Am Samstag, 31. Oktober, kommt es zu einer Neuauflage des chilenischen Klassikers zwischen Universidad de Chile und Universidad Católica. Das berühmte Derby hat für einige bereits eine hundertjährige Tradition. Nachfolgend erzählt FIFA.com die Geschichte dieses ganz besonderen Duells zweier Mannschaften, denen es beiden um die Ehre einer Universität geht.

Der Beginn
Die Rivalität der beiden Klubs reicht bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts zurück und begann damit noch vor der Gründung der Vereine, wie man sie heute kennt. Vor der Gründung beider Klubs gab es nämlich an den entsprechenden Universitäten bereits Auswahlmannschaften, aus denen sie dann schließlich hervorgegangen sind. Der Club Deportivo Universidad de Chile wurde am 24. Mai 1927 unter dem Namen Club Deportivo Universitario gegründet und war ein Zusammenschluss dreier kleinerer Vereine, die unterschiedliche Hochschulinstitutionen repräsentierten.

1937 erhielten die Azules, oder einfach auch La U, dann den aktuellen Vereinsnamen. Die Studenten der Universidad Católica, die vorher dem Club Universitario angehört hatten, hatten sich entschlossen, einen eigenen Profiverein zu gründen, den es bis dato zumindest im Bereich Fussball noch nicht gab. Am 21. April desselben Jahres verwirklichten die Mitglieder der Amateurorganisation Universidad Católica Football Club sich damit einen Traum, den sie bereits seit 1908 geträumt hatten. Der Klub hat heute aufgrund der Trikotgestaltung auch die Beinamen Franjeados oder Cruzados.

Einige Puristen siedeln die Ursprünge des Klassikers bereits vor der Gründung der heutigen Vereine an und geben als erstes Duell eine Begegnung der beiden Universitätsmannschaften vom 1. November 1909 an, die mit einem 3:3 endete. Wenn man von diesem Datum ausgeht, feiert das Derby am nächsten Samstag sein hundertjähriges Bestehen. Die erste offizielle Begegnung gab es jedoch erst am 13. Juni 1937. Damals setzte sich Univerdidad de Chile in einem Zweitligaspiel mit 2:1 durch.

Zahlen und Fakten
In der ersten Liga trafen Azules und Cruzados insgesamt 164 Mal aufeinander. Universidad de Chile konnte 64 Siege für sich verbuchen (241 Tore), Universidad Católica hat eine Bilanz von 44 Siegen vorzuweisen (208 Tore) und 56 Partien endeten mit einem Remis. Erfolgreichster Torschütze ist Carlos Campos (14 Treffer im Trikot von La U), die meisten Derby-Einsatze kann hingegen Mario Lepe von Universidad Católica für sich verbuchen (35).

Das höchste Ergebnis der Geschichte war ein 5:0-Sieg von Universidad Católica in der Meisterschaft von 1954. Die längste Positivserie steht allerdings wiederum für La U zu Buche. Der Klub brachte es im Zeitraum von 1971 bis 1984 auf sage und schreibe 21 Partien ohne Niederlage.

Die Rivalität der beiden Teams kommt auch durch ihre Position in der ewigen Tabelle des chilenischen Fussballs zum Ausdruck: Universidad de Chile rangiert mit 13 Titelgewinnen auf Rang zwei, Universidad Católica mit 9 Titeln gleich dahinter auf dem dritten Platz. Trotzdem konnten die Franjeados neun der insgesamt elf Endspiele gegen den Erzrivalen für sich entscheiden. Außerdem können sie mit dem Gewinn der Copa Interamericana im Jahre 1994 einen internationalen Titel für sich verbuchen und standen bereits ein Mal im Finale der Copa Libertadores - Erfolge, die Universidad de Chile bisher verwehrt geblieben sind.

Anekdoten und Sprüche
Die Azules konnten auch das erste Duell in der Primera División für sich entscheiden: 1939 erreichten sie ein 2:1. Bis 1955, dem Jahr, in dem Universidad de Chile den ersten Abstieg hinnehmen musste, war die Bilanz beider Teams ausgeglichen (je 15 Siege). In den 60er-Jahren steigerte sich die Rivalität dann noch einmal. 1961 setzte sich Universidad Católica im Kampf um die Meisterschaft durch, 1962 konnte Universidad de Chile die Lorbeeren einheimsen. Erst in den 70er- und Anfang der 80er-Jahre konnte Universidad de Chile sich in der Statistik einen Vorsprung verschaffen. Damals kam es auch zu der beeindruckenden Positivserie von 21 Spielen ohne Niederlage.

Ein Klassiker, an den sich die Fans der Cruzados noch immer gern erinnern, ist die Partie vom August 1994. Die beiden Teams kämpften um die Tabellenführung, als sie in der ersten Runde der Landesmeisterschaft aufeinandertrafen. Obwohl Católica während der gesamten zweiten Halbzeit zwei Spieler weniger auf dem Feld hatte, setzte der Klub sich durch einen Treffer des Argentiniers Sergio Vásquez am Ende mit 1:0 durch. Im Rückspiel gewann dann allerdings Universidad de Chile mit 1:0. Torschütze war Marcelo Salas. In jenem Jahr holten die Azules dann auch die Meisterkrone, mit einem Punkt Vorsprung vor Universidad Católica.

Im Oktober 2002 gab es ein weiteres denkwürdiges Derby. Beim Spielstand von 1:1 entschied Schiedsrichter Carlos Chandía auf Strafstoß für Universidad de Chile. Der Torhüter von Universidad Católica lag bewusstlos am Boden und die Mannschaft durfte nicht mehr wechseln. Daher nahm der Abwehrspieler Cristián Álvarez seinen Platz ein. "Wirf dich nach links", riet man ihm. Der Not-Torwart tat genau das und hielt den von Pedro González ausgeführten Elfmeter. "Darum wurde zu viel Wirbel gemacht. Im Nachhinein fand ich die ganze Situation eher witzig, an dem Tag habe ich allerdings nach einer Erklärung gesucht", erinnert sich der Schütze. Das Duell endete mit einem Remis.

2005 war dann ein hervorragendes Jahr für die Cruzados. Zunächst einmal warf die Católica den Erzrivalen aus der Copa Sudamericana. Später entschied man die Clausura-Meisterschaft für sich, wo man sich im Finale  nach Elfmeterschießen gegen den Erzrivalen durchsetzte. Das war bis dato die letzte Meisterkrone, die Universidad Católica erringen konnte.

Auch der letzte Klassiker, der im Mai dieses Jahres ausgetragen wurde, bot genügend Gesprächsstoff: Da Universidad de Chile im Achtelfinale der Copa Libertadores stand, entschloss sich Trainer Sergio Markarian eine Alternativmannschaft aufs Feld zu schicken, obwohl er dafür von den eigenen Anhängern scharf kritisiert wurde. Die Kritiker sollten jedoch schnell verstummen, denn die Azules setzten sich trotzdem mit 1:0 durch und feierten zwei Monate später ihren 13. Titel. 

Die Gegenwart
Zwei Spieltage vor Schluss führt Universidad Católica die Qualifikationsphase des Clausura-Turniers an. Die Teilnahme an der Playoff-Runde, die von den acht besten Teams bestritten wird, steht bereits fest. Universidad de Chile steht hingegen auf Platz zehn und wäre nach augenblicklichem Stand der Dinge aufgrund der schlechteren Tordifferenz nicht in der Playoff-Runde. Um sich die Chancen auf den Einzug in die entscheidende Runde zu sichern, muss daher unbedingt ein Sieg her.