Bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft, die dieses Jahr vom 8. bis 18. Dezember in Yokohama und Osaka in Japan stattfindet, wird ein weiteres wichtiges Kapitel Fussballgeschichte geschrieben. So können die Schiedsrichter erstmals bei einem FIFA-Wettbewerb bei spielentscheidenden Situationen auf Videounterstützung zurückgreifen. Die Tests im sogenannten Live-Modus sind ein großer Schritt vorwärts", erklärt Marco van Basten, FIFA-Direktor für technische Entwicklung.

"Nachdem wir mit der Unterstützung des IFAB, der gastgebenden Rundfunkanstalt, Dentsu/NTV, und von Hawk-Eye, einem von mehreren Anbietern dieser Technologie, alles eingerichtet haben, sind wir bereit. Gleichzeitig gilt es zu bedenken, dass wir mit den allerersten Live-Tests Neuland betreten. Diese Tests sollten Aufschluss darüber gehen, ob die Abläufe funktionieren oder weitere Anpassungen nötig sind."

Zum Einsatz kommen Video-Schiedsrichterassistenten (VSA), die in einem Videobetriebsraum auf alle TV-Signale Zugriff haben und dem Schiedsrichter auf dem Spielfeld Informationen liefern können, damit in spielentscheidenden Situationen klare Fehlentscheide vermieden werden. Solche Situationen sind Tore, Strafstoßentscheidungen, direkte Feldverweise und Spielerverwechslungen. Die VSA bieten wie die Schiedsrichterassistenten und der vierte Offizielle Unterstützung, während der Schiedsrichter auf dem Spielfeld weiterhin die erste und die letzte Entscheidung trifft.

"Wie die Torlinientechnologie soll auch das VSA-System dem Schiedsrichter zusätzliche Unterstützung bieten", betont Massimo Busacca, Leiter der FIFA-Schiedsrichterabteilung. "Wir wollen den Spielfluss beibehalten und dafür sorgen, dass die erste und die letzte Entscheidung stets beim Schiedsrichter liegen. Dieser Philosophie sind wir verpflichtet und haben deshalb die Grundsätze und die praktische Anwendung der Technologie im Rahmen der laufenden Aus- und Weiterbildung all unseren Spieloffiziellen erläutert und vorgeführt."

Die Schiedsrichter und die VSA, die bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2016 im Einsatz stehen werden, absolvierten in der Vorwoche des Turniers unter der Leitung der FIFA-Schiedsrichterabteilung das übliche intensive Vorbereitungsprogramm mit theoretischen und praktischen Übungen. Im Zentrum standen das Fussballverständnis, das Vermögen, das Spiel zu lesen, die optimale Stellung, Teamwork und das Bewusstsein für verschiedene Fussballmentalitäten sowie als übergeordnetes Ziel konsequente und einheitliche Entscheidungen. Die Spieloffiziellen analysierten dabei auf Video echte Spielsituationen und simulierten mit Spielern Spielszenen, die aufgezeichnet und anschließend mit namhaften FIFA-Schiedsrichterinstrukteuren sofort besprochen wurden. Den Abschluss bildete ein Training mit Spielern, mehreren TV-Kameras und dem Hawk-Eye-VSA-System im Yokohama-Stadion. Grundlage waren die erfolgreich verlaufenen Tests kurz zuvor bei internationalen Freundschaftsspielen in Italien.

Mit dem Einsatz von VSA bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2016 unterzieht die FIFA das VSA-Protokoll des International Football Association Board (IFAB) einem weiteren wichtigen Test, ehe 2017 auch andere Wettbewerbsorganisatoren mit Live-Tests nachziehen. Der Schiedsrichter kann sich bei bestimmten Entscheidungen die Bilder am Spielfeldrand anschauen, was im Vergleich zu den Semi-Live-Tests bei den internationalen Freundschaftsspielen in Italien (Italien – Frankreich im September in Bari sowie Italien – Deutschland im November in Mailand) ein markanter Fortschritt ist.

Dank der Unterstützung der FIFA und dem IFAB haben schon aus zwölf Ländern Wettbewerbsorganisatoren ihre Teilnahme an den zweijährigen Tests zugesagt (Australien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Katar, Mexiko, Niederlande, Portugal, Tschechische Republik, USA).

Weitere Informationen zu den VSA sind hier zu finden. Ein Dokument mit häufigen Fragen ist hier abrufbar.