RÜCKBLICK AUF DAS TURNIER – Real Madrid sicherte sich bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in Japan den dritten Titel des Jahres 2016. Es war bereits der zweite Titelgewinn der Königlichen bei diesem Turnier, bei dem die Vormachtstellung der europäischen Klubs auf globaler Ebene erneut ausgebaut werden konnte. Neun der insgesamt 13 Turniersieger stammen vom "Alten Kontinent".

"Kashima hat uns überrascht. Sie sind gerannt wie Maschinen. Einige Spieler könnten problemlos in Spanien spielen, doch wichtig ist, dass wir es geschafft haben, den Titel zu holen", so Zinedine Zidane anerkennend nach einem hart umkämpften Finale.

Nach drei Treffern von Cristiano Ronaldo, der als bester Spieler des Turniers mit dem Goldenen Ball ausgezeichnet wurde, stand am Ende ein etwas irreführendes 4:2 auf der Anzeigetafel. Der unerwartete Finalist Kashima Antlers hatte die Partie nämlich nach einem frühen Rückstand in der neunten Minute zunächst gedreht und den Sieger der UEFA Champions League in den letzten Minuten der regulären Spielzeit an den Rand einer Niederlage gebracht. Der J.League-Meister musste sich erst in der Verlängerung geschlagen geben, in der sich der portugiesische Stürmer als zu stark für Torhüter Hitoshi Sogahata erwies, der zu den Leistungsträgern des Teams von Masatada Ishii zählte.

Real Madrid hatte Probleme, Gaku Shibasaki in den Griff zu bekommen, der Keylor Navas im Tor der Madrilenen zwei Mal überwinden konnte. Der Torhüter, der am Tag des Halbfinales gegen Club América, in dem er nicht sonderlich gefordert war, seinen 30. Geburtstag feierte, musste sein ganzes Können aufbieten, um den Sturmlauf der Japaner im Finale abzuwehren.

Kashima bot eine disziplinierte, taktisch einwandfreie und konditionell starke Leistung und stellte im Endspiel unter Beweis, dass man nicht zufällig so weit gekommen war. Der knappe Sieg gegen Auckland City, das bei der siebten Turnierteilnahme erneut an der ersten Hürde scheiterte, mag noch glücklich gewesen sein, da der Siegtreffer erst kurz vor Schluss fiel. Doch die engagierten und überlegenen Auftritte gegen die Mamelodi Sundowns im zweiten Spiel und gegen den Copa Libertadores-Sieger Atlético Nacional im Halbfinale verliehen dem Team einen ganz neuen Status.

Die 0:3-Niederlage des kolumbianischen Klubs zählte zu den großen Überraschungen in diesem Turnier. Bei der in Osaka ausgetragenen Partie gerieten die Kolumbianer durch einen Strafstoß in Rückstand, auf den der Schiedsrichter mithilfe des Video-Schiedsrichterassistenten entschied. Dies war die erste Aktion, bei der die Videoassistenz zum Einsatz kam, eine Technologie, die zum ersten Mal bei einem FIFA-Turnier hinzugezogen wurde. Atlético Nacional versuchte alles, fand jedoch keine Lücke in den Reihen eines Gegners, der mit seinem starken Umschaltspiel und seiner guten Defensive überzeugte und in den letzten Minuten noch genügend Kondition hatte, um den Kolumbianern den Todesstoß zu versetzen.

Nach dem Ausscheiden des Teams von Reinaldo Rueda ergab sich für das Finale eine untypische Konstellation. Bei den insgesamt 13 Turnierauflagen haben die südamerikanischen Teams nur drei Mal das Endspiel verfehlt, die europäischen nur ein Mal, nämlich bei der ersten Auflage.

Kleines Finale im Zeichen Amerikas
Die Akteure von Club América von Trainer Ricardo La Volpe mussten die Zähne zusammenbeißen, um sich im zweiten Spiel gegen den Asienmeister durchzusetzen und keine ähnliche Schlappe zu erleben wie vor einem Jahr. Nach einer erfolgreichen Aufholjagd mit zwei Treffern von Silvio Romero trafen die Mexikaner im Halbfinale auf Real Madrid und sorgten damit im Jahr ihres 100-jährigen Bestehens für einen angemessenen Ausklang. Die Águilas standen dicht gestaffelt, um die Offensivkraft der Schützlinge von Zinedine Zidane zu neutralisieren, doch dann fanden sie kein Mittel gegen die merkwürdige Angewohnheit der Madrilenen, in der Nachspielzeit ins Schwarze zu treffen. Damit musste Club América seine Hoffnungen auf die Finalteilnahme begraben.

Auch für die Bronzemedaille sollte es am Ende nicht reichen, denn im Spiel um Platz drei unterlag man sich im Elfmeterschießen knapp gegen Atlético Nacional. Das "kleine Finale" war eine spannende Angelegenheit mit Chancen auf beiden Seiten sowie Fehlern, für die die Bestrafung auf dem Fuße folgte. Am Ende erwiesen sich die Mexikaner im Elfmeterschießen als nicht treffsicher genug.

Wertvolle Erfahrungen
Der Trainer der Sundowns brachte es nach dem Ausscheiden seines Teams auf den Punkt: "Ich kannte meine Mannschaft auf kontinentaler Ebene. Jetzt kann ich ihre Leistungsfähigkeit auf globaler Ebene einschätzen und weiß, an welchen Aspekten wir arbeiten müssen, um bei unserer Rückkehr auf die Weltbühne bessere Chancen zu haben", erklärte Pitso Mosimane nach der Niederlage im Spiel um Platz fünf gegen den koreanischen Klub Jeonbuk Hyundai Motors. Mangelnde Schnelligkeit und physische Stärke waren laut dem Trainer in den beiden Begegnungen mit asiatischen Teams von Nachteil.

Das fünftplatzierte Team, Jeonbuk, konnte den Schwung aus dem Titelgewinn in der AFC Champions League nur eine Woche zuvor nicht mitnehmen und musste sich gegen América geschlagen geben. Doch Trainer Choi Kanghae war am Ende nach einer intensiven Saison mit dem fünften Platz zufrieden. "Wir haben bei diesem Turnier viel gelernt. Das wird sowohl den Spielern als auch mir in Zukunft zugutekommen. Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder", erklärte er zum Abschied.

Abschlusstabelle
1. Real Madrid
2. Kashima Antlers
3. Atlético Nacional
4. Club América
5. Jeonbuk Hyundai Motors
6. Mamelodi Sundowns
7. Auckland City

Stadien
International Stadium Yokohama
Suita City Football Stadium

Erzielte Tore: 28 (Durchschnitt pro Spiel: 3,5)

Erfolgreichste Torjäger:
Cristiano Ronaldo, 4 Tore
Karim Benzema, 2 Tore (1 Vorlage)
Mu Kanazaki, 2 Tore (1 Vorlage)

Individuelle Auszeichnungen:
Goldener Ball von adidas: Cristiano Ronaldo (Real Madrid)
Silberner Ball von adidas: Luka Modrić (Real Madrid)
Bronzener Ball von adidas: Gaku Shibasaki (Kashima Antlers)

FIFA Fairplay-Preis: Kashima Antlers