Steve Sumner hat auf nationaler und internationaler Ebene eine beeindruckende Karriere hinter sich, und es gibt vieles, auf das er stolz sein kann. Das absolute Highlight ist jedoch zweifellos Neuseelands völlig überraschende Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1982 in Spanien.
Auf dem Weg nach Spanien gelang der überwiegend aus Amateuren bestehenden neuseeländischen Auswahl das scheinbar Unmögliche. Man setzte sich gegen hoch favorisierte Gegner durch und ließ im Laufe der Qualifikation mehrere Rekorde purzeln. Mannschaftskapitän war der kreative Mittelfeldspieler Steve Sumner, der im Wettbewerbsverlauf auch einige persönliche Meilensteine erreichte.
Die Vier-Tore-Ausbeute gegen Fidschi war damals Rekord in einem Qualifikationsspiel für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft, aber Sumner ist wohl vor allem wegen Neuseelands erstem Tor bei der WM 1982 in Spanien in Erinnerung geblieben. Da den Australiern acht Jahre zuvor in der Bundesrepublik Deutschland kein einziger Treffer gelungen war, ist Sumners Tor gegen Schottland als erster WM-Treffer eines Landes aus Ozeanien in die Fussballgeschichte eingegangen.
Für einen Mittelfeldspieler hatte Sumner mit 22 Toren in 58 Länderspielen eine beeindruckende Trefferquote vorzuweisen. Für Neuseeland war nur der kürzlich zurückgetretene Top-Torjäger Vaughan Coveny mit 28 Treffern erfolgreicher. Viele dieser 22 Tore fielen in den 24 Spielen, die Sumner im Laufe von drei WM-Zyklen bestritt.
Der 1955 in England geborene Sumner spielte anfangs für Preston North End und Grimsby Town und wechselte anschließend für zunächst acht Spielzeiten zu Christchurch United. Die Vereinskarriere des torgefährlichen Mittelfeldakteurs kann sich sehen lassen und beinhaltet unter anderem sechs Titelgewinne im Chatham Cup. Das ist Rekord. Einige der Titel im nationalen Pokalwettbewerb holte er als Spielertrainer.
Unvergessene Momente
Neuseeland qualifizierte sich auf spektakuläre Weise für die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien. Dabei setzte man sich in der ersten Qualifikationsrunde zuerst gegen Australien und anschließend gegen Indonesien, Chinese Taipei und Fidschi durch. Im ersten Spiel gegen Australien in Auckland erzielte Sumner kurz vor Spielende den entscheidenden Ausgleichstreffer. Das gute Ergebnis gab den All Whites viel Selbstvertrauen, auf das sie sich während der gesamten Qualifikation stützen konnten.
Für die Teams aus dem asiatischen und dem ozeanischen Kontinentalverband standen nur zwei WM-Startplätze zur Disposition, und die Kiwis sicherten sich nach einem beachtlichen 5:0-Sieg in Riyadh hinter Kuwait und vor Saudiarabien den zweiten Tabellenplatz. Ein niedrigeres Ergebnis hätte das Ausscheiden bedeutet. Dieser Sieg berechtigte die Neuseeländer nun zur Teilnahme am Playoff-Klassiker gegen das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die Partie wurde im neutralen Singapur ausgetragen. Die Neuseeländer setzten sich am Ende mit 2:1 in einer Partie durch, die Sumner als ein Highlight unter den vielen denkwürdigen Spielen auf dem Weg zur WM 1982 in Spanien beschreibt.
"Wir hielten uns vor 60.000 Zuschauern über Wasser, die alle hinter China standen, wenn man mal von dem versprengten Häufchen von knapp 500 Neuseeländern absieht", berichtet Sumner. "Die Bedingungen waren aufgrund der großen Hitze unglaublich hart. Dann trafen sie zehn Minuten vor Schluss zum Anschluss, und wir haben einfach nur noch versucht, das Ergebnis irgendwie über die Zeit zu bringen. Aber das Gefühl beim Abpfiff war einfach grandios."
Einmal abgesehen vom jungen Stürmer Wynton Rufer bestand der Kader ausschließlich aus Halbprofis, und die Kiwis waren in ihrer Gruppe neben Schottland, Brasilien und der UdSSR krasse Außenseiter. Erster Gegner war eine schottische Auswahl, bei der Stars wie Kenny Dalglish, Graeme Souness und Alan Hansen mit von der Partie waren.
"Wir betraten absolutes Neuland", so Sumner über das erste Spiel in Malaga, das schließlich mit einem 5:2 für Schottland endete. "Wir wussten erst, wie heiß das Badewasser war, als wir unsere Zehen eintauchten! Im Nachhinein würde ich sagen, dass es mit etwas mehr Vorbereitung vielleicht auch zu einem Sieg gereicht hätte, insbesondere gegen Schottland, wo wir bis auf 2:3 herangekommen sind. Aber selbst gegen Russland wäre es möglich gewesen, obwohl wir 0:3 verloren haben."
Sumners Auftakttreffer gegen die Schotten hatte nicht nur historische Bedeutung, sondern war für den Kapitän der All Whites auch eine sehr emotionale Angelegenheit. Schließlich waren seine Eltern eigens aus Nordengland angereist. "Ich holte den Ball aus dem Netz, damit wir das Spiel fortsetzen konnten. Auf dem Weg zurück zum Mittelkreis sah ich in die Richtung, in der ich meine Eltern vermutete, und da stand mein Vater mit hochgereckten Armen, als hätte ich gerade den Siegtreffer erzielt."
Das Turnier endete für die Neuseeländer mit einer 0:4-Niederlage gegen ein brasilianisches Staraufgebot. Zico erzielte ein Doppelpack, einschließlich eines spektakulären Fallrückziehers.
Und heute?
Seit vielen Jahren ist Sumner nun bereits in Christchurch zu Hause. Seit er als Teenager aus England nach Neuseeland übersiedelte, hat er die meiste Zeit in dieser Stadt verbracht, einmal abgesehen von kurzen Intermezzos bei anderen Klubs in Neuseeland und Australien. Der Fussball spielt noch immer eine große Rolle im Leben des All White-Stars.
Obwohl er auf der Südinsel Neuseelands wohnt, nimmt Sumner nun schon seit zwei Jahren Aufgaben im Vorstand von Wellington Phoenix war, dem einzigen Profiklub Neuseelands, der in der australischen A-League aktiv ist. Außerdem ist er derzeit Präsident des regionalen Verbands "Mainland Football".
Da er gleichzeitig im Exportgeschäft für Fisch und Meeresfrüchte tätig ist, hat Sumner jedes Jahr die Möglichkeit, zu reisen. In den letzten drei Jahren hat er die Gelegenheit dazu genutzt, den neuseeländischen Mannschaftskapitän Ryan Nelson für die Blackburn Rovers auflaufen zu sehen. Vielleicht ist Nelson, Neuseelands hochkarätigster Spieler, ja in gewisser Weise auch ein Produkt der Höchstleistungen der Fussballpioniere von 1982.
"Ich glaube, dass die 1970 in Neuseeland ins Leben gerufene nationale Liga uns 1982 geholfen hat. Seitdem haben wir hoffentlich ein Erbe hinterlassen, das es Neuseeländern ermöglicht, auch im Ausland auf höchster Ebene zu spielen. Natürlich sind unsere Spieler dieses Jahr auch beim Konföderationen-Pokal und WM-Playoff vertreten. Ich hoffe also darauf, dass der Kreis geschlossen werden kann."
Position: Mittelfeldspieler
Vereine: Christchurch United (1973 - 80), Newcastle United, Australien (1981), West Adelaide, Australien (1982), Manurewa (1983 - 86), Gisborne City (1987), Christchurch United (1988 - 89).
Nationalmannschaft: 58 Länderspiele, 22 Tore
Erfolge:
Neuseeländischer Meister: 1973, 1975, 1978, 1983, 1988
Neuseeländischer Pokalsieger: 1974, 1975, 1976, 1984, 1987, 1989
Neuseeländischer Spieler des Jahres: 1983
Neuseeländischer Torschützenkönig: 1983



