U.S.-Trainer Bob Bradley, der zu Beginn des FIFA Konföderationen-Pokals Südafrika 2009 nach zwei klaren Niederlagen und sechs kassierten Toren in der Kritik stand, erfuhr nach dem letzten Spiel, dem zweiten Sieg in Folge, eine Welle des Lobes. Die Strategie, die Spanier früh unter Druck zu setzen, stellte die strategischen Fähigkeiten des Trainers unter Beweis und führte zum 2:0-Sieg im Halbfinale.

FIFA.com erfuhr in einem Exklusiv-Interview allerdings, dass der Chefcoach ein völlig anderes Spiel erwartet, wenn seine junge Mannschaft am Sonntag in ihrem ersten Finale bei einem FIFA-Wettbewerb gegen die Supermacht Brasilien antritt.

Brasilien eine andere Herausforderung
"Die Brasilianer stellen eine völlig andere Herausforderung dar als die Spanier", erklärte der frühere Trainer von Chicago Fire, New York MetroStars und Chivas USA am Vorabend des Finales in Johannesburg. "Es ist weder leicht noch aufschlussreich, die beiden Mannschaften zu vergleichen. Was ihre Passfähigkeit angeht wie auch ihre Art, Lücken zu finden und das Spiel zu bestimmen, so sind die Spanier auf der Welt unübertroffen. Die Brasilianer sind aber auch ein ganz besonderes Team, das seine Angriffe von tieferen Positionen aus starten kann. Ihr gegenseitiges Verständnis ist phänomenal, und ihre schnelle Kombinationsfähigkeit über große Entfernungen macht sie ungeheuer gefährlich."

Bradley und seine Jungs erfuhren auf schmerzhafte Art und Weise, wie schnell die Brasilianer über große Entfernungen sein können, und auch wie gnadenlos sie Fehler ihrer Gegner ausnutzen. Die 0:3-Niederlage, die die Amerikaner während der ersten Runde in Tshwane/Pretoria erlitten, war eine Lehre, und der geradlinige Bradley wird den gleichen Fehler nicht ein zweites Mal begehen.

"Ein unglaubliches Tempo"
"Wir waren nicht glücklich über die Art und Weise, wie wir gegen die Brasilianer in der ersten Runde gestartet sind," sagte der Trainer und bezog sich damit auf den zögerlichen Start, in dem die USA schon in der siebten Minuten ein Tor nach einem Freistoß kassierten. "Wir haben viel zu langsam begonnen und gegen die Brasilianer ist dies einfach unverzeihlich." Ein individueller Fehler von DaMarcus Beasley, der nach einer Ecke den Ball nicht kontrollieren konnte, ermöglichte eine blitzschnelle Konterattacke, die mit Kaká begann und von Robinho erfolgreich abgeschlossen wurde.

"Wir waren von ihrer Reaktionsschnelle nach diesem Fehler regelrecht schockiert", so Bradley, ein ehemaliger Trainer der U.S.-amerikanischen U-23-Mannschaft. "In ihrem Spiel gegen Italien machten sie genau das Gleiche. Wenn man einen Fehler gegen Brasilien macht, wird man dafür bestraft, egal wer man ist. Die Brasilianer bewegen sich mit einem unglaublichen Tempo. Wir respektieren das, doch wir haben einige Lehren aus diesem ersten Spiel gezogen."

Cleverer Start erforderlich
Entscheidende Fehler können nicht mit letzter Sicherheit vermieden werden, gesteht Bradley ein, doch dieses Spiel will er auf jeden Fall mit einem anderen Kampfgeist und mehr Energie angehen. "Wir müssen von der ersten Spielminute an unser Spiel spielen, ein aggressives, cleveres Spiel mit Energie und Tempo. Das haben wir erst nach unseren ersten beiden Niederlagen getan, und wir haben Ägypten und Spanien besiegt, als wir den Platz mit der richtigen Einstellung betraten."

Bradley wird ohne einen seiner Spitzenspieler auskommen müssen, nämlich seinen Sohn und Mittelfeldspieler Michael, der gegen Spanien zwei Minuten vor Schluss wegen einer rücksichtslosen Attacke vom Platz gestellt worden war. Auch wenn er eingesteht, dass die Situation nicht ideal ist, glaubt Bradley senior, der in Südafrika schon drei seiner Spieler durch Platzverweise verloren hat, an die kollektive Fähigkeit seines Teams, sich über diesen Rückschlag hinwegzusetzen.

Finale als Chance betrachten
"Man muss Veränderungen vornehmen, sich anpassen", sagte er. "Wichtige Spiele wie das morgige zeichnen sich dadurch aus, dass Spieler die Chance bekommen, für die Entscheidung zu sorgen. Und das betrifft nicht nur die Spieler, mit denen man rechnet. In unserem Team ist jeder wichtig. Ich bin voller Zuversicht, dass derjenige, der Michaels Platz einnehmen wird, so spielen wird, wie wir es erwarten, und hart für unseren Erfolg kämpfen wird."

Er verkneift es sich, über eine Revanche für die vorhergehende Niederlage zu sprechen, doch es ist offensichtlich, dass Bradley im bevorstehenden Finale die Dinge richtig stellen will. "Wir haben eine weitere Chance, gegen Brasilien anzutreten und das Spiel zu spielen, von dem wir wissen, dass wir es können. Man bekommt nicht oft eine zweite Chance!"