Am kommenden Sonntag (14. März, 15:30 Uhr) findet das 292. Meisterschafts-Derby zwischen Rapid Wien und Austria Wien statt. Grund genug für FIFA.com, einen genaueren Blick auf das Duell der beiden Hauptstadt-Rivalen zu werfen.
Bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand der Name "Wiener Derby", der das Aufeinandertreffen der beiden Klubs aus der 1,7 Millionen-Einwohner-Metropole bezeichnet.
Der Beginn
Die Rivalität zwischen den beiden Vereinen rührt noch aus deren Gründungszeit. Während Rapid 1898 als Arbeiter-Klub ins Leben gerufen wurde, galt die Austria seit jeher als bürgerlicher Verein, der bei seiner Gründung sogar einen Intelligenz-Paragraphen in den Statuten verankert hatte.
Hietzing, ein Wiener Gemeindebezirk, war die Heimat der zwei Klubs, so dass bereits früh in der Geschichte der Duelle Emotionen hoch kochten und die Leidenschaft im Vordergrund stand, wenn es zur Partie zwischen Rapid und Austria kam. Während Rapid jedoch von Beginn an um die Meisterschaft in Österreich mitspielte, musste sich Austria Wien bis Mitte der 20er Jahre gedulden, ehe der erste Titel geholt wurde.
Doch von der ersten Begegnung an, die am 8. September 1911 mit 4:1 für Rapid endete, war klar, dass es zwischen den beiden Klubs um mehr geht, als Punkte im Kampf um den nationalen Titel.
Zahlen und Fakten
Insgesamt fand das Derby zwischen den beiden Wiener Traditionsklubs bereits rund 400 Mal statt. Fast 300 Spiele stiegen dabei im Rahmen eines Wettbewerbs (Meisterschaft, Pokal und Supercup). Knapp im Vorteil sind bisher die Grünen, die die Mehrzahl der Duelle gegen die Austria für sich entscheiden konnten.
Die längste Siegesserie gelang ebenfalls Rapid. Zwischen 1911 und 1917 gewann der Verein elf Meisterschaftsspiele gegen die Violetten in Folge. Die längste Serie der Grünen ohne Niederlage war vom 25. Mai 1996 bis zum 9. Mai 2000. In insgesamt 17 Begegnungen verließ Rapid nie den Platz als Verlierer. Auch die Austria blieb schon einmal 17 Partien in Folge ohne Niederlage (12. August 2001 bis 6. August 2005).
Das Wiener Derby war immer wieder für wahre Tor-Festivals gut. Den höchsten Erfolg in der frühen Phase des Duells zwischen den Vereinen feierte Rapid 1916, als man mit 9:0 gegen den Stadt-Rivalen die Oberhand behielt. In der Spielzeit 1929/30 siegte Austria mit 8:4. Zehn Jahre später endete eine Begegnung 9:2 für Rapid. 1942/43 hieß es nach 90 Meisterschafts-Minuten 10:1 für Rapid, und im torreichsten Spiel nach 1930 rangen die Grünen die Violetten mit 7:5 nieder (1950/51).
Seit der Spielzeit 1968/69 trafen die Rivalen in 150 Pflichtspielen aufeinander. Austria konnte davon 56 Begegnungen für sich entscheiden, während Rapid 45 Mal erfolgreich war. 49 Partien zwischen den Klubs endeten unentschieden.
Anekdoten und Sprüche
Die oft hitzig geführten Duelle zwischen den Grünen und den Violetten zogen zwangsläufig auch den einen oder anderen Platzverweis nach sich. Und auch besonders faire Spieler wie Austrias Legende Matthias Sindelar oder Franz Bimbo Binder von Rapid Wien blieben davon nicht verschont.
Sindelar, der bis heute als einer der besten Fussballer Österreichs gilt, musste nach einer Ohrfeige gegen Rapids Johan Luef das erste und einzige Mal in seiner Karriere frühzeitig den Platz verlassen. Ebenfalls seine einzige Rote Karte kassierte Binder in einem Derby. Kurios: In diesem Spiel musste der Schiedsrichter die Begegnung beim Stand von 5:0 für Austria Wien abbrechen, da die Grünen nur noch fünf Feldspieler zur Verfügung hatten.
Die Gegenwart
In der aktuellen Saison liegt der Vorteil auf Seiten von Rapid Wien. Am sechsten Spieltag holte der aktuell Tabellenzweite auswärts ein 1:1-Unentschieden, während man das Heimspiel im November vergangenen Jahres mit 4:1 für sich entscheiden konnte.
In der Tabelle rangieren beide Wiener Klubs punktgleich hinter Spitzenreiter RB Salzburg und kämpfen verbissen um den Anschluss an den Tabellenführer. Im Nacken sitzt den Vereinen jedoch mit nur einem Zähler Rückstand Sturm Graz, so dass die Wiener Rivalen auch die Konkurrenz im Auge behalten müssen.
Am kommenden Sonntag kommt es dann erneut zum Aufeinandertreffen zwischen den beiden Rivalen. Im Gerhard-Hanappi-Stadion werden 17.500 Fans in der ausverkauften Heimspiel-Stätte Rapids mitfiebern, wenn es darum geht, an den Roten Bullen dranzubleiben und vor allem die Ehre des eigenen Klubs zu verteidigen.
