
Zögerlich verließ Andriy Shevchenko die ganz große Fussball-Bühne. Sein Mienenspiel verriet Frust über eine bittere Niederlage und Traurigkeit, als sei er sich gerade über das Ende eines bedeutenden Kapitels in seinem Leben klar geworden. Noch ein Blick ins weite Rund der Donbass Arena in Donezk, dann verschwand das ukrainische Fussball-Idol endgültig in den Katakomben.
"Ich möchte jetzt nur noch nach Hause, meine Kinder umarmen und meiner Frau einen Kuss geben", sagte der 35-Jährige in einem Anflug von Sentimentalität. Die Fragen nach seiner Zukunft blieben unbeantwortet. Nur eines stand mit dem Abpfiff des letzten Vorrundenspiels gegen England (0:1) fest: Nach 17 Jahren, 111 Länderspielen und 48 Treffern ist für den Rekordtorschützen Schluss bei den Blau-Gelben. Nur so viel verriet er: "Ich werde noch ein Abschiedsspiel für die Fans bestreiten."
Allerdings hatte sich der Torjäger ein anderes Ende der UEFA EURO und seiner Karriere in der Sbirna gewünscht. Dass es eine Niederlage sein würde, war klar, denn niemand konnte im Land glauben, dass die Ukraine den EM-Titel gewinnt. Es war die Art und Weise des Ausscheidens mit einem Treffer, der nachweislich keiner war, die ihn nachdenklich und unzufrieden stimmte.
Lange hatte sein Einsatz zudem infrage gestanden, nachdem er im zweiten Gruppenspiel gegen Frankreich (0:2) zwei Schläge gegen das linke Knie bekommen hatte und der Teamarzt Wasser aus dem Gelenk entfernen musste. Die Zeit bis zum Gruppen-Finale war zu kurz für einen 90-Minuten-Einsatz. Trainer Oleg Blochin gönnte einem der populärsten Söhne des Landes zumindest die letzten 20 Minuten der Begegnung. Am Ende hatte "Sheva" die einzigen beiden Turniertreffer für die Ukraine beim 2:1 im Auftaktspiel gegen Schweden erzielt.
"Ich hoffe, die Fans waren zufrieden mit dem, was wir hier gespielt haben. Ich freue mich für unsere jungen Spieler, die heute einen so starken Auftritt hatten. Dieser Mannschaft gehört die Zukunft", sagte Shevchenko. Er selbst wird seinem Alter Tribut zollen. Der Körper reagiert sensibler denn je auf hohe Belastungen, seit Jahren plagen ihn Rückenschmerzen.
Shevchenko Vertrag bei Dynamo Kiew, wo er seine Profikarriere 1994 begann, um über die Stationen AC Mailand mit dem Champions-League-Sieg 2003 und FC Chelsea 2009 wieder zu seinem Heimatverein zurückzukehren, läuft aus. So ganz lassen will es der Publikumsliebling vermutlich noch nicht. Offenbar zieht es "Sheva" mit seiner Ehefrau, dem amerikanischen Fotomodell Kristen Pazik, und seinen beiden Kindern in die USA, wo er sich ein Engagement und endgültiges Karriereende in der Major League Soccer (MLS) gut vorstellen kann.




