Tahiti geht mit wehenden Fahnen voran
© FIFA.com

Die jüngste Auflage des OFC Nationen-Pokals könnte sich in den nächsten Jahren sehr wohl als Wendepunkt in der Entwicklung des Fussballs im Pazifikraum erweisen. Zum ersten Mal in der 39-jährigen Geschichte des kontinentalen Turniers hat ein pazifischer Inselstaat gewonnen, die acht vorherigen Titel gingen zu gleichen Teilen an Australien und Neuseeland. Nach Tahitis durchschlagendem Erfolg steht uns eine faszinierende letzte Qualifikationsrunde für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ bevor. Durch das Erreichen des Halbfinales des OFC Nationen-Pokals haben sich außer den Polynesiern nämlich noch Neukaledonien, Neuseeland und die Salomon-Inseln qualifiziert. Das zehntägige Turnier fand in Honiara statt, der Hauptstadt der Salomonen.

Der Titelgewinn der Tahitianer ist die Krönung einer großen Erfolgsperiode für den Fussball des Landes im äußersten Osten der ozeanischen Konföderation. Tahiti überraschte bereits mit der Qualifikation für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2009 in Ägypten und konnte dann auch auf Sand einen kontinentalen Erfolg verbuchen, der zur Qualifikation für die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft in Italien führte. Nach diesem ersten Erfolg auf A-Nationalmannschaftsebene, an dem mehrere Mitglieder des U-20-Kaders von 2009 beteiligt waren, stehen Tahiti gar noch größere Höhenflüge bevor. Das Land hat sich damit nämlich auch für den FIFA Konföderationen-Pokal 2013 qualifiziert - ebenfalls ein Novum für einen pazifischen Inselstaat.

Tahitis Erfolg sowie der Neukaledoniens, des zweiten Finalisten, ist noch bemerkenswerter, wenn man sich bewusst macht, dass Neuseeland in den letzten Jahren rasante Fortschritte zu verzeichnen hatte. Nachdem die All Whites im Jahr 2004 nicht ins kontinentale Finale einziehen konnten, nahmen sie unter Ricki Herbert den Neuaufbau in Angriff, der in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ gipfelte. Damit war eine 28-jährige Abwesenheit von der Weltbühne endlich beendet. Bemerkenswerterweise war Neuseeland bei der WM 2010 in Südafrika das einzige Team, das ungeschlagen geblieben ist, allerdings schied man nach drei Unentschieden trotzdem nach der Gruppenphase aus. Einige dachten daraufhin, die All Whites würden in ihrer Region noch jahrelang die dominante Fussballmacht bleiben, aber die beim Turnier in Honiara zur Schau gestellte Qualität und die zahlreichen engen Spielausgänge widersprachen dieser Theorie.

Harter Wettbewerb
Der Spielplan des Wettbewerbs, der fünf Spiele innerhalb von zehn Tagen unter großer Hitze vorsah, ließ das Ganze zu einer äußerst strapaziösen Angelegenheit werden. Allerdings gab es, anders als in den vergangenen Jahren, kaum Einbahnstraßenfussball zu sehen. Einmal abgesehen von den fünf Spielen an denen Vanuatu oder das aus Runde eins qualifizierte Samoa beteiligt waren, wurde nur eine von elf Partien mit mehr als einem Tor Unterschied gewonnen. Der einzige Sieg mit zwei Toren Unterschied kam erst in der Nachspielzeit zustande, als Neuseeland im Halbfinale gegen Neukaledonien auf einen späten Ausgleichstreffer drängte und stattdessen das Gegentor kassierte.

Das wohl prominenteste Opfer dieses großen Qualitätsanstiegs war der "ewige Zweite" Fidschi. Das Team war in diesem Turnier wohl auch etwas glücklos und musste den WM-Traum bereits nach der Gruppenphase begraben. Fidschi, das einzige Team, das Neuseeland in der gesamten Qualifikation für Südafrika 2010 schlagen konnte, musste sich dieses Mal mit 0:1 gegen die All Whites geschlagen geben. Anschließend kam man nach einer spannenden und hart umkämpften Partie gegen die Salomon-Inseln über ein torloses Unentschieden nicht hinaus, was sich letztlich als entscheidend erweisen sollte. Ein spätes Gegentor gegen Papua-Neuguinea besiegelte das Schicksal von Carlos Buzzettis Mannschaft.

