Beim ägyptischen Spitzenklub Al Ahly glaubt man trotz des enttäuschenden Hinspielresultats weiterhin daran, dass man am Samstag in Tunesien gegen Esperance die Bilanz von bislang sechs Titeln in der CAF Champions League weiter ausbauen kann. Esperance will jedoch den im Vorjahr gewonnenen Titel verteidigen und gilt nach dem Remis im Hinspiel, bei dem man den Roten Teufeln in Alexandria ein 1:1 abringen konnte, als Favorit.

Doch Al Ahlys unverwüstlicher Verteidiger Wael Gomaa (37) sagte FIFA.com in einem Exklusiv-Interview, sein Team könne trotz zahlreicher Probleme, allen voran die Aussetzung des Fussballs in Ägypten, noch "ein Wunder bewirken" und den Titel holen. Gomaa war 2001 von Ghazl El-Mahalla zu dem Kairoer Spitzenklub gekommen und ist seitdem einer der zuverlässigsten und konstantesten Spieler des Teams. Mit seinem fünften Titelgewinn würde er einen neuen afrikanischen Rekord aufstellen, nachdem er bereits 2001, 2005, 2006 und 2008 mit Al Ahly die CAF Champions League gewann.

FIFA.com: Welche Fehler haben im Hinspiel zu dem für Al Ahly unbefriedigenden Ergebnis beigetragen und müssen im Rückspiel vermieden werden, damit das Team in Tunis noch den Titel holen kann?
Wael Gomaa:
Wir können eigentlich nicht von bestimmten Fehlern sprechen und auch keinen einzelnen Spieler nennen, an dem es gelegen hat. Wir haben unser Bestes gegeben und das Spiel kontrolliert. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Esperance nur zwei Chancen hatte und eine davon zum Tor genutzt hat. Wir hatten einfach kein Glück bei den vielen Chancen, die wir herausgespielt haben und leider nicht verwerten konnten. Im Rückspiel brauchen wir einfach ein wenig Glück.

Die Abwehr von Al Ahly wird kritisiert, weil sie in den neun Spielen seit Beginn der Gruppenphase zehn Gegentore zugelassen hat. Halten Sie die Defensive für wackelig?
Ich finde nicht, dass wir von einem ernsten Problem in der Abwehr sprechen können. Es liegt in der Natur der Sache, dass es in der Defensive Fehler gibt, wenn ein Team so wie wir nach vorn stürmt, um Tore zu erzielen. Wenn ich mich recht entsinne, hat auch Esperance bisher um die sieben Gegentore kassiert. Das ist kein Problem, solange man Chancen herausspielt. Wenn man im Angriff immer neue Chancen herausspielt, dann ist es nur logisch, dass es in der Abwehr den ein oder anderen Fehler gibt.

Erwarten Sie, dass Esperance im Rückspiel eher vorsichtig agiert, da dem Team ja ein torloses Unentschieden schon zum Titelgewinn reicht? Wie würde sich das auf die Erfolgsaussichten von Al Ahly auswirken?
Ich glaube nicht, dass Esperance auf Unentschieden spielt. Die Tunesier wollen ganz bestimmt vermeiden dass es ihnen genau so ergeht wie Sfaxien 2006. Auch damals hatte es im Hinspiel in Ägypten ein 1:1-Unentschieden gegeben, und dann haben wir in Tunis ein spätes Tor erzielt und den Titel geholt. Auch ohne Spielmacher Youssef Msakni ist Esperance dank der mannschaftlichen Stärke sehr gefährlich, genau wie wir auch. Allerdings sind wir besser, was die Offensivspieler angeht. Wenn Esperance also angreift, um dem Schicksal von Sfaxien zu entgehen, dann bieten sich für uns Lücken, die wir nutzen können.

Es werden sicher viel mehr Fans im Stadion sein als beim Hinspiel, als es entsprechende Beschränkungen gab. Wird sich das auf die Leistung von Al Ahly auswirken?
Ich denke, dass der Druck der Fans auf Esperance lasten wird, wenn uns das erste Tor gelingt.

Wie schätzen Sie die Chancen Al Ahlys auf den Gewinn des Titels ein?
Unsere Aufgabe ist sicher nicht leicht. Angesichts all der Probleme, vor denen wir stehen, wäre es fast ein Wunder, wenn wir den Titel holen würden. Zurzeit gibt es bei uns in Ägypten keine Liga, keine Spiele, keine Fans – all das wirkt sich auf die Mannschaft aus. Natürlich müsste die Mannschaft regelmäßig Spiele bestreiten, um in Topform zu bleiben, aber das ist im Moment nicht möglich.

Für die Spieler von Al Ahly geht es auch um die erste Teilnahme an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft seit 2008. Ist dies ein zusätzlicher Anreiz, die CAF Champions League zu gewinnen?
Diese Aussicht sorgt auf jeden Fall für eine noch höhere Motivation. Doch wir wollen den Titel auch um der Märtyrer der Tragödie von Port Said willen gewinnen. Wir nennen es den Märtyrer-Wettbewerb.

Denken Sie, dass die ägyptische Nationalmannschaft es trotz der von Ihnen genannten Probleme zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ schaffen kann?
Glücklicherweise stehen bis März 2013 erst einmal keine Pflichtspiele mehr auf dem Programm. Aufgrund der Aussetzung des Fussballs befinden wir uns in einer sehr schwierigen Situation. Wenn es dabei bleibt, dass in dieser Saison keine Ligaspiele stattfinden, dann können wir uns nur durch mehrere Trainingslager auf die bevorstehenden Qualifikationsspiel vorbereiten.

Wie beurteilen Sie die Arbeit, die Bob Bradley bislang als Trainer der ägyptischen Nationalmannschaft leistet?
Er ist ein sehr tüchtiger Mann. Dass er trotz all dieser Probleme entschlossen weiter macht, zeigt, dass er ein abenteuerlustiger Mann ist, der den Erfolg will.