Nach dem denkwürdigen Halbfinalsieg der USA über den amtierenden Europameister Spanien wimmelte es in der U.S.-amerikanischen Presse förmlich von Lob für den grandiosen Auftritt der Nationalmannschaft. Auf der iberischen Halbinsel hingegen war das Echo auf die erste Niederlage der Furia Roja seit November 2006 verständlicherweise weitaus weniger euphorisch. In den spanischen Medien überwog daher der Versuch, eine Erklärung für die Ursachen dieser Niederlage zu finden.

Andererseits war man in beiden Ländern bemüht, dieses Ergebnis zwar entsprechend zu würdigen, jedoch nicht überzubewerten. Während in Spanien neben der zweifellos vorhandenen Enttäuschung von der Erkenntnis zu lesen war, dass diese Niederlage ohnehin irgendwann einmal kommen musste, ging man in den USA trotz des allgemeinen Jubels schon bald zu moderateren Tönen über. Bei allem Lob für den historischen Erfolg des Teams von Trainer Bob Bradley sind sich die U.S.-amerikanischen Sportjournalisten darin einig, dass ihrer Mannschaft noch einiges tun muss, um sich zu den besten Teams der Welt zählen zu können.

"Bestes Abschneiden in der Geschichte"
Die zu den auflagenstärksten und meistgelesenen Zeitungen der USA zählende "New York Times" veröffentlichte in ihrer Online-Ausgabe unmittelbar nach Abpfiff der Partie einen ganzseitigen Bericht unter dem Titel "Grandioser Triumph der USA war ein Wunder auf dem Rasen". Damit spielte das renommierte Blatt auf das berühmte "Wunder auf dem Eis" an, das die U.S.-amerikanischen Eishockey-Amateure im Finale der Olympischen Winterspiele 1980 gegen die damalige Sowjetunion vollbracht hatten.

Der Sportreporter George Vecsey schrieb, dass dieser 2:0-Sieg "wahrscheinlich der bislang bedeutendste Erfolg in der Geschichte der Nationalmannschaft der Männer ist", und dass "die U.S.-Amerikaner während der gesamten 90 Minuten das bessere Team waren, da sie entschlossener, taktisch klüger und schließlich auch glücklicher agierten als die Spanier. Dieses Resultat werden unsere Nationalspieler für immer in Erinnerung behalten, genauso wie die Mannschaft, die im Jahr 1950 die Engländer besiegte oder auch das Nationalteam, das beim WM-Turnier 2002 erst gegen Mexiko gewann und danach auch noch Deutschland in arge Bedrängnis brachte."

Darüber hinaus ging Vecsey auch auf die perspektivische Bedeutung dieses Erfolges ein. "Niemand im Fussballverband der USA wird jetzt auf die Idee kommen zu sagen, dass unser Fussball damit die erforderliche Reife erlangt habe. Ein wichtiger Schritt nach vorn ist es aber schon", so Vecsey weiter.

Unterdessen schrieb Ollie Irish in einem Blog auf der einflussreichen Website "BigSoccer": "Fast über Nacht ist aus dem U.S.-Nationalteam eine echte Mannschaft geworden, in der Spieler stehen, die fest an ihre Möglichkeiten glauben. Brasilien kann kommen. Das Webportal des TV-Senders "ESPN" titelte: "Mission possible." Und in der eigentlichen Meldung stand zu lesen: "Man war der Meinung, dass sie es nicht schaffen würden. Was für ein Irrtum! Die USA haben die Spanier im Halbfinale des FIFA Konföderationen-Pokals überrascht."

Enttäuschung und Realismus in Spanien
Die spanischen Zeitungen zeigten sich von der Niederlage zwar enttäuscht, versuchten jedoch gleichzeitig, ihr etwas Positives abzugewinnen. "Rückkehr zur Bescheidenheit", titelte die Sportzeitung "Marca". Weiter heißt es dort: "Wir sind zwar die Nummer eins, dennoch ist es besser, jetzt zu verlieren als im nächsten Jahr bei der WM." Ähnlich äußerte sich die Tageszeitung "As", die mit folgender Schlagzeile aufwartete: "Was für ein seltenes Gefühl, wieder einmal zu verlieren!". Im dazugehörigen Artikel stellt das Blatt fest, dass "sich die taktische Disziplin der U.S.-Amerikaner gegen eine Mannschaft durchgesetzt hat, die man bislang so nicht kannte. Ein fataler Schnitzer von Ramos machte den Sieg der USA perfekt. Bei uns fehlte das gewohnte Kombinationsspiel. Dafür war die Partie meist von Hektik und übereilten Aktionen unserer Mannschaft geprägt."

Die in Barcelona ansässige Tageszeitung "Sport" bemerkte, dass "die USA die Spanier um das Finale gebracht haben", und fuhr fort: "Trotz der drückenden Überlegenheit hat der Mannschaft von Del Bosque dieses Mal etwas gefehlt. Die Spieler wirkten nicht frisch genug, und obgleich sie mehr Ballbesitz hatten, scheiterten sie vor dem Kasten von U.S.-Torhüter Howard gleich mehrfach kläglich. Ein weiterer Mangel war, dass der entscheidende letzte Pass diesmal kaum ankam. Dadurch erwies es sich als sehr schwer, Tore zu schießen."