Mohamed Nagy, genannt Gedo, hat bereits bewiesen, dass die Bemühungen, ihn zu Al Ahly zu lotsen, mehr als gerechtfertigt waren. Zwei Jahre, nachdem er mit der ägyptischen Nationalmannschaft für Furore sorgte und in Angola den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal gewann, ist der 28-Jährige eine der Stützen bei den Roten Teufeln. In der abgelaufenen CAF Champions League gelangen ihm fünf Tore – drei davon allein im Halbfinale gegen die nigerianischen Sunshine Stars und eines im Endspiel gegen Espérance de Tunis.

FIFA.com konnte Gedo noch kurz vor dem Abflug nach Japan interviewen. Für den Stürmerstar ist es die erste Teilnahme an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft, doch Al Ahly vertritt schon zum insgesamt vierten Mal die afrikanischen Farben.

Al Ahly hat eine sehr schwierige Saison hinter sich. Gab es für Sie persönlich ein Ereignis, das besonders problematisch war?
Für uns war es wirklich eine Saison, in der wir uns bewähren mussten. Das Drama von Port Said, bei dem 72 Fans ihr Leben gelassen haben, war schwer zu bewältigen. Ich war persönlich betroffen. Es ist uns schwer gefallen, wieder Fussball zu spielen. Einzig das Versprechen, das wir den Familien der Opfer gegeben hatten, zum Andenken an die Toten die CAF Champions League zu gewinnen, hat uns wieder auf den Platz geführt.

Glauben Sie, der Sieg in der CAF Champions League hat den Schmerz der betroffenen Familien etwas lindern können?
Ich hoffe es, auch wenn nichts den Verlust eines Kindes wieder gut macht. Ich wünsche mir, dass dieser Titel den Familien Trost bringt. Das ist das Mindeste, was wir für sie tun können.

Blicken wir zurück auf das Finale. Das Hinspiel in Borg Al Arab endete 1:1. Hatten Sie je Zweifel daran, das Rückspiel in Tunis gewinnen zu können?
Wir sind das Rückspiel konzentrierter denn je angegangen, hatten als einziges Ziel den Titelgewinn vor Augen. Zwar waren wir zu Hause nicht über ein Unentschieden hinaus gekommen, aber das hat uns auch in gewisser Weise befreit, denn zu verlieren hatten wir nichts mehr. Wir haben alles gegeben und meiner Meinung nach eines der besten Spiele in der Geschichte von Al Ahly abgeliefert. Der Sieg war hoch verdient.

Sie waren oft der Mann für die entscheidenden Tore. Aber hätten Sie geglaubt, dass Sie nach dem eher missratenen Heimspiel ausgerechnet in Rades treffen?
Ich will nach Möglichkeit in jedem Spiel ein Tor schießen. Es war ein kompliziertes Spiel, aber meine Mannschaftskameraden sind über sich hinaus gewachsen. Ohne Sie hätte ich dieses Tor nie gemacht. Ich habe den Ball zwar letztlich über die Linie gedrückt, aber das Tor hat sich die Mannschaft gemeinsam erarbeitet.

Hatten Sie irgendwelche Bedenken, gegen Esperance mit El Sayed Hamdi im Sturm zu spielen?
Überhaupt nicht. Er gehört zu den Spielern, mit denen ich sehr gern zusammen spiele. Schon im Halbfinale gegen die Sunshine Stars haben wir uns ja blendend verstanden. Er ist ein Riesentalent mit grandioser Technik. Er hat die Vorarbeit zu meinem Tor in Rades geleistet und im Hinspiel in Borg Al Arab den Ausgleich erzielt. Ich hoffe, dass wir in Japan als Gespann mindestens ebenso gut harmonieren.

Was war der heikelste Moment, und welcher Gegner war der hartnäckigste in der CAF Champions League 2012?
Stade Malien hat uns viel zu tun gegeben. Auswärts kamen politische Instabilität und Unsicherheit hinzu. Im Rückspiel in Ägypten lagen wir dann auch noch zurück und benötigten drei Tore zum Weiterkommen. Aboutrika hat das Spiel dann noch auf wundersame Weise mit drei Toren gedreht, davon zwei allein in den letzten zehn Minuten.

Einige Ihrer Mitspieler, wie etwa der besagte Mohamed Aboutrika, Mohamed Barakat, Wael Gomaa und Emad Moteab, haben schon einmal eine FIFA Klub-Weltmeisterschaft in Japan gespielt. Welchen Star zaubert Al Ahly dieses Jahr aus dem Hut?
Wir haben viele gute Spieler, und es fällt schwer, einen Akteur herauszuheben. Ich weiß, dass wir ganz weit kommen können, und ich garantiere den japanischen Zuschauen, dass wir für Spektakel stehen.

Al Ahly hat schon drei Mal an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft teilgenommen, doch für Sie persönlich ist es eine Premiere. Was erwarten Sie von diesem Wettbewerb? Auf welche Mannschaften und Spieler freuen Sie sich besonders?
Ich bin froh, dabei zu sein und mein erstes FIFA-Turnier zu spielen. Ich hoffe, dass wir das Endspiel erreichen und dort auf den FC Chelsea mit Fernando Torres treffen, der mein Lieblingsspieler ist.

Was ist dran an den Gerüchten, dass Sie Al Ahly verlassen könnten?
Mir liegen verschiedene Angebote vor, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu reden. Wir müssen die Rückkehr aus Japan abwarten und dann schauen, ob die ägyptische Meisterschaft den Spielbetrieb wieder aufnimmt. Falls nicht, muss ich den Verein verlassen.