Ob Galatasaray, Beşiktaş oder Fenerbahçe – wenn zwei dieser drei türkischen Top-Klubs aus Istanbul aufeinandertreffen, dann ist Spannung und ein hart umkämpftes Match garantiert. "Die Leute in der Türkei leben durch ihre Emotionen. Sie geben nie auf, ihre Lieblingsmannschaft zu unterstützen", beschrieb vor einigen Monaten Türkeis Jungstar Arda Turan im exklusiven FIFA.com-Interview die Stimmung in seinem Heimatland.

Der Beginn
Das Istanbuler Stadtduell am Samstag zwischen Fenerbahçe und Beşiktaş ist nicht nur daher ein ganz besonderes Fussballspiel. Die beiden Clubs sind Vertreter zweier Erdteile - die Rivalen stammen aus Asien und Europa. Kein Wunder also, dass das Kräftemessen die Millionenmetropole am Bosporus elektrisiert.

Der Bosporus verbindet die Kontinente Europa und Asien, aber er trennt auch durchaus die Fussballfans – zumindestens in den 90 Minuten des Duells. Der 1903 gegründete Beşiktaş Jimnastik Kulübü, aus dem gleichnamigen Arbeiterstadtteil am europäischen Ufer der Meerenge, ist der älteste Verein. Zwei Jahre später wurde erst Galatasaray, mitten im europäischen Herzen der Stadt und 1907 Fenerbahçe im asiatischen Teil aus der Taufe gehoben.  Die über 100-jährige Rivalität zwischen den Klubs ist allerdings nicht nur geographisch bedingt.

Zahlen und Fakten
Obwohl Fenerbahçe gemeinsam mit Galatasaray (beide 17 Meistertitel) als Rekordmeister am Bosporus gilt, kann Beşiktaş (13 Meisterschaften) immerhin in Sachen Pokalsiege punkten. Acht Triumphe stehen vieren von Fener gegenüber. Im direkten Duell in der Liga warten die Schwarz-Weißen allerdings seit mehr als vier Jahren auf einen Erfolg. Letztmals ging man im April 2005 als Sieger vom Platz. Seitdem setzte es in acht Spielen sechs Niederlagen und zwei Unentschieden. Sogar in der letzten Saison, in der man beide Titel (Pokal und Meisterschaft) holen konnte, gab es gegen Fenerbahçe, auswärts wie daheim, eine 1:2-Niederlage.  Auch in der Spielzeit davor mussten sich die Schwarzen Adler zweimal mit demselben Ergebnis geschlagen geben.

Blickt man in die Bilanz der vergangenen zehn Jahre, so hat Fener mehr als die Hälfte davon gewonnen (elf) und sechs Niederlagen kassiert. Interessanter Randaspekt: Sieben Dreier holte man auswärts.  

Die Gegenwart
Wenn sich also Beşiktaş und Fenerbahçe gegenüberstehen, so ist es das Duell des ältesten gegen den jüngsten Verein der "Großen Drei" aus Istanbul. Und die Atmosphäre könnte angesichts der jüngsten Vergangenheit nicht knisternder sein, was vor allem an den beiden letzten Duellen liegt.  

Im Mai 2009 holte sich Beşiktaş mit 4:2 im Finale gegen Fener den Pokalsieg und feierte damit nicht nur das türkische Double, sondern verlängerte auch die seit 1983 andauernde Titel-Durststrecke des Kontrahenten im Cup-Wettbewerb. "Es ist großartig, dass wir das Double eingefahren haben. Ich bin sehr glücklich. In meinem Inneren fühlt es sich an wie ein Vulkan", jubelte Trainer Mustafa Denizli, der mit diesem Triumph gleich doppelt Geschichte geschrieben, denn er ist nicht nur der erste türkische Trainer, der Beşiktaş zur Meisterschaft geführt hat, sondern auch der erste Coach überhaupt, der mit allen drei Istanbuler Großklubs die Süper Lig gewinnen konnte.

Nur wenige Monate später konnten die Kanarienvögel die Schwarzen Adler wieder überflügeln, als man im türkischen Supercup mit 2:0 triumphierte – wie übrigens auch 2007 (Endstand: 2:1).

Eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte wird es auch für Fener-Coach Christoph Daum. Von 1993 bis 1996 trainierte der 56-Jährige den Stadtrivalen und holte 1994 den Pokalsieg und 1995 die türkische Meisterschaft.  "Beşiktaş spielt einen guten Fussball. Ich rede dabei nicht nur von den Ergebnissen. Wenn man sich deren Fußball anguckt, sieht man, dass sie sich sehr organisieren", ist der Deutsche von den Leistungen des Rivalen durchaus angetan.

Egal, wer an diesem Spieltag als Sieger vom Platz geht, eines kann wohl mit ziemlicher Gewissheit behauptet werden: An diesen beiden Istanbuler Klubs geht in Sachen Meisterschaft auch in diesem Jahr kein Weg dran vorbei…