Am Sonntag bestreitet CONCACAF-Meister USA in Südafrika erstmals ein Finale bei einem FIFA-Wettbewerb der Männer. Es wird ein außergewöhnlicher Tag für alle 23 Mitglieder des amerikanischen Kaders. Für einen Spieler in den Reihen der USA hat die Partie indes einen ganz besonderen Reiz. Benny Feilhaber, der im Auftaktspiel gegen Italien in der Startformation stand und in den drei folgenden Partien der USA jeweils eingewechselt wurde, ist in Brasilien geboren. Am 28. Juni tritt er in Johannesburg somit gegen sein Geburtsland an. Auf dem Spiel steht dabei nicht weniger als der Titel beim FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009.

"Es ist schon etwas Besonderes, hier Teil der Fussballgeschichte zu werden und erstmals mit den USA ein Finale zu erreichen", so Feilhaber, der in Rio de Janeiro geboren wurde, gegenüber FIFA.com. "Es geht nun ausgerechnet gegen das Land, in dem ich geboren wurde, das Land meiner Eltern, in dem ich noch immer sehr viele Freunde und Familienangehörige habe. Daher wird es für mich wohl eine ganz besonders emotionale Partie."

Die Karriere des kreativen Mittelfeldspielers kam eher zufällig ins Rollen. Im Alter von sechs Jahren war Benny mit seiner Familie nach New York gezogen. Doch er geriet erst viel später ins Blickfeld der Nationalmannschaft, als er an der Universität von Kalifornien in Los Angeles eingeschrieben war und bei einer spontanen Partie entdeckt wurde. Es folgte das Angebot, der Universitätsmannschaft UCLA Bruins beizutreten. Kurze Zeit später gehörte Feilhaber bereits zum Kader, den die USA zur FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2005 in die Niederlande schickten. Dank seiner starken Leistungen in den Niederlanden konnte Feilhaber einen Vertrag beim Bundesligisten Hamburger SV abschließen. 2007 wechselte Feilhaber dann nach England zu Derby County und ein Jahr später weiter zu Aarhus GF in Dänemark.

Erinnerungen an die WM 1994
Ohne Feilhaber wären die USA im Übrigen möglicherweise gar nicht hier in Südafrika dabei. Denn er erzielte im Finale des CONCACAF Gold Cup 2007, dem Qualifikationsturnier der Kontinentalzone für den FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009, mit einem sehenswerten Volleyschuss aus der Distanz den Siegtreffer gegen Mexiko.

Es ist schon etwas Besonderes, hier Teil der Fussballgeschichte zu werden und erstmals mit den USA ein Finale zu erreichen.
Benny Feilhaber (USA)

Dabei hatte er im Finale im Juni 2007 in Chicago nur in der Startformation gestanden, weil Michael Bradley im Halbfinale gegen Kanada die Rote Karte gesehen hatte. Die Geschichte könnte sich am Sonntag in Johannesburg durchaus wiederholen, denn Bradley wurde erneut in der Vorschlussrunde des Feldes verwiesen, dieses Mal in der 88. Minute der Partie gegen Europameister Spanien, die mit dem historischen Sieg der Amerikaner endete.

Doch ganz gleich, ob er nun von Beginn an spielt oder später eingewechselt wird - für Feilhaber wird die Partie etwas ganz Besonderes sein. Bei der 0:3-Niederlage in der Gruppenphase hatte Feilhaber gut 30 Minuten gespielt. Als das Gespräch auf die bisherigen Duelle zwischen den beiden von ihm geliebten Ländern kommt, werden Feilhabers gemischte Gefühle offensichtlich. "Ich erinnere mich noch an das Achtelfinale der WM 1994, als Bebeto das Siegtor gegen die USA erzielte", erzählt der eingefleischte Fan von Botafogo, der hofft, eines Tages in Brasilien spielen zu können. Mit einem breiten Grinsen fährt er fort: "Ich habe das Spiel bei meiner Großmutter in Brasilien gesehen. Ich war während der Sommerferien aus den USA nach Brasilien gekommen, und meine ganze Großfamilie saß um mich herum. Sie alle waren völlig aus dem Häuschen. Als Bebeto das Tor erzielte, gab's kein Halten mehr."

"Einer der glücklichsten Momente meines Leben"
Feilhabers Entwicklung wurde durch ernsthafte Knieverletzungen und zwei Operationen, die fast ein ganzes Jahr Pause bedeuteten, deutlich gebremst. Doch Nationaltrainer Bob Bradley hat trotzdem auf den 24-jährigen Mittelfeldspieler gesetzt und wird nun wohl auch heute auf ihn zurückgreifen. Auf die Frage, welche Mannschaft seine Familie nun in dieser besonderen Partie zwischen den USA und Brasilien unterstützen wird, meint er: "Ich bin ziemlich sicher, dass meine Eltern hinter uns stehen, also den USA. Aber viele meiner Verwandten werden sicher auch für Brasilien sein. Sie sind leidenschaftliche Brasilien-Fans und ich mache ihnen keinen Vorwurf."

Feilhabers Nominierung für Südafrika durch Nationaltrainer Bob Bradley kam durchaus überraschend, doch der Spieler hat die willkommene Gelegenheit genutzt und sich wieder die benötigte Match-Fitness angeeignet. Er hofft, damit seine Karriere wieder in Schwung zu bringen, die bis zu den Verletzungen so vielversprechend verlief. "Ich hatte ein paar Probleme in letzter Zeit", gibt Feilhaber zu. "Aber ich war durchaus zufrieden, eingewechselt zu werden und der Mannschaft mit etwas neuem Schwung zu helfen." Seine Einwechslung beim Halbfinalsieg gegen Spanien erfolgte 21 Minuten vor Schluss. "Es war einer der glücklichsten Momente meines Lebens, als der Schiedsrichter das Spiel gegen Spanien abpfiff", erinnert er sich mit einem breiten Lächeln - und schaltet dann für ein Gespräch mit den brasilianischen Medien auf perfektes Portugiesisch um.

Der Amerikaner mit brasilianischen Wurzeln könnte am Sonntag genau für den Schwung sorgen, den die USA brauchen, um hier in Südafrika noch ein Kapitel Fussballgeschichte zu schreiben.