Bei der Strafstoßentscheidung für die Kashima Antlers während ihres Halbfinalerfolgs bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2016 gegen den Südamerikameister Atletico Nacional in Osaka wurde die Technik der Videowiederholung eingesetzt.

Als knapp eine halbe Stunde der Partie absolviert war, wurde der Schiedsrichter Viktor Kassai vom Video-Schiedsrichterassistenten Danny Makkelie über einen übersehenen Zwischenfall informiert. Der Unparteiische gab das TV-Signal, um anzuzeigen, dass er eine Videoauswertung vor Ort über den am Spielfeldrand installierten Monitor durchführen würde.

Zuvor hatte der Schiedsrichterassistent bezüglich der Abseitsposition des gefoulten Spielers korrekt weiterlaufen lassen, um die weitere Entwicklung abzuwarten. Eine Abseitsstellung lag nicht vor, weil der Spieler keine Möglichkeit hatte, in das Spiel einzugreifen. Der ungarische Schiedsrichter zeigte daraufhin auf den Punkt, da er nach der Auswertung der Wiederholung zu dem Urteil gekommen war, dass Daigo Nishi von Orlando Berrio innerhalb des Strafraums zu Fall gebracht worden war. Shoma Doi verwandelte den fälligen Elfmeter. Das Gastgeberteam siegte in der Folge 3:0.

"Dies ist der erste Live-Versuch mit Video-Schiedsrichterassistenten bei einem FIFA-Wettbewerb, es ist also für alle etwas Neues. Vor allem zu sehen, wie der Schiedsrichter zum Bereich der Videowiederholung am Spielfeldrand läuft", sagte Massimo Busacca, Leiter der FIFA-Schiedsrichterabteilung.

"Bei dem Vorfall heute Abend war die Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter und dem Video-Schiedsrichterassistenten klar, die Technik hat gut funktioniert und letztlich wurde die Entscheidung durch den Schiedsrichter getroffen. Das wird immer so sein, da die VSA lediglich dazu da sind, um ihn zu unterstützen." 

Gemäß dem vom IFAB erstellten Protokoll für das Live-Experiment haben die Schiedsrichter die Option, eine Entscheidung allein auf Grundlage der vom VSA gelieferten Informationen oder nach der persönlichen Auswertung des Videomaterials zu ändern - insbesondere, wenn es sich mehr um eine Frage der Interpretation als um eine Tatsachenentscheidung handelt.

"Die klare Botschaft vonseiten der Spieler und Trainer auf der ganzen Welt lautet, dass der Schiedsrichter des Tages der Hauptverantwortliche für alle Entscheidungen bleiben soll. Deshalb wird es immer die Option geben, persönlich hinzugehen und das Videomaterial auszuwerten", sagte David Elleray, der Technische Direktor des IFAB.

Das Experiment mit der Videowiederholung bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft markiert das Ende der Testphase für das VSA-Projekt. Das IFAB wird mit der FIFA und den teilnehmenden Veranstaltern beraten und anschließend entscheiden, ob weitere Anpassungen des Protokolls erforderlich sind, bevor die weltweiten Live-Experimente beginnen.

"Wenn die offiziellen Experimente beginnen, werden die Veranstalter der Wettbewerbe sehr viele Informationen an das IFAB liefern, die von der Universität KU Leuven analysiert werden", ergänzte Elleray.

"Wir werden uns genau ansehen, wie oft Video-Wiederholungen verwendet werden und wie häufig ein Schiedsrichter eine Entscheidung revidiert, die ausschließlich auf den Informationen des Video-Schiedsrichterassistenten oder einer Auswertung vor Ort basiert. Noch wichtiger: Wir wollen untersuchen, wie das VSA-System das Verhalten der Spieler und der Schiedsrichter beeinflusst und wie die Fans im Stadion und vor dem Fernseher darauf reagieren. Wir werden also noch eine große Menge an Informationen benötigen, bevor das IFAB 2018 oder spätestens 2019 die endgültige Entscheidung zur Einführung von VSA fällt."