Als Yasuhiko Okudera 1977 einen Profivertrag beim deutschen Traditionsklub 1. FC Köln unterschrieb, wurde er zugleich zu einer japanischen Fussballlegende. Denn er war zu einer Zeit, da Fussball in seiner Heimat noch ein reiner Amateursport war, der erste Japaner im europäischen Profibereich. Grund genug für FIFA.com, noch einmal einen Blick auf die Laufbahn jenes Vorreiters unter den Mittelfeldspielern zu werfen. Im Gespräch ging es unter anderem um seine Anpassung an das ganz andere Leben in Deutschland und um die heutigen Ambitionen für den japanischen Fussball im Allgemeinen.

Unvergessene Momente
Okudera verdankte seinen Wechsel nach Köln seinen konstant herausragenden Leistungen bei Furukawa Electric in der japanischen Unternehmensliga ab dem Jahr 1970. Deutschland war 1974 Weltmeister geworden, und die Bundesliga galt als eine der besten und härtesten Ligen der Welt. Insofern machte sich Okudera keinerlei Illusionen hinsichtlich der vor ihm liegenden Herausforderung. "Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich es in Deutschland packen würde", so Okudera. "Die erste Saison war schwierig, aber gar nicht mal so sehr in Bezug auf die Spielweise sondern eher in punkto Lebensweise. Erst ab der zweiten Saison ging es aufwärts, und ich hatte mich so weit eingewöhnt."

Auf dem Feld bestach Okudera mit Schnelligkeit und Präzision. Meist auf dem linken Flügel eingesetzt, traf der Japaner in den letzten beiden Spielen seiner ersten Saison in Köln jeweils doppelt und hatte so maßgeblichen Anteil daran, dass der 1. FC Köln im Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft mit Borussia Mönchengladbach am Ende die Nase vorn hatte. In der folgenden Spielzeit traf Okudera dann auch im Europapokal der Landesmeister (der heutigen UEFA Champions League) im hart umkämpften Halbfinale gegen den späteren Gewinner Nottingham Forest.

Nach drei Spielzeiten in Köln, wo er unter anderem an der Seite von Torschützenkönig Dieter Müller, Weltmeister Pierre Littbarski und Torhüterlegende Harald Toni Schumacher spielte, und einer Saison in der zweiten Liga bei Hertha BSC Berlin lotste Kult-Coach Otto Rehhagel Okudera dann zu Werder Bremen. Aufgefallen war ihm der Japaner ausgerechnet, als er auf der ungewohnten Position des rechten Verteidigers aushalf. "Von dem Vertragsangebot aus Bremen war ich begeistert", erinnert sich Okudera. "Ich selbst habe mich als Mittelfeldspieler gesehen, aber Rehhagel eröffnete mir, dass er mit mir als rechter Verteidiger plante. Und er eröffnete mir, dass wir Raumdeckung spielen würden. Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, das noch mal lernen zu müssen, denn damals spielten alle nur mit Manndeckung."

Nach fünf Jahren in Deutschland hatte sich Okudera bestens eingelebt, und das spiegelte sich auch in seinen Leistungen auf dem Platz wider. "Am konstantesten habe ich in meiner Bremer Zeit gespielt", sagt Okudera noch heute und nennt auch gleich den Grund dafür: "Ich hatte dort keinerlei Probleme mehr mit der Sprache, dem Umfeld oder sonstigen Dingen."

Nach 259 Spielen und 34 Toren während seiner neun Jahre in Deutschland zog es Okudera dann 1986 zurück zu Furukawa Electric (heute JEF United Ichihara Chiba), ehe er 1988 seine Fussballschuhe an den Nagel hängte.

Und heute?
Okudera ist als Vorsitzender und Generaldirektor des Zweitligisten Yokohama FC noch immer mitten drin im japanischen Fussballgeschehen. Auch Kontakte nach Europa hat er noch. Dort ist er nämlich als Vorsitzender des englischen Zweitligisten Plymouth Argyle im Einsatz.

Reichlich Erfahrung also, die den 57-Jährigen dazu prädestiniert, den japanischen Fussball voran zu bringen. "Wir brauchen mehr Japaner, die im Ausland spielen und die dort gesammelte Erfahrung dann hier einbringen", fordert Okudera beispielsweise. "Die Urawa Reds und Gamba Osaka waren zuletzt bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft dabei, aber der regelmäßige Vergleich mit ausländischen Mannschaften fehlt ansonsten. Ich bin mir sicher: Läge Japan in Europa, dann wären wir eine noch stärkere Fussballnation. So aber müssen japanische Mannschaften aufpassen, dass sie von den europäischen nicht abgehängt werden. Wir haben zwar einen Spieler wie Makoto Hasebe in Deutschland, aber auch die Funktionäre könnten in Europa noch eine Menge lernen", mahnt Okudera zum Ende des Gesprächs.

"Ich möchte, dass Japaner mehr über Fussball wissen, und ich möchte helfen, den japanischen Fussball in die Welt zu tragen."

Yasuhiko Okudera

Position: Verteidiger / Mittelfeldspieler

Klubs: Furukawa Electric, 1. FC Köln, Hertha BSC Berlin, Werder Bremen

Länderspiele: 42 (acht Tore)