Im Rückblick auf seine Karriere erscheint Rabah Madjer diese wie die Erfüllung eines "wundervollen Märchens". In einem Interview fasste er noch einmal die Höhepunkte seiner einmaligen Laufbahn zusammen, in der er viel erlebte und erreichte. Das Bild des algerischen Stars, als er mit dem Rücken zum Tor stehend den Ball mit der Hacke in den Maschen versenkte, ging um die ganze Welt.
Seit dem Frühling 1987 steht der Name des eleganten Spielers für eben diese Art von Hackentrick "à la Madjer" und viele versuchten in der Folge, diesen Trick nachzuahmen. Derzeit arbeitet er als Experte beim Sender "Al Jazeera Sport" in Katar. Der Gewinner des Golden Balls in Afrika 1987 verbindet mit seiner Karriere rückblickend überwiegend schöne Momente. Seine Entlassung als Trainer der algerischen Nationalmannschaft gehörte dagegen zweifellos zu den frustrierenden Momenten seiner Laufbahn. In seinem Haus in Algerien nahm sich Madjer die Zeit für ein Gespräch mit FIFA.com.
Unvergessliche Momente
Der Europapokalsieger der Landesmeister von 1987 bezeichnet seinen Treffer am 27. Mai gegen Bayern München heute als sein Markenzeichen. "Mit diesem Spiel verbinde ich meine schönsten Erinnerungen. Ich erzielte einen Treffer, spielte einen entscheidenden Pass und gewann den Titel, der einen meiner größten Erfolge darstellte. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal so weit kommen würde. Selbst im Training vor dem Spiel fragte ich mich immer wieder, ob ich tatsächlich gegen die großen Bayern antreten würde", erzählte der Algerier, der zwei Jahre zuvor vom eher durchschnittlichen Verein Racing Club de Paris nach Portugal gewechselt war.
"Ich kann mich noch an den Abend vor dem Finale erinnern, als ich mich fragte, wie ich wohl spielen würde. Mein damaliger Zimmergenosse, Jozef Mlynarczyk, hatte Angst. Ich sagte ihm, dass wir 2:1 gewinnen werden. Und zum Glück hat mich Gott erhört", erinnerte sich Madjer zurückblickend. Und sein Geniestreich? "Ich stand mit dem Rücken zum Tor und ich konnte nur mit der Hacke das Tor erzielen. Ich bin einfach einer plötzlichen Eingebung gefolgt und so ist es dann gekommen. Ich hatte keine Zeit, nachzudenken. Nur einmal nach diesem Finale habe ich den Trick in der Meisterschaft wiederholt - und auch getroffen."
Dank zweier Geniestreiche seines Ausnahmespielers sicherte sich der FC Porto als Europapokalsieger der Landesmeister im Spiel gegen CA Peñarol dann auch noch den Interkontinental-Pokal. Erinnern Sie sich noch an Ihren Siegtreffer? "Natürlich, den habe ich in der Verlängerung erzielt. Das Timing war perfekt", erklärte Madjer. "Zudem war es ein sehr schöner Treffer, ein Heber aus großer Entfernung. Das war eine große Ehre für mich, an so einem Spiel teilzunehmen und dann auch noch zu gewinnen." Madjer kann sich sogar nach zwei Jahrzehnten genau erinnern. "Das war für mich wie ein Märchen. Ich wechselte als relativ unbekannter Spieler von einem durchschnittlichen Verein nach Porto. Es war zunächst schwer für mich, mich durchzusetzen, weil Porto sehr gute Spieler hatte, und ich musste hart kämpfen. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich mich dort durchsetzen konnte."
Mit Algerien nahm Madjer an der WM 1982 und 1986 teil und ist sehr glücklich, dass er seinem Land dienen konnte. Gegen Deutschland traf er bei der WM in Spanien. 1990 erlebte er dann seinen größten Erfolg mit der Nationalmannschaft. Als bester Spieler des Turniers gewann er mit Algerien den Afrikanischen Nationen-Pokal. "Ein historischer Titelgewinn für Algerien, mit dem ich sehr bewegende Erinnerungen verbinde." Im selben Jahr wurde er zudem von der CAF zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt. "Dabei war ich gerade einmal Dritter beim Ballon d'Or geworden", berichtet er schmunzelnd.
Und heute?
Seit 2006 ist der ehemalige Spieler von NA Hussein Dey nicht mehr als Trainer aktiv. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn und der Zeit als Trainer widmet er nun seine ganze Zeit der Tätigkeit als Experte des Senders Al Jazeera Sport. "Eine Saison lang habe ich diesen Posten zusammen mit dem Traineramt bei Al Rayyan ausgeübt, aber es war zu schwierig, beides unter einen Hut zu bekommen. So wie es im Moment ist, bin ich zufrieden, aber ich schließe grundsätzlich nichts aus."
"Nach dem Afrikanischen Nationen-Pokal in Mali entschloss ich mich zum Neuaufbau der Nationalmannschaft. Gegen Belgien erzielten wir ein sehr gutes Unentschieden und schlugen dann die Franzosen auswärts vor der WM 2002. Wir waren also auf dem richtigen Weg und deswegen konnte ich die Entscheidung nicht nachvollziehen. Das war sehr schade. Ich kann mir keinen Vorwurf machen, weil ich professionell gearbeitet habe. Und ich weiß, dass ein Trainer, der von seinen Spielern abhängig ist, der erste ist, der bei ausbleibendem Erfolg gehen muss", versicherte er uns. In der Folge war er dann in Katar, Algerien und Porto tätig, womit er "die schönsten Momente verbindet" und wo er sich "heimisch fühlte."
Wichtige Daten
Vereine (als Spieler): NA Hussein Dey (1973-1983), Racing Club de Paris (1983-1985), F.C. Porto (1985-1988), F.C. Valencia (1988-1989), F.C. Porto (1989-1992), Nadit (1992-1993)
Vereine (als Trainer): F.C. Porto (Junioren-Trainer 1995-1997), Al-Sadd (1997-1998), Al-Wakrah (1998-1999), Al Rayyan (2005-2006)
Nationalmannschaft (als Spieler): 87 Länderspiele (1978-1992)
Nationalmannschaft (als Trainer): 1994-1995, 2000-2002
Erfolge: Europapokal der Landesmeister (1987), Interkontinental-Pokal (1987), Europäischer Super-Cup (1987), Portugiesischer Meister (1985, 1987, 1990), Portugiesischer Pokalsieger (1988, 1991), Goldener Ball Afrika (1987), Gewinn des Afrikanischen Nationen-Pokals (1990), bester Spieler der portugiesischen Meisterschaft (1985, 1987), bester Sportler Algeriens (1982), Teilnahme an zwei Weltmeisterschaften (1982, 1986), Teilnahme an sechs Afrikanischen Nationen-Pokalen