Der langjährige australische Nationaltrainer Frank Farina hat mit Papua-Neuguinea einen beeindruckenden Auftritt hingelegt. Papua-Neuguinea war nach einer langen Pause erst letztes Jahr wieder auf die internationale Fussballbühne zurückgekehrt und zeigte eine schnelle Entwicklung. Nur knapp unterlag das Team Neuseeland und den Salomon-Inseln und wurde im letzten Spiel gegen Fidschi schließlich für seine Anstrengungen belohnt.

Herbert enttäuscht
Die Neuseeländer mussten ebenfalls enttäuscht die Heimreise antreten, denn das Ziel eines Startplatzes beim FIFA Konföderationen-Pokal wurde verfehlt. Allerdings hat das Team die Chance, bei der noch in diesem Jahr beginnenden nächsten Qualifikationsrunde für Brasilien 2014 zumindest teilweise Wiedergutmachung zu leisten. Das Turnier wird im Hin- und Rückspielmodus ausgetragen. "Ich bin sehr enttäuscht", erklärte Ricki Herbert nach dem Halbfinal-Aus gegen Neukaledonien. "Ich bin jetzt seit 52 Spielen im Amt, und dies ist einer der schlimmsten Momente." In den bevorstehenden Qualifikationsspielen für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™ werden die All Whites allerdings durch die Rückkehr von Mannschaftskapitän und Leistungsträger Ryan Nelsen sowie seinem Abwehrkollegen Winston Reid noch einmal Auftrieb bekommen.

Die Salomon-Inseln haben erneut ihre große Fussballbegeisterung gezeigt, als enorme Zuschauermassen ins Lawson-Tama-Stadion mit seiner naturbelassenen Stadionschüssel strömten, insbesondere bei den Spielen des Gastgebers. Zwar waren die Fans der Heimmannschaft nach der 0:1-Niederlage ihres Teams im Halbfinale gegen Tahiti enttäuscht, aber die Enttäuschung wird sicherlich nicht lange anhalten. Schließlich können sie sich auf die bevorstehende nächste Runde der WM-Qualifikation freuen, nachdem ihre Mannschaft die Gruppenrunde mit einem bemerkenswerten 1:1-Unentschieden gegen Neuseeland abgeschlossen hat. Stürmer Benjamin Totori unterstrich seinen Status als jüngste Torjägerikone der Salomon-Inseln mit einem spektakulären Ausgleichstreffer gegen die All Whites und einer Ausbeute von vier Treffern im gesamten Turnier.

Auf dem Vormarsch
Die große Erfolgsgeschichte des Turniers war zweifellos die rasante Entwicklung der beiden französischsprachigen Länder Tahiti und Neukaledonien. Obwohl die beiden Teams vorher kaum im Rampenlicht standen, waren die Prognosen für Neukaledonien nach dem Sieg bei den Pazifik-Spielen im letzten Jahr schon recht gut. Auch Tahitis unterschiedliche Nationalmannschaften konnten in den letzten Jahren auf dem Kontinent bereits Erfolge verbuchen, und auf Vereinsebene stand AS Tefana dieses Jahr im Finale der OFC O-League.

Und doch musste Tahiti vor acht Jahren noch eine 0:9-Niederlage gegen Australien hinnehmen und belegte beim sechs Mannschaften umfassenden OFC Nationen-Pokal den letzten Platz. Neukaledonien wurde im selben Jahr (2004) erst FIFA-Mitglied.

Tehau-Brüder stark
"Das ist unglaublich, unfassbar", so Tahitis Trainer Eddy Etaeta bewegt. Nach dem Abpfiff am Sonntag konnte er die Freudentränen nicht zurückhalten. "Wir haben diesen Weg vor zwölf Jahren beschritten und jetzt endlich unser Ziel erreicht: die Teilnahme am Konföderationen-Pokal." Die Brüder Jonathan, Lorenzo und Alvin Tehau und ihr Cousin Teaonui sorgten für einen weiteren Höhepunkt des Turniers, als sie insgesamt sage und schreibe 15 Tore erzielten. Tahitis Mannschaftskapitän Nicolas Vallar wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt.

Die Neukaledonier waren zwar nach ihrer Niederlage im Finale enttäuscht, haben jedoch gezeigt, dass man in der bevorstehenden WM-Qualifikation und darüber hinaus mit ihnen rechnen muss. Trainer Alain Moizan verfügt über eine ganze Reihe von Angriffstalenten, von denen Jacques Haeko das Turnier mit sechs Treffern als bester Torschütze abschloss. Auch der durchschlagskräftige Bertrand Kai stellte für alle Gegner eine ständige Gefahr dar.