und Geschlossenheit des Teams. Dies ist durchaus bemerkenswert, da zahlreiche Spieler aus verschiedenen Ländern im Kader stehen, die nicht in der Inselnation im Atlantischen Ozean geboren wurden.

Bereit für weitere Überraschungen
"Das ist der Arbeit des Trainers zu verdanken. Wir Spieler kennen uns untereinander nicht sehr gut. Aber trotzdem sind wir als Mannschaft sehr stark. Dafür müssen wir dem Trainer dankbar sein", so Fortes.

Nun steht Antunes mit Kap Verde vor der ersten Teilnahme am Afrika-Cup. Und wenn das Team dort ähnlich gut spielt wie in den zwei Partien gegen Kamerun, dann könnte es nach dem Ausschalten der Unzähmbaren Löwen durchaus noch für weitere Überraschungen sorgen.