Bierhoff: "Wir sind auf einem guten Weg"
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Oliver Bierhoff kennt das Gefühl, Europameister zu werden, aus persönlicher Erfahrung. Und er weiß auch, was es bedeutet, für eine Mannschaft Verantwortung zu übernehmen und ein solches Turnier aus eigener Kraft für sich zu entscheiden. Den deutschen Fans wird jenes Golden Goal, mit dem Bierhoff die DFB-Auswahl bei der UEFA EURO 1996 in der Verlängerung des Finales gegen die Tschechische Republik zum kontinentalen Titel schoss, sicher noch in bester Erinnerung sein.

Aufgrund dieses entscheidenden Treffers in einem EM-Finale sowie in seiner Eigenschaft als heutiger Teammanager der deutschen Nationalmannschaft ist der ehemalige Mittelstürmer mehr als berufen, um im Exklusiv-Gespräch mit FIFA.com über den Start des deutschen Teams in das laufende Turnier und dessen Chancen auf den ersten Titelgewinn seit 16 Jahren zu sprechen, als Deutschland dank seiner beiden Tore Europameister wurde.

Von Spiel zu Spiel besser werden
Trotz einiger kritischer Kommentare seitens der Medien in Verbindung mit den bislang knappen Ergebnissen ist Bierhoff mit den bisherigen Leistungen der deutschen Mannschaft bei diesem Turnier sehr zufrieden. "Wir haben eine herausragende Vorrunde gespielt, denn wir sind in einer sehr schweren Gruppe Erster geworden, nachdem wir alle drei Gruppenspiele gewinnen konnten. Deutschland zählt im Vorfeld von Turnieren regelmäßig zu den Favoriten. Allerdings muss dieser Status auch immer wieder auf dem Platz bestätigt werden. Meiner Meinung nach ist uns das auch dieses Mal gelungen. Schließlich haben wir bislang durchweg positive Ergebnisse erzielt", so Bierhoff.

Für den Vize-Weltmeister von 2002 gab es dabei einen markanten und für den weiteren Turnierverlauf wichtigen Zeitpunkt, ab dem die Mannschaft ihr wahres und zuvor oft gelobtes Potenzial abrief und damit die meisten Zweifel an ihr zerstreute. "Ich glaube, dass die Partie gegen die Niederlande von entscheidender Bedeutung war, und zwar nicht nur, weil wir gegen einen unserer stärksten Rivalen gewonnen haben, sondern auch deshalb, weil die Niederlande bis zu diesem Spiel zum Kreis der Favoriten auf den Turniersieg zählten. Und unser Sieg war absolut verdient. Natürlich war dies auch wichtig für unsere Fans, denen wir damit beweisen haben, dass wir uns nach dem schwierigen Auftaktspiel gegen Portugal deutlich steigern konnten."

Bierhoff verwies zudem auf die Bedeutung einer schrittweisen Verbesserung von Spiel zu Spiel. Genau das sei bisher seiner Auffassung nach bei der DFB-Elf der Fall gewesen. Und falls sie dieser Tendenz treu bleibt, wäre dies für seine Mannschaft in der K.o.-Runde sicher von Vorteil. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Auch wenn es nach der ersten Partie in punkto Einsatzbereitschaft und Siegeswille generell keine Zweifel gab, ein paar Fragen kamen trotzdem auf. Ich meine, dass wir von da an aufgrund der Art und Weise, wie wir Gruppensieger geworden sind, unsere Sache ziemlich gut gemacht haben. Selbstverständlich müssen wir noch einiges verbessern, wenn wir am Ende den Titel holen wollen", ist sich Bierhoff sicher.

Kontinentale Krone fest im Visier
Es mag vielleicht etwas seltsam erscheinen, dass an einer Mannschaft mit einer makellosen Bilanz aus der Gruppenphase, in der sie alle drei Spiele für sich entschied, noch etwas zu verbessern sein soll. Und dennoch: Deutschlands Teammanager weiß sehr wohl, wovon er spricht, wenn er einige Bereiche aufzählt, die er für noch verbesserungswürdig hält. "Wir waren in der Abwehr gut aufgestellt, denn wir haben solide verteidigt und unseren Gegnern kaum Räume überlassen. Bei den Kontern, die eigentlich unsere größte Stärke sind, müssen wir aber noch besser werden. Und wir müssen unser Spiel flüssiger machen."

Kein Wunder, dass der frühere Mittelstürmer, der in 70 Länderspieleinsätzen für Deutschland 37 Treffer erzielte, der Offensive nach wie vor größte Bedeutung beimisst. "Das ist ein wichtiger Faktor. Wie müssen noch mehr Druck nach vorn entwickeln und die Torchancen, die wir uns in jedem Spiel erarbeiten, besser verwerten. Wäre uns dies in der Vorrunde gelungen, hätten wir zu keinem Zeitpunkt bangen müssen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Wenn eine Mannschaft mit drei Siegen aus drei Spielen ins Viertelfinale einzieht, kann man von ihr momentan gar nicht mehr verlangen."

Zum Schluss unseres Gesprächs ging Bierhoff noch auf den kommenden Gegner der DFB-Auswahl ein und warnte in diesem Zusammenhang davor, die Partie gegen Griechenland mit übertriebenem Selbstvertrauen anzugehen. "Die Griechen haben eine starke Mannschaft, die sich nach einem eher durchwachsenen Auftaktspiel deutlich steigern konnte und sich deshalb für das Viertelfinale qualifiziert hat. Überdies sind sie die Europameister von 2004. Damals überraschten sie nahezu alle Teams, auf die sie im Turnierverlauf trafen, einschließlich jener, die zuvor als Favoriten gehandelt worden waren. Es wird sicher kein leichtes Spiel, wenngleich ich aufgrund der bisherigen Leistungen unserer Mannschaft darauf vertraue, dass wir weiterkommen", so Bierhoff optimistisch.