Das mit Spannung erwartete WM-Qualifikationsspiel zwischen den beiden koreanischen Mannschaften am Mittwoch ist das insgesamt 13. Aufeinandertreffen dieser Teams. Die Republik Korea geht dabei mit der besseren Bilanz in die Begegnung: sechs zu zwei nach Siegen heißt es für die Republik Korea insgesamt, und betrachtet man nur die WM-Qualifikation, sieht es sogar noch besser aus. 1:0 und 3:0 lautete der Endstand in der Qualifikation für Italien 1990 bzw. USA 1994.
Nun, da sich die beiden Nachbarn erneut gegenüberstehen, wirft FIFA.com noch einmal einen Blick zurück auf den Oktober 1989 und den ersten koreanischen "Nord-Süd-Gipfel" in der WM-Qualifikation.
Das Geschehen
16. Oktober 1989, Nationalstadion Singapur
Korea Republik - Korea DVR 1:0
Torschütze: Hwang, 18. Min.
Korea Republik: Kim Poong-Joo, Park Kyung-Hoon,
Choi Kang-Hee, Yoon Deok-Yeo, Jung Yong-Hwan, Gu Sang-Bum, Kim
Sang-Ho (Lee Young-Jin 71.), Kim Joo-Sung, Hwangbo Kwan (Byun
Byung-Joo 62.), Choi Soon-Ho, Hwang Sun-Hong
Korea DVR: Kim Chi-Won, Jong Yong-Man, Kim
Gwang-Min, Bang Gwang-Chol, Jon Man-Ho, Yun Jong-Su, Tak Yong-Bin,
Kim Pung-Il (77. Kim Yong-Nam), Han Hyong-Il, Ju Kyong-Shik, Ri
Yong-Jin (Ri Hyok-Chon 59.)
Die Kulisse
Beide Mannschaften hatten ihre Gruppe in der ersten
Qualifikationsrunde als Sieger beendet und so die entscheidende
Gruppenphase erreicht, in der sechs Mannschaften um zwei Plätze für
Italien 1990 kämpften. Dort verlief für die Koreaner allerdings
zunächst gar nichts nach Plan, denn die DVR Korea kam gegen die
Vereinigten Arabischen Emirate im ersten Spiel nicht über ein 0:0
hinaus und der Nachbar aus dem Süden machte dies in seinem Spiel
gegen Katar gleich einmal nach. Im direkten Aufeinandertreffen
brauchten beide also schon dringend die Punkte.
Aber natürlich ging es in diesem Spiel um mehr als nur Punkte. Es war auch ein Duell des Stolzes in einem "Derby" der besonderen Art.
Die Handlung
Die Republik Korea war von Anfang an die aktivere
Mannschaft und der Führungstreffer fiel entsprechend schon nach 18
Minuten, als Hwang zwischen zwei Verteidigern hochstieg und die
Flanke von Gu Sang-Bum per Kopf ins Tor wuchtete. Torhüter Kim
Chi-Won wollte den Ball noch wegfausten, aber Hwang war eher am
Ball und köpfte ins linke Eck ein.
Kim konnte seinen Fehler jedoch in der 26. Minute wieder gut machen, als er gegen den frei auf ihn zulaufenden Flügelflitzer Kim Joo-Sung rettete. Torschütze Hwang vergab fünf Minuten vor dem Seitenwechsel gleich zwei Riesenchancen, auf 2:0 zu erhöhen. Choi Soon-Ho und Kim Joo-Sung hatten jeweils hervorragend aufgelegt.
Nach der Pause spielten die Nordkoreaner wild entschlossen nach vorn und die Südkoreaner verlegten sich im gleichen Maße auf das Verwalten des knappen Vorsprungs. Ju Kyong-Shik und Han Hyong-Il versuchten es nach gut einer Stunde aus der zweiten Reihe. Auf der anderen Seite rettete Kim Poong-Joo brillant vor Yun Jong-Su.
Zwar kam die Republik Korea im zweiten Durchgang praktisch kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus, aber sie schaukelte den historischen Sieg über die Zeit, so dass die Zeitung "Donga Ilbo" schreiben konnte, die Mannschaft habe nun "grünes Licht bis Rom." Das Blatt "Hankook Ilbo" pries Hwang als Schützen des "goldenen Siegtors".
Der Star
Hwang Sun-Hong war mit 21 Jahren damals der jüngste
Spieler im Kader Südkoreas. Von den Fans wegen seiner langen Beine
und der eleganten Spielweise liebevoll
Hwangsae (Storch) genannt, wurde der Stürmer nach seinem
Siegtor über Nacht zum Nationalhelden. Von den 25 Toren der
Republik Korea in der ersten Runde zeichnete er sich für ein
Fünftel verantwortlich und wurde so zum kongenialen Partner für den
Routinier Choi Soon-Ho im Sturm.
Die Reaktionen
"Die Spieler haben sich viel besser verkauft,
als ich gedacht hätte. Besonders Choi Soon-Ho, Kim Poong-Joo und Gu
Sang-Bum waren einfach unglaublich. Wir waren unserem Gegner in der
zweiten Hälfte körperlich unterlegen. Daran gilt es mit Blick auf
die kommenden Spiele zu arbeiten. Die Nordkoreaner haben auch gut
gespielt, aber wir hatten doch die bessere Spielanlage. Außerdem
hatten wir auch das nötige Quäntchen Glück."
Lee Hoe-Taik, Trainer Korea Republik
"Der Grund für unsere heutige Niederlage ist in unserer
mangelnden internationalen Erfahrung zu suchen. Wir haben unsere
Chancen einfach nicht verwertet und der südkoreanische Torhüter hat
überragend gehalten. Wir werden in den verbleibenden Spielen unser
Bestes geben und so hoffentlich die Endrunde erreichen."
Pak Du-Ik, Trainer Korea DVR
Was geschah danach?
Die Republik Korea schlug die VR China und Saudiarabien und
spielte unentschieden gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Die
DVR Korea zeigte eine positive Reaktion und gewann ihr nächstes
Spiel gegen Katar, wurde aber nach anschließenden Niederlagen gegen
die VR China und Saudiarabien schließlich Letzter in der Gruppe.
Auch die Südkoreaner konnten den Schwung aus der Qualifikation
letztlich nicht mitnehmen und verloren bei der WM in Italien alle
drei Gruppenspiele gegen Belgien, Spanien und Uruguay. Den einzigen
WM-Treffer für die Mannschaft erzielte Hwangbo Kwan gegen
Spanien.