Während die Fans des FC Barcelona dem Clásico gegen den Erzrivalen Real Madrid eine größere Bedeutung beimessen, gilt für die Anhänger von Espanyol Barcelona das katalanische Derby als wichtigstes Spiel des Jahres. Wie bei allen anderen Derbys definiert sich auch in diesem jeder Klub anhand der Unterschiede zu seinem Lokalrivalen.

So gesehen sorgte der Hintergrund des Derbys von Barcelona bei beiden Vereinen von Anfang an für ein besonderes Gefühl. Beide Klubs wurden von einer Gruppe von sportbegeisterten Freunden gegründet. Im Fall von Barça war es der Schweizer Hans Gamper, der den Verein im Jahre 1899 gemeinsam mit einigen Freuden ins Leben rief, die mehrheitlich ebenfalls aus dem Ausland stammten.

Espanyol hingegen ging 1900 aus der Versammlung einer Gruppe von Spaniern (mehrheitlich Katalanen) hervor, was für die Namensgebung des Klubs von entscheidender Bedeutung sein sollte. Kurioserweise sind es heute die Blau-Roten, die die katalanische Identität für sich beanspruchen, während die Weiß-Blauen dieses Empfinden ablegten.

Doch abgesehen vom politischen und kulturellen Kontext interessieren uns an dieser Geschichte lediglich die Erfolge auf dem Platz, die die beiden renommiertesten Klubs Barcelonas in den vergangenen 100 Jahren verzeichnen konnten.

Der Beginn
Am kommenden Samstag findet im Camp Nou die 151. Auflage des katalanischen Derbys in der Primera División statt. Das erste Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Teams aus der katalanischen Hauptstadt in diesem Wettbewerb fand am 7. April 1929 im damaligen Stadion des FC Barcelona, dem Estadio de Les Corts, statt. Damals gingen die Gastgeber dank eines Treffers von Sastre als 1:0-Sieger vom Platz. Nachdem sich in dieser ersten Spielzeit der FC Barcelona den Meistertitel sicherte und Espanyol die Copa del Rey gewann, wurde die Kluft zwischen den beiden Rivalen ab diesem Zeitpunkt immer größer.

Zahlen und Fakten
Barça entwickelte sich immer mehr zu einem der bedeutendsten und renommiertesten Klubs der Welt, während sich Espanyol bis heute mit vier Pokalsiegen und zwei Teilnahmen am Finale des UEFA-Pokals zufrieden geben muss. Der FC Barcelona hingegen hat unter anderem 25 Pokalsiege, 19 Meistertitel, acht spanische Supercup-Siege, drei Siege im Pokal der Landesmeister bzw. in der UEFA Champions League und vier Siege im Pokal der Pokalsieger zu Buche stehen.

Auch im direkten Duell hat der FC Barcelona die Nase klar vorn: Der aktuelle Champions-League-Sieger feierte als Gastgeber gegen die Periquitos (Wellensittiche) 57 Siege und spielte neun Mal unentschieden. Die Statistik der Gäste fällt hingegen wesentlich bescheidener aus, auch wenn es ihnen gelungen ist, dem Stadtrivalen das eine oder andere Mal ein Bein zu stellen.

So geschah es auch im Juni 2007, als ein Tor von Espanyols Rekordspieler Raúl Tamudo in der letzten Spielminute dem Außenseiter ein 2:2-Unentschieden bescherte, womit der FC Barcelona praktisch aus dem Titelrennen war und die Meisterschaft ausgerechnet dem Erzrivalen Real Madrid überlassen musste.

Anekdoten und Sprüche
Bei beiden Klubs sitzt zurzeit ein ehemaliger Spieler auf der Trainerbank. Josep Guardiola war bereits im Alter von 20 Jahren der Schlüsseslpieler im Dream Team von Johan Cruyff, ehe er im Vorjahr selbst den Trainerposten übernahm und diese großartige Mannschaft noch weiter entwickelte. Kurioserweise war der Großvater von Pep, Sebastià, ein begeisterter Anhänger von Espanyol Barcelona, doch als er ihn nicht für seinen Klub begeistern konnte, wechselte er aus Liebe zu seinem Enkel die Seiten.

Der aktuelle Trainer von Espanyol heißt Mauricio Pochettino. Dieser begann seine Karriere bei den Newell's Old Boys, ehe er 1994 bei Espanyol unterschrieb. Nach sechs Spielzeiten versuchte er sein Glück in Frankreich, doch 2004 kehrte er wieder zurück, um dem Verein zwei weitere Jahre zu dienen, wodurch er mit 275 Einsätzen der ausländische Rekordspieler dieses Klubs wurde. In der vergangenen Saison, als sich der Verein in akuter Abstiegsgefahr befand, verpflichtete der Vorstand erneut den Argentinier – diesmal als Trainer –, der Espanyol schließlich noch auf Platz zehn der Tabelle führen sollte.

In der Geschichte fast aller Rivalitäten gibt es auch so genannte "verlorene Söhne". Zuletzt war dies Iván de la Peña, ein vielversprechender Youngster, der Mitte der 1990er Jahre unter Cruyff aus den Reihen von Barça hervorgegangen war. Doch seine Entwicklung nahm nicht den erwarteten Verlauf, weshalb er nach Gastspielen bei Lazio Rom und Olympique Marseille zu Espanyol Barcelona wechselte, wo er seine beste Zeit verbrachte und auch erstmals in die spanische Nationalmannschaft berufen wurde. Der vom Verletzungspech geplagte Mittelfeldstratege wird jedoch auch am kommenden Samstag aufgrund einer Verletzung nicht mit dabei sein.

Die Gegenwart
Die Unterschiede zwischen diesen beiden Klubs werden wohl auch am kommenden Samstag klar zu erkennen sein. Der FC Barcelona geht mit fünf Punkten Vorsprung auf Real Madrid (wenn auch mit einem Spiel mehr) als klarer Tabellenführer in dieses Duell, während Espanyol weiterhin mit Problemen zu kämpfen hat und im Moment nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz liegt.

Trotz dieser Ausgangslage darf man nicht vergessen, dass Espanyol bei seinen letzten fünf Auftritten im Camp Nou nur ein Spiel verloren hat. Im bis dato letzten Aufeinandertreffen im Februar 2009 besiegte das damalige Schlusslicht den damaligen Tabellenführer dank zweier Treffer von Iván de la Peña mit 2:1. Für Espanyol war es der erste Auswärtssieg gegen den Stadtrivalen seit 27 Jahren. Ob ihnen das auch diesmal gelingt? Sollte das Team die Überraschung schaffen, würden die Spieler diesen Sieg dem jungen Espanyol-Kapitän Dani Jarque widmen, der während eines Trainingslagers seiner Mannschaft im August plötzlich verstarb.