Nachdem Hossam Ghaly sieben Jahre lang bei Klubs in den Niederlanden, England und Saudiarabien aktiv war, kehrte er wieder in den Schoß der Familie zu Al Ahly zurück. Nun führt er die Kairoer Mannschaft als Kapitän zu ihrer vierten Teilnahme an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft.

Ghaly ging aus dem Ausbildungszentrum von Al Ahly hervor, und 1997 rückte er im Alter von 16 Jahren in die erste Mannschaft auf. Sieben Jahre später unterschrieb er bei Feyenoord Rotterdam. Nach drei Spielzeiten in den Niederlanden wechselte er zu Tottenham Hotspur und später auf Leihbasis zu Derby County. Nach dem Abstieg des Klubs kehrte Ghaly zu den Spurs zurück. 2009 schließlich nahm er Kurs in Richtung Saudiarabien und war ein Jahr bei Al Nasr aktiv, bevor er in seine Heimat zurückkehrte.

Seit seiner Rückkehr zu den Roten Teufeln trägt er die Kapitänsbinde. Mit Al Ahly holte er 2010 den Supercup und wurde 2010/2011 ägyptischer Meister. In diesem Jahr feierte er nach einer mehr als turbulenten Saison den Gewinn der CAF Champions League.

Zurzeit bereitet sich Ghaly auf die erste Partie Al Ahlys bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2012 gegen den japanischen Meister Sanfrecce Hiroshima vor. Im Interview mit FIFA.com sprach er über die Qualifikation für die FIFA Klub-WM und über seine Ziele.

Hossam, die Saison war sehr schwierig für Al Ahly. Welches war für Sie das größte Drama, das der Klub durchleben musste?
Dieses Jahr war aufgrund der politischen Situation tatsächlich sehr hart für unseren Klub und den ägyptischen Fussball insgesamt. Die Katastrophe von Port Saïd war bei weitem das am schwersten zu überwindende Ereignis. 72 Fans des Klubs fanden dabei den Tod, und wir waren alle traumatisiert.

Haben Sie die Familien der Opfer getroffen? Wie lief dieses Treffen ab?
Wir haben sie alle getroffen. Nach der Katastrophe besuchte eine Gruppe von Spielern im Namen der gesamten Mannschaft die Familien. Anlässlich des Muttertags organisierten wir auch einen Empfang für die Mütter der Opfer. Wir wollten versuchen, ihre Moral zu heben, doch wir haben auch den furchtbaren Schmerz gespürt. Für uns sind diese Frauen unsere Schwestern. Wir haben dieses Ereignis mit eigenen Augen mitangesehen und den Tod zahlreicher Fans in der Kabine miterlebt. Zu einem Fussballspiel zu gehen und nicht mehr lebend zurückzukommen, ist etwas Unvorstellbares! Ich erlebte einen wahren Albtraum.

Sprechen wir über das Finale. Sie reisten nach einem mageren 1:1 im Hinspiel nach Tunis – haben Sie wirklich daran geglaubt, diesen Rückschlag wieder wettzumachen?
Wir waren voller Zuversicht. Trotz des schlechten Ergebnisses hatten wir im Hinspiel eine gute Leistung gezeigt. Das Rückspiel war nicht einfach. Wir mussten unseren Stil gegen Espérance Tunis, den Titelverteidiger, durchsetzen. Es ist uns gelungen, von der ersten Minute an das Geschehen zu beherrschen, ohne ein einziges Mal nachzulassen. Jedes Mannschaftsmitglied hat seine Rolle fabelhaft ausgefüllt. Wir haben hochverdient gewonnen, vor allem, wenn man die schwierigen Zeiten berücksichtigt, die wir überstehen mussten.

In diesem Jahr haben Sie vor allem in der CAF Champions League brilliert. Was ist Ihr Geheimnis?
Es war tatsächlich meine beste Leistung in diesem Wettbewerb. Dies verdanke ich den Spielern, die mich umgeben, und auf die ich sehr stolz bin. Es sind die zurzeit besten Spieler Ägyptens. Wir teilen die gleiche Fussballphilosophie, und dies erlaubt es uns, auf dem Platz gut zusammenzuspielen und zu harmonieren. Dies hat zweifellos zur Verbesserung meiner Leistung beigetragen. Meine Mitspieler spielen allesamt auf höchstem Niveau und sind sehr erfahren. Sie spielen einen offensiven Fussball, der auf Kurzpassspiel basiert. Das ist genau das, was ich mag.

Al Ahly war bereits drei Mal bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft vertreten, doch Sie waren nicht dabei. Was erwarten Sie von Ihrer ersten Teilnahme an diesem Wettbewerb? Auf welches Team würden Sie gerne treffen?
Seit meiner Rückkehr zu Al Ahly vor zwei Jahren warte ich darauf, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Bisher war das Glück nicht auf meiner Seite. Meine Mitspieler, die schon einmal dabei waren, haben mir viel von der Atmosphäre in Japan und der Qualität der Organisation erzählt. Das allgemeine Klima ermuntert einen, guten Fussball zu spielen. Ich kann es kaum erwarten, das zu sehen. Ansonsten würde ich gerne auf den FC Chelsea treffen, zumal das bedeuten würde, dass wir das Finale erreicht haben. Ich bin in England bereits vier Mal auf diesen Klub getroffen, drei Mal mit Tottenham und ein Mal mit Derby County. Ich hoffe, dass sich das fünfte Duell in Japan abspielt, und in den Farben Al Ahlys.

2006 hat Ihr Klub den dritten Platz erreicht. Was ist Ihr Ziel in diesem Jahr?
Dieses Mal können wir total befreit aufspielen. Wir haben allem und jedem zum Trotz die CAF Champions League gewonnen. In Japan wollen wir den Wettbewerb genießen und die Atmosphäre, die ihn umgibt. Wir wollen in jedem Spiel gewinnen, und ich hoffe, dass wir Afrika und Ägypten würdevoll vertreten.