Auf die Frage nach der besten Fussballmannschaft, die das bevölkerungsreichste Land der Welt jemals hervorgebracht hat, würden 99 Prozent aller chinesischen Fussballfans wohl ohne zu zögern die Mannschaft von vor sechs Jahren nennen, die Fussballgeschichte schrieb, indem sie sich unter Führung der serbischen Trainerlegende Bora Milutinovic erstmals für eine FIFA WM-Endrunde qualifizierte.

Es kann kaum überraschen, dass auch der ehemalige Kapitän der Chinesen, Ma Mingyu, dieser Meinung ist, der in der Qualifikation für Frankreich 1998 nur ganz knapp scheiterte und vor sechs Jahren mit dem Team den Sprung zum FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002™ schaffte.

Unvergessene Momente
"Ich denke, dass dies die beste Mannschaft unserer Geschichte war, denn jede Position war stark besetzt", so der frühere Mittelfeldspieler, der heute als stellvertretender Generalmanager der chinesischen Super-League-Mannschaft Chengdu Blades arbeitet, im Gespräch mit FIFA.com. "In dieser Mannschaft standen Spieler wie Hao Haidong, Fan Zhiyi und Li Tie, damals alle auf dem Höhepunkt ihres Könnens."

"Die gleiche Mannschaft hatte ihr Potenzial schon vier Jahre zuvor gezeigt und dabei die Qualifikation für die WM in Frankreich 1998 erst im vorletzten Qualifikationsspiel verpasst, als es auswärts in Saudiarabien nur zu einem 1:1-Unentschieden reichte." Doch 2002 war genau der richtige Zeitpunkt gekommen, so Ma Mingyo. "Dank der Erfahrungen, die wir [in der Qualifikation für 1998] gesammelt hatten, und mit einer Trainerlegende wie Bora am Ruder haben wir es endlich geschafft und die WM-Endrunde erreicht."

Als wir ihn bitten, die Schlüsselspieler der damaligen Goldenen Generation aufzuzählen, lässt der bescheidene Ma sich selbst außen vor. Doch selbstverständlich gilt der heute 38-Jährige allgemein als einer der kreativsten Mittelfeldakteure im Kader von Milutinovic. Der Serbe selbst bezeichnete Ma als "das zuverlässige Gehirn" der Mannschaft.

Ma absolvierte insgesamt 71 Länderspiele und erzielte dabei acht Tore. Im Laufe seiner Karriere landete er auch beim italienischen Klub Perugia, wo er allerdings in seinen acht Monaten nur die Ersatzbank drückte. 2001 kehrte er zu seinem Heimatverein Sichuan zurück.

"Es war sehr schade, dass ich bei Perugia nicht zum Einsatz gekommen bin. Trotzdem habe ich bei den Trainingseinheiten mit der Mannschaft Kontakt zum Fussball auf höchstem Niveau gehabt. In China konnte ich problemlos auf dem Niveau der inländischen Liga spielen. In Italien war das ganz anders, hier mangelte es mir an allen Ecken und Enden. Das allein zeigte schon die breite Kluft, die zwischen chinesischen Spielern und den Spitzenspielern der Welt existierte", so Ma.

Nach seiner Rückkehr brauchte Ma nicht lange, um sich auf kontinentaler Ebene wieder zu etablieren. In der Qualifikation für den FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002, die sich China VR bereits am vorletzten Spieltag sicherte, spielte er eine wichtige Rolle. Ma entwickelte sich zum Publikumsliebling und bekam von den Fans den liebevollen Spitznamen der "kleine Colt" verpasst.

Das Debüt der Chinesen bei einer WM-Endrunde war indes eine herbe Enttäuschung. Ma und seine Mannschaft kassierten bei den drei Niederlagen gegen Costa Rica, Brasilien und die Türkei insgesamt neun Tore, ohne ein einziges selbst zu erzielen. Diese bittere Bilanz ließ Ma überdeutlich erkennen, welch große Aufgaben noch vor China lagen, wollte das Reich der Mitte zur Weltspitze aufschließen. "Gegen Brasilien mussten wir leider erkennen, dass wir in allen Belangen - Schnelligkeit, Kraft, Erfahrung und Technik - mehr als klar unterlegen waren", so Mas Erinnerung. "Schon damals habe ich begonnen darüber nachzudenken, zum Aufbau der nächsten Generation beizutragen."

Und heute?
Ma ließ seinen Gedanken schon bald konkrete Taten folgen. Direkt nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2003 rief er eine Fussballschule für Jugendliche ins Leben, die chinesischen Nachwuchstalenten einen möglichen Entwicklungsweg bot. Zahlreiche Funktionäre, darunter auch der ehemalige AFC-Generalsekretär Peter Velappan, haben diese Schule besucht und den Einsatz von Ma lobend hervorgehoben.

Auch das Angebot der Chengdu Blades, im Trainerstab des Klubs mitzuarbeiten, sieht Ma als Chance zur Förderung der Entwicklung des Fussballs in China. "Die Liga ist die wichtigste Quelle für Nationalspieler. Wenn wir also eine starke, gut geführte Liga haben, dann bekommen wir auch eine starke Nationalmannschaft."

Zahlen und Fakten
Position:
Mittelfeld
Vereine: Sichuan (1990-1994, 1997-2000, 2001-2003), Guangdong Hongyuan (1995-1996), Perugia (2001).
Nationalmannschaft: 71 Länderspiele (8 Tore)
Erfolge: Bester Mittelfeldspieler der Chinesischen Liga (1996), FIFA WM-Teilnahme (2002).

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