In Mexiko gibt es nur wenige Spieler, die sich mit Alberto García Aspe vergleichen ließen. 14 Jahre lang trug er die Farben der mexikanischen Nationalmannschaft, bestritt 109 internationale Begegnungen, erzielte 21 Tore und war bei drei Weltmeisterschaften dabei - Zahlen, die kaum ein anderer Akteur aufzuweisen hat. Offen und ehrlich, wie man ihn aus seiner aktiven Zeit und aus seiner aktuellen Tätigkeit als Fussballkommentator kennt, blickt García Aspe zusammen mit FIFA.com auf seine außergewöhnliche Karriere zurück und spricht über sein heutiges Leben sowie über den Zustand der mexikanischen Auswahl, die er so sehr liebt.

Unvergessene Momente
"1988 habe ich mein erstes Länderspiel bestritten", beginnt García Aspe den Rückblick auf seine Karriere. "Fast hätte ich den Sprung ins WM-Team für 1986 geschafft, doch Bora Milutinovic hat mich am Ende doch nicht nominiert. 1990 in Italien war Mexiko schließlich international gesperrt, da es [bei der U-20-WM 1989] einige Probleme mit den Geburtsdaten der Spieler gegeben hatte", so der ehemalige Mittelfeldstar über seine Anfänge.

1994 durfte ich schließlich beim wichtigsten internationalen Turnier debütieren, auch wenn die Premiere ziemlich schmerzhaft verlief. "In der Qualifikation für die WM in den USA mussten wir zunächst eine Niederlage gegen El Salvador einstecken. Das war eine hart geführte Begegnung, in der einige Mannschaftskameraden, wie Francisco Uribe und Benjamín Galindo, schwere Verletzungen davontrugen. Doch diese Niederlage hat die Mannschaft nur zusammengeschweißt. Von da an sollten wir keine Begegnung mehr verlieren."

Und das sollte es noch lange nicht gewesen sein. "Die Partie gegen Honduras war noch schlimmer", erinnert sich der Mittelfeldakteur. "Das war in jeder Hinsicht eine ziemlich raue Sache. Wir mussten vor dem Spiel sogar das Hotel wechseln. Wir haben zwar 4:1 gewonnen, mussten dafür aber vier Stunden warten, bis man uns schließlich unter Polizeischutz aus dem Stadion geleitete. Dieser Sieg sicherte uns aber im Endeffekt das WM-Ticket. Danach belegten wir in der Copa América auch noch einen historischen zweiten Rang, der dem mexikanischen Fussball ein internationales Ansehen verlieh, das er bis zu diesem Zeitpunkt nicht hatte."

"Ich glaube, das war damals die beste Mannschaft, in der ich jemals gespielt habe. Wir spielten einen erfolgreichen Fussball, zudem gab es einige starke Spielerpersönlichkeiten. Die Menschen identifizierten sich mit der Nationalmannschaft, mit einer Aura, die ich seit damals nicht wieder erlebt habe. Bei der WM 1994 belegten wir in einer Gruppe mit Italien den ersten Platz. Nach der Begegnung gegen Italien, lief ich an ihrer Kabine vorbei. Alle machten ein Gesicht wie auf einer Beerdigung. Sie dachten, sie wären ausgeschieden. Leider haben wir gegen die beste bulgarische Mannschaft aller Zeiten im Elfmeterschießen verloren - in einer Begegnung, die wir schon vorher für uns hätten entscheiden müssen", bedauert García Aspe das Aus in den USA.

Vier Jahre später zählte Mexiko mit einem García Aspe auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn zu den stärksten Teams bei der WM 1998 in Frankreich. "Wir hatten uns irgendwie daran gewöhnt, immer einem Rückstand hinterher zu laufen. Gegen die Republik Korea lagen wir zur Halbzeit zurück, konnten die Begegnung aber am Ende noch mit 3:1 für uns entscheiden. Gegen Belgien und die Niederlande holten wir nach einem 0:2-Rückstand noch ein Unentschieden. Leider kam dann gegen Deutschland das Aus. Unser Trainer (Manuel Lapuente) hatte uns gesagt, dass sie uns nur mit hohen Bällen in den Strafraum besiegen konnten. Und genau so kam es. Das war schon bitter. Wir hatten eine großartige Mannschaft, die sehr offensiv ausgerichtet und läuferisch stark war."

Und heute?
Nach einer Abwesenheit von drei Jahren feierte der Mittelfeldmann in einer äußerst schwierigen Phase sein Comeback für die Tricolor. "Javier Aguirre hat uns eine Woche vor der entscheidenden Qualifikationsbegegnung gegen die USA nominiert. Bei einer Niederlage, hätten wir die WM 2002 abschreiben können. Das war eine komplett neue Mannschaft, die mit der richtigen Einstellung in diese Begegnung gegangen ist und das Spiel gewonnen hat. Im Achtelfinale der WM in Korea/Japan sind wir dann ausgerechnet gegen die USA ausgeschieden, was natürlich einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat. Ich denke, dass einige Spieler einfach nicht dem Druck gewachsen waren, gegen den großen Rivalen zu spielen. Das haben sie natürlich ausgenutzt und uns mit der Taktik geschlagen, die gegen uns immer erfolgreich war - zumindest bis zum letzten Gold Cup."

Insbesondere die Erfahrung García Aspes und seine gegenwärtige Tätigkeit als Fussballexperte befähigen in ihn dazu, über den Klassiker am 12. August zu sprechen, dessen Ausgangssituation unweigerlich an 2001 erinnert. "Das wird alles andere als einfach werden. Die USA werden alles tun, um ein Gegentor zu vermeiden und versuchen, mit einer ausgefeilten Taktik, die Partie zu gewinnen. Uns im Aztekenstadion zu besiegen, ist aber so ziemlich unmöglich. Das Stadion wird brechend voll sein, und wir werden schon einen Weg finden, sie zu schlagen. Durch den Sieg beim Gold Cup haben wir zudem einen psychologischen Vorteil, was den Ausschlag geben wird", meint García Aspe.

Zum Ende des Interviews spricht der ehemalige Mittelfeldstar über seine aktuelle Tätigkeit, die er heute - sieben Jahre nach dem Ende seiner Karriere - ausübt. "Nach dem Ende meiner aktiven Laufbahn, wollte ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie verbringen und habe mich deshalb gegen das Traineramt entscheiden. Einige Monate später kam dann das Angebot, für das Fernsehen zu arbeiten, was ich seitdem mit viel Freude mache. Zudem habe ich ein Marketingunternehmen, das ziemlich gut läuft. Das mit dem Trainerjob habe ich aber noch nicht aufgegeben. Vielleicht mal irgendwann in der Zukunft", urteilt García Aspe mit der für ihn selbstverständlichen Offenheit.

Zahlen und Fakten

Position: Mittelfeld

Vereine: Pumas UNAM, Necaxa, River Plate (ARG), América y Puebla

Länderspiele: 109 (21 Tore)

Erfolge: Mexikanischer Meister (1991, 1995, 1996, 1997), CONCACAF Gold Cup-Sieger (1996), FIFA Konföderationen-Pokal-Sieger (1999), drei WM-Teilnahmen (1994, 1998, 2002)