Zweimal im Jahr findet in Prag das älteste und somit auch emotionsreichste Derby im tschechischen Fussball statt. Wenn Slavia und Sparta Prag am kommenden Samstag den grünen Rasen betreten, ist nicht nur das Stadion aufgeteilt in Anhänger Slavias und Spartas - die gesamte Hauptstadt der Tschechischen Republik fiebert dem Klassiker entgegen und spaltet sich entzwei.

FIFA.com blickt genauer auf die Geschichte des Duells zwischen den beiden ältesten und erfolgreichsten Klubs Prags.

Der Beginn
Seit mehr als 116 Jahren besteht zwischen den beiden Vereinen eine große Rivalität, die jedes Jahr zweimal beim Derby zur Geltung kommt. 1892 wurde Slavia gegründet. Seitdem gilt das Team als bürgerlicher Klub der Intellektuellen.

Im Gegensatz dazu steht Sparta Prag, das ein Jahr später aus der Taufe gehoben wurde. Der zwölffache tschechische Meister ist der Arbeiterverein der Stadt und kann auf eine erfolgreichere Vergangenheit blicken als Konkurrent Slavia. Auch deshalb galt der Erzrivale unter den Experten der Tschechischