Bereits lange vor einem gewissen Zinédine, dem herausragenden französischen Spielmacher, feierten die Algerier bereits "ihren" Zidane. Der Anfang der 80er Jahre noch unerfahrene Zinédine war selbst ein großer Fan seines Namensvetters Djamel. Der Vergleich der beiden Ballzauberer hört jedoch nicht bei ihrer Herkunft auf. Beide gehören zum Berbervolk der Kabylen, waren beidfüßig und verfügten über einen unvergleichlichen Torriecher und zelebrierten technisch versierten Fussball vom Feinsten.

Djamel Zidane wurde 1955 in Algier geboren und spielte neun Spielzeiten bei Union Sportive de la Médina (USM) in seiner Geburtsstadt. Dort absolvierte er alle Altersklassen, bis er 1972 in der Profimannschaft in der zweiten Liga debütierte. Der frühere Nationalspieler Nasser Guedioura, der zu dieser Zeit mit ihm befreundet war und in derselben Mannschaft spielte, kann sich noch gut erinnern: "Wir haben mit den Nachwuchsmannschaften zwei Mal den algerischen Pokal gewonnen und leisteten unseren Anteil zum Aufstieg in die erste Liga in der Spielzeit 1973/74."

Nach der Auszeichnung als bester algerischer Nachwuchsspieler wechselte Zidane 1976 schließlich nach Europa. Nach mehreren Spielzeiten in den unteren Ligen Frankreichs und Belgiens schaffte der Spielmacher schließlich in der ersten belgischen Liga den Durchbruch und wurde zum besten ausländischen Akteur der Liga gewählt. In der Folge setzte er seine Karriere bei KV Courtrai (1980-84) und KSV Waterschei (1984-87) fort.

Obwohl er Stammspieler in den Jugendnationalmannschaften war, kam er in der Zeit von 1975 bis 1981 nur zu einem einzigen Länderspieleinsatz. Insgesamt brachte es Zidane auf 15 A-Länderspiele, darunter fünf bei den FIFA WM-Turnieren Spanien 1982 und Mexiko 1986.

Unvergessene Momente
Sechs Jahre nach seinem Debüt in der Nationalmannschaft kehrte Zidane in einem Freundschaftsspiel gegen Albanien (1:0) in die Nationalmannschaft zurück, in einer für den algerischen Fussball sehr schwierigen Zeit. Seinen ersten Länderspieltreffer erzielte er am 10. Oktober 1981 in Lagos gegen Nigeria (2:0) in der Qualifikation für die WM 1982 in Spanien. Es folgte die historische erste Teilnahme der Algerier an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft.

In der Gruppe 2 bekamen die Algerier schwere Brocken vorgesetzt. So mussten sie gegen die bundesdeutsche Mannschaft antreten, die sich bei drei der vier vorangegangen Turniere einen Podiumsplatz gesichert hatte, sowie gegen Österreich und Chile.

Für das erste Spiel am 16. Juni 1982 rechneten die algerischen Fans nicht mit großen Heldentaten ihrer Mannschaft im Spiel gegen die deutsche Auswahl. Doch in der 54. Minute spielte Zidane bei einem schön vorgetragenen Konter mustergültig auf Rabah Madjer, der nur noch ins leere Tor einzuschieben brauchte. Letztlich gewannen die Algerier verdient mit 2:1 und sorgten damit für eine der größten Überraschungen in der WM-Geschichte.

Erst vor kurzem sprach der damalige Nationaltrainer Rachid Mekhloufi mit FIFA.com über diesen Erfolg: "Das war ein hochtalentierter Kader, der völlig schnörkellos spielte. Leider spielten wir nach dem historischen Sieg gegen Deutschland nicht so konzentriert weiter. Es war fast so, als hätten die Spieler mit dem Sieg gegen die deutsche Mannschaft ihr Ziel bereits erreicht. Das war sehr schade, denn sie hatten das Potenzial, in diesem Turnier weit zu kommen."

Vier Jahre später bei der WM in Mexiko war Zidane erneut mit von der Partie. Am 3. Juni 1986 bewies er im Stadion Tres de Marzo in Guadalajara seine spielerische Klasse gegen Nordirland. Seine Auftritte auf der rechten Seite trieben die nordirische Abwehr in den ersten 45 Minuten zur Verzweiflung. Nach der Pause nutzte der Algerier seine Schnelligkeit und Schusspräzision seines linken Fußes, um mit seinen Flanken ständig für Gefahr zu sorgen. In der 59. Spielminute erzielte Zidane dann mit einem fulminanten Freistoß aus 25 Metern seinen einzigen WM-Treffer.

Am 6. Juni hatten dann die Brasilianer um Careca und Socrates ihre liebe Not, die Nummer 14 der Algerier in den Griff zu bekommen. Zidane zeigte dabei unter anderem ein Solo, dass eines Brasilianers würdig gewesen wäre. Mit dem Ball am Fuss startete er 25 Meter vor dem eigenen Kasten ein Dribbling, das ihn bis 30 Meter vor das gegnerische Gehäuse brachte. Er ließ dabei nicht weniger als drei Gegner aussteigen. Mit nur einem Punkt verabschiedeten sich die Algerier 1986 als Letzter der Gruppe D. Es war zugleich das letzte WM-Spiel der Algerier und Zidanes.

Und heute?
In der Zwischenzeit hat Algerien seinem großen Helden gehuldigt. Seit Januar 2006 trägt eine Fussballschule in El-Hachour seinen Namen, in der heranwachsende Nachwuchsspieler ausgebildet werden, um künftig einmal in die Fußstapfen ihres namhaften Vorgängers zu treten.

"Unser Ziel ist die Ausbildung und Schulung der Nachwuchsspieler in einer geeigneten Atmosphäre. Sie basiert auf methodischer Arbeit, in der alle Trainingsmethoden zur Ausbildung eines vollwertigen Spielers aufeinander abgestimmt werden", bekräftigte der technische Direktor Farid Bahbouh. "...um Spieler vom Kaliber eines Zidane hervorzubringen", fügte Verbandspräsident Youssef Lahlouh abschließend hinzu.

Zahlen und Fakten
Position:
Stürmer
Vereine: USM Algier (1967-76), AS Corbeil-Essonnes (Frankreich, 1976-77), KFC Eeklo (Belgien, 1977-78), Saint-Niklase SK (Belgien, 1978-80), KV Courtrai (Belgien, 1980-84), KSV Waterschei (Belgien, 1984-87), AC Paizay-le-Sec (Frankreich, 1987-90)
Nationalmannschaft: 15 Länderspiele