Was wohl könnte den erneuten Triumph von Al Ahly Kairo in der CAF Champions League am Besten symbolisieren? Diese Frage stellte sich zahlreichen Fans des afrikanischen Fussballs nach dem siebten Erfolg des ägyptischen Renommierklubs in der Königsklasse des Kontinents. Für FIFA.com Grund genug, einmal hinter die Kulissen des vielleicht größten Erfolges in der glorreichen Geschichte der Roten Teufel zu blicken.

Zwischen Triumph und Trauma
Kein anderer afrikanischer Verein hat national oder international auch nur halb so viele Titel gewonnen wie Al Ahly. Der Kairoer Klub hat in den 105 Jahren seines Bestehens über 100 Titel geholt und zählt damit zu den erfolgreichsten Vereinen der Welt. Die FIFA zeichnete Al Ahly deshalb als Afrikas Klub des Jahrhunderts aus.

Gerade erst hat Al Ahly zum siebten Mal die CAF Champions League gewonnen, und die Jahre, in denen die Roten Teufel einmal nicht mindestens die Vorschlussrunde des Wettbewerbs erreicht haben, lassen sich grundsätzlich an den Fingern einer Hand abzählen. Dennoch war der jüngste Erfolg für Verein und Fans ein Besonderer.

Erst im Februar nämlich musste Al Ahly die größte Katastrophe des afrikanischen Fussballs und eine der größten Fussballtragödien weltweit verkraften: 72 Anhänger kamen im Stadion von Port Said ums Leben. Der gesamte ägyptische Sport war daraufhin traumatisiert. Die nationale Meisterschaft wurde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Schwierige Voraussetzungen
Schließlich hatte das Drama auch weitreichende psychologische Auswirkungen auf die Spieler. Einige, wie Mohamed Aboutrika und Mohamed Barakat, trugen sich sogar mit dem Gedanken ans Aufhören. Seitdem haben die Roten Teufel mit Ausnahme des unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragenen Supercups gegen ENPPI national kein Spiel mehr bestritten. Der Kader benötigte allein zwei Monate, um wieder zu sich zu finden und neuen Mut zu fassen. Es wurden schon Stimmen laut, der Klub solle sich als Zeichen der Trauer aus allen Wettbewerben zurückziehen.

Die Spieler nahmen schließlich das Training wieder auf und schworen sich, den prestigeträchtigsten kontinentalen Titel für die in Port Said verstorbenen Fans zu gewinnen. Doch schon nach dem ersten Spiel auswärts gegen Ethiopian Coffee hätte Al Ahly ausgeschlossen werden können, weil der Klub die von der CAF verlangten Sicherheitsbürgschaften nicht hinterlegt hatte.

Erst Stunden vor dem Spiel wurde entschieden, dass Al Ahly alle Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit - und damit ohne die so wichtige Unterstützung der eigenen Fans - bestreiten müsse. Die Roten Teufel ließen sich von der Entscheidung nicht beirren und gewannen zum Auftakt mit 3:0.

Trotz finanzieller Einbußen
Der ägyptische Hauptstadtverein beherrschte danach auch Stade Malien, musste aber in der Vorbereitung auf die Gruppenphase den Abgang von Kulttrainer Manuel José verkraften. Der Portugiese war verärgert über das Fehlen eines nationalen Wettbewerbs. Die Vereinsführung berief Co-Trainer Hossam Al Badri zum neuen Chef. Immerhin hatte dieser kurz zuvor mit Al Merreikh die sudanesische Meisterschaft gewonnen.

Doch für Al Ahly nahmen die Widrigkeiten kein Ende. Der verletzungsbedingte Ausfall von Nationalstürmer Emad Motaeb zwang den neuen Trainer gleich zum Umbau des Sturms. Die Aussetzung der nationalen Wettbewerbe brachte zudem finanzielle Einbußen mit sich. Al Ahly, sonst einer der reichsten Vereine Afrikas, konnte keinen Ersatz verpflichten, der dem Verein sofort weitergeholfen hätte.

Obendrein weigerte sich mit Mohamed Aboutrika auch noch der Star der Mannschaft, am Supercup gegen ENPPI teilzunehmen. Das stieß innerhalb der Mannschaft auf Kritik. Aboutrika wurde von der Vereinsführung schließlich suspendiert. Aber auch ohne seinen besten Spieler gewann Al Ahly nicht nur den Supercup, sondern erreichte auch das Endspiel der afrikanischen Königsklasse.

Das eingehaltene Versprechen
In der Addition der beiden Finalpartien gewannen die Kairoer mit 3:2 gegen Espérance de Tunis. Zu verdanken hatten sie das zum wiederholten Male Kapitän Hossam Ghali, den beiden erstaunlich starken Mittelfeldakteuren Abdallah Al Saied und Walid Soliman, Stürmer Mohamed Gedo Nagy und dem eingewechselten El Sayed Hamdi, der in Alexandria den Ausgleichstreffer schoss und in Tunis ein Tor vorbereitete. Al Ahly unterstrich damit eindrucksvoll, dass Kollektiv individuelle Klasse schlagen kann.

Im Trubel der anschließenden Siegesfeier vergaß auch Aboutrika nicht, was er zuvor versprochen hatte: "Dieser Pokal gehört den Märtyrern von Port Said. Das sind wir ihnen und ihren Familien schuldig!

Eine menschliche Katastrophe, eine ausgesetzte nationale Meisterschaft, leere Ränge und Kassen, Verletzungspech, mannschaftsinterne Querelen - all das konnte Al Ahly letztlich nicht aufhalten. Die Roten Teufel taten alles, um ihr Versprechen zu halten und für ihre Fans den einen so wichtigen Titel zu holen, den zu holen sie noch die Möglichkeit hatten: die CAF Champions League 2012.