Auf den ersten Blick schien es, als ob der Muskelfaseriss, den sich Marcos Senna im April dieses Jahres zugezogen hatte, seine Teilnahme am FIFA Konföderationen-Pokal 2009 nicht gefährden würde. Doch dann traten einige Komplikationen auf, die dem Mittelfeldspieler einen Auftritt in Südafrika unmöglich machten. "Wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist, leidet man mehr, als wenn man spielt", gestand Senna mit bitterem Unterton gegenüber FIFA.com. "Dass ich dieses Turnier von zu Hause aus verfolgen musste, war für mich besonders hart, denn als Fussballer will man natürlich immer auch spielen. Genau das kann ich aber schon seit zwei Monaten nicht mehr. Inzwischen klingt die Verletzung langsam ab, und ich hoffe, noch vor Beginn der kommenden Saison wieder fit zu sein."
Der Spanier mit brasilianischen Wurzeln war bei der UEFA EURO 2008 eine der Schlüsselfiguren im Mittelfeld der Furia Roja. Derzeit verfolgt er intensiv die Spiele seiner Mannschaftskameraden, mit denen er in ständigem telefonischen Kontakt steht und denen er für das Spiel in Rustenburg um Platz drei ganz besonders die Daumen drückt.
Senna befindet sich mittlerweile auch in Südafrika, wo er gerade ein Projekt der von ihm geleiteten Stiftung zum Bau einer Schule für Kinder aus benachteiligten Familien in der südafrikanischen Stadt Gansbaai vorgestellt hat. Und selbst er, der die Armut aus eigenem Erleben kennt, zeigte sich angesichts der Lage an einigen Orten Südafrikas, zum Beispiel in Soweto, zutiefst beeindruckt. "Ich hatte damit gerechnet, hier auf Armut zu stoßen, denn ich wusste ja, dass dies zu den Problemzonen gehört. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass die Not so groß sein würde. Es geht mir unter die Haut, wenn ich sehe, dass die dort lebenden Menschen keinerlei Perspektive haben. Deshalb will ich unbedingt etwas dagegen tun: Ich möchte der Gesellschaft etwas von dem zurückgeben, was sie mir im Überfluss gegeben hat. Ich möchte diesen Kindern eine Chance geben", so Senna sichtlich bewegt.
Solidarität und ein bisschen Fussball
Senna gestand, dass er den Termin für seine Südafrika-Reise bewusst gewählt habe, um das Finale des "Festivals der Meister" zwischen Brasilien und Spanien vor Ort zu erleben. Doch diesem Vorhaben machten die USA einen Strich durch die Rechnung. "Ich glaube nicht, dass ich meiner Mannschaft gefehlt habe. Dieses Team hat großartige Spieler in seinen Reihen. Egal ob mit oder ohne Marcos Senna, die Niederlage gegen die USA wäre so oder so gekommen", ist sich der Mittelfeldstratege sicher.
"Die Amerikaner waren in der Defensive außerordentlich stark, und von den zwei oder drei Torchancen, die sie in dieser Partie hatten, haben sie zwei genutzt. Wahr ist aber auch, dass wir ebenfalls jede Menge klarer Einschussmöglichkeiten hatten. Daher bin ich der Meinung, dass wir zumindest ein Unentschieden verdient gehabt hätten. Doch so ist es halt im Fussball. Das Wichtigste ist jetzt, dass die Jungs die Ruhe bewahren und sich bis zu den nächsten Spielen ausreichend erholen. Im kommenden Jahr müssen wir dann hundertprozentig fit sein", so Senna mit Blick auf die FIFA WM 2010™, wobei er betont von "uns" spricht, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass er sich beim spanischen Nationalcoach als gesetzt sieht.
"Angesichts dieser Art, Fussball zu spielen, ist eine WM ohne Spanien nur schwer vorstellbar. Andererseits sind wir noch nicht endgültig am Ziel angelangt. Vicente [del Bosque] muss so weitermachen wie bisher. Wegen einer Niederlage muss er noch lange nicht sein methodisches Vorgehen ändern", meinte der Profi vom FC Villarreal.
Eine Mannschaft, die ihr Ziel speziell bei diesem FIFA Konföderationen-Pokal bereits erreicht hat, ist das Team aus Sennas Geburtsland Brasilien. Vor allem für Trainer Dunga findet der Mittelfeldspieler nur Lob und Anerkennung. "Ich persönlich habe Vertrauen in seine Arbeit, auch wenn er von vielen Seiten kritisiert wird. Er kann auf eine äußerst gute Bilanz verweisen, denn er hat mit seiner Mannschaft den Titel bei der Copa América gewonnen und steht nun im Finale des FIFA Konföderationen-Pokals. Er selbst war in seiner aktiven Zeit ein Topspieler und versteht eine Menge vom Fussball", urteilte der in São Paulo geborene Senna.
Offensichtlich nimmt die Seleção im Herzen des gebürtigen Brasilianers nach wie vor eine besondere Stellung ein. Kein Wunder also, dass er die Spiele des fünfmaligen Weltmeisters mit ähnlicher Leidenschaft verfolgt wie die des spanischen Nationalteams. "Brasilien hat sich in jüngster Zeit stark verbessert. Die Halbfinalpartie gegen Südafrika war ziemlich ausgeglichen, so dass im Grunde jede von beiden Mannschaften hätte gewinnen können. Am Ende hat sich jedoch die individuelle Klasse der Brasilianer durchgesetzt, auch wenn sie sich nicht so souverän präsentierten wie zuvor gegen Italien. Im Finale werden sie indes auf der Hut sein müssen, denn die USA gehen mit breiter Brust in diese Partie. Folglich ist ihr Ausgang völlig offen", so Sennas Prognose.

