Der FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 dient dem Gastgeberland als Generalprobe für das fussballerische Großereignis im kommenden Jahr. Er bietet somit eine ideale Gelegenheit, die Organisation zu testen und die letzten Feinheiten abzustimmen. Dies betrifft jedoch nicht nur das Lokale Organisationskomitee (LOK), sondern auch die Gruppe der Schiedsrichter, die in diesem Turnier ebenfalls einen wichtigen Meilenstein ihrer Vorbereitung auf die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ sehen.

"Alle Schiedsrichter und Schiedsrichter-Assistenten, die bei diesem FIFA Konföderationen-Pokal zum Einsatz kamen, stehen auch auf der Kandidatenliste für die FIFA WM 2010. Dieses Turnier ist für die Unparteiischen Bestandteil ihrer Vorbereitung und Schulung. Insofern handelt es sich also um ein Turnier von enormer Bedeutung", so José María García-Aranda, Leiter der FIFA-Division Schiedsrichterwesen, im Gespräch mit FIFA.com.

Die gesamte Gruppe der Schiedsrichter ist während des laufenden Turniers in Pretoria untergebracht. Dort befindet sich ihr "Hauptquartier", wo sie neben einem täglichen Fitnesstraining auch ausgewählte taktische Übungen absolvieren. "Darüber hinaus werden alle Referees im Rahmen eines Präventivprogramms zur Vermeidung von Verletzungen auch medizinisch betreut, damit sie nächstes Jahr in bester körperlicher Verfassung antreten können", so García-Aranda weiter.

Außerdem beinhaltet die vielseitige Vorbereitung noch zwei weitere, nicht minder wichtige Bereiche. Einer davon trägt die Bezeichnung "Energy". Dahinter verbirgt sich die Verbesserung der Körpersprache und des konkreten Umgangs mit den Akteuren auf dem Spielfeld. Der zweite Aspekt zielt auf die mentale Vorbereitung der Schiedsrichter. Was darunter zu verstehen ist, wollen wir wissen. "Damit versuchen wir, unseren Schiedsrichtern das nötige Selbstvertrauen zu vermitteln. Dabei lernen sie, wie man sich am besten konzentriert und eine Partie erfolgreich leitet. Überdies bereiten wie sie auf den richtigen Umgang mit möglicher Kritik sowie ihren eigenen Fehlern vor", erläuterte uns Manuel López, einer der Psychologie-Instruktoren, die für das mentale Training zuständig sind.

"Hinzu kommt, dass die Schiedsrichter bei einem solchen Turnier, bei dem sie in der Regel weit von der gewohnten Umgebung ihrer Heimat entfernt sind, auch einem psychologischem Verschleiß ausgesetzt sind. Dem wollen wir mit Hilfe der genannten Maßnahmen gezielt entgegentreten, um so die Moral aufrecht zu erhalten", ergänzte López.

Vorbereitung unter Einbeziehung von Technik
García-Aranda sagte uns, dass das Team der Schiedsrichter-Instruktoren inzwischen drei neue und höchst interessante Elemente in ihr tägliches Trainingsprogramm aufgenommen hat.

Das Virtual Training Tool ähnelt einem virtuellen Videospiel auf interaktiver Basis, bei dem nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Spielzüge oder Situationen simuliert werden und der Schiedsrichter eine entsprechende Entscheidung treffen muss.

Das Instant Replay Feedback findet beim praktischen Training auf dem Platz Anwendung. Dabei werden die einzelnen Entscheidungen des Schiedsrichters in unterschiedlichen Situationen wie Foulspiel oder Abseits per Video aufgezeichnet und unmittelbar danach wieder abgespielt. Dadurch kann der Schiedsrichter noch auf dem Spielfeld auf einem Monitor und in Zeitlupe seine eigene Handlung sehen und beurteilen, ob die gefällte Entscheidung richtig war.

Den dritten Komplex bilden die praxisintegrierten Übungseinheiten. Diese bestehen darin, dass auf einer Übungstafel sämtliche Leistungskriterien des Schiedsrichters während eines Spiels - einschließlich der physischen, technischen und psychologischen Aspekte, jedoch nicht anhand von spezifischen und Standardsituationen - durchgespielt werden.

Auch ist noch in diesem Jahr geplant, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für Körperkultur und Sport in Madrid eine biometrische Studie zur Tätigkeit der Schiedsrichter durchzuführen. Dazu werden während der Spiele aufgenommene Fotos ausgewertet sowie die vom Unparteiischen zurückgelegten Wege und Positionen gemessen bzw. registriert, um so den optimalen Standort für bestimmte Schiedsrichterentscheidungen zu ermitteln. Auf diese Weise könnte man zu wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen hinsichtlich der jeweils günstigsten Position für eine erfolgreiche Tätigkeit der Schiedsrichter gelangen.

Ständige Weiterbildung
Die Vorbereitung der Schiedsrichter ist mit dem Abpfiff des Finales noch lange nicht zu Ende. Künftig werden alle in Südafrika tätigen Schiedsrichter über Intranet miteinander kommunizieren und alle möglichen Informationen rund um ihre Arbeit austauschen können. Dabei kann jeder mit jedem Verbindung aufnehmen, egal ob mit einem seiner Kollegen oder mit einem der Instruktoren, sei es um ein bestimmtes Problem zu lösen oder um eine konkrete Frage zu stellen. Dadurch ist gewährleistet, dass das Team der Schiedsrichter unter der Aufsicht und Betreuung der Experten und Instruktoren permanent in Kontakt bleibt. Dies alles natürlich mit dem Ziel, bestens für Südafrika 2010 gerüstet zu sein.