Kleiner Vorteil für Corinthians
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Der überraschende Treffer in den letzten Spielminuten der Partie in La Bombonera hat Romarinho sogleich zum Idol der Fangemeinde von Corinthians werden lassen. Der gefühlvolle und abgebrühte Lupfer des gerade einmal 21-Jährigen über Torwart Orión hinweg brachte Corinthians ein 1:1-Unentschieden und ist für die Brasilianer Grund genug, mit Optimismus ins entscheidende Rückspiel gegen die Boca Juniors zu gehen.

Allerdings gibt es auch einige Gründe dafür, dass Corinthians es mit dem Optimismus nicht übertreiben sollte, auch wenn das Final-Rückspiel im heimischen Pacaembu-Stadion stattfindet und ein Sieg mit einem Tor Differenz ausreicht, um den ersten Titel in diesem prestigeträchtigen Wettbewerb zu holen. Der Gegner ist nämlich eine Mannschaft, die in der Copa Libertadores schon ausgesprochen erfolgsverwöhnt ist. Das gilt insbesondere für Auswärtspartien. Und ganz speziell für Auswärtspartien gegen brasilianische Mannschaften. Der Sieger des heutigen Abends wird damit auch an der FIFA Klub-WM 2012 in Japan teilnehmen.

Das Spiel
Corinthians (BRA) – Boca Juniors (ARG)
Mittwoch, 4. Juli, 21:50 Uhr (Ortszeit), Pacaembu-Stadion, São Paulo

Die Brasilianer sollten gewarnt sein und auch im heimischen Stadion Vorsicht walten lassen, wenn sie auf die Boca Juniors treffen. Der sechsmalige Sieger der Copa Libertadores hat bei dieser Auflage nämlich schon gezeigt, wozu er auswärts fähig ist. Im Viertelfinale hatte sich Fluminense, das beste Team der ersten Runde, kurz vor Spielende schon auf ein Elfmeterschießen eingestellt, als Santiago Silva das Engenhão-Stadion mit seinem Treffer zum Schweigen brachte und den Halbfinaleinzug der Xeneizes sicherstellte. Das war einer von vielen Erfolgen, die Boca in den letzten Jahren gegen brasilianische Teams verbuchen konnte.

Seit dem Jahr 2000 gab es allein drei Endspiele der Copa Libertadores, in denen Boca gegen brasilianische Klubs angetreten ist. Aus allen (2000 gegen Palmeiras, 2003 gegen den FC Santos und 2007 gegen Grêmio Porto Alegre) gingen die Argentinier als Sieger hervor – und bei allen drei Gelegenheiten mussten sie das Rückspiel auswärts bestreiten. Gegen Palmeiras setzte sich der Klub im Jahr 2000 nach einem torlosen Unentschieden im Elfmeterschießen durch. Die Partien gegen den FC Santos (3:1) und Grêmio (2:0) konnte man jeweils gewinnen.

Fazit: Angesichts dieser Statistik ist es für Corinthians sicherlich angebracht, die Partie mit Vorsicht anzugehen. Das hat auch Trainer Tite immer wieder betont, wobei er etwas pragmatischer an die Sache herangeht. "Wenn es nach den Unkenrufen ginge, dann wären wir schon ausgeschieden. Alle sagen, dass Corinthians in der Libertadores nicht gut ist. Seit dem ersten Spiel höre ich das schon."

Das Duell
Paulinho – Juan Riquelme
Die Boca Juniors, die auf dem Spielfeld von Juan Román Riquelme angeführt werden, treffen auf das Team von Corinthians, das bisher vor allem durch taktische Disziplin und mannschaftlichen Zusammenhalt überzeugen konnte. Während der argentinische Mittelfeldregisseur bei den Xeneizes das Tempo vorgibt und Spiele entscheidet, wie das seit dem Achtelfinale der Fall ist (ganz zu Schweigen von den vorherigen drei Auflagen der Copa Libertadores, die das Team unter seiner Führung gewann), können die Brasilianer auf einen Spieler zählen, der es hervorragend versteht, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Paulinho ist auf dem Papier defensiver Mittelfeldspieler, geht jedoch gern auch in die Offensive und erzielte den entscheidenden Treffer gegen Vasco da Gama. Auch in der Halbfinal-Begegnung mit Santos spielte er eine fundamentale Rolle.

Hätten Sie's gewusst?
Seit 2005 findet das entscheidende Spiel der Copa Libertadores immer in Brasilien statt. São Paulo (2005), Porto Alegre (2006 und 2007), Rio de Janeiro (2008), Belo Horizonte (2009), Porto Alegre (2010) sowie erneut São Paulo (2011) waren die Spielorte der letzten Final-Rückspiele des Wettbewerbs.

Die Statistik
20 – So viele Jahre sind vergangen, seit sich im Finale der Copa Libertadores zum letzten Mal eine brasilianische Mannschaft gegen eine argentinische durchsetzen konnte. 1992 schlug der FC São Paulo die Newell's Old Boys im Morumbi-Stadion im Elfmeterschießen. Seitdem konnten die Argentinier alle fünf Endspiele, die sie gegen brasilianische Vertreter bestritten, für sich entscheiden.

Zitate
"Was mir wirklich zu schaffen macht ist nicht etwa die Tatsache, dass ich bei [meinem ehemaligen Klub] Corinthians wenig zum Einsatz gekommen bin, sondern der Elfmeter, den ich letztes Jahr im Halbfinale für Vasco nicht verwandeln konnte."
Santiago Silva (Stürmer, Boca Juniors) im Interview mit FIFA.com

"Selbst wenn ich hier nicht zu den großen Namen gehöre, werden die Corinthians-Fans sicher nicht vergessen, wie wichtig ich lange Zeit für den Klub war, falls wir die Copa Libertadores tatsächlich gewinnen sollten. Sei es wegen meiner Vorlagen, meiner Tore oder meiner Balleroberungen."
Jorge Henrique (Stürmer, Corinthians) im Exklusiv-Interview mit FIFA.com unmittelbar vor dem entscheidenden Spiel.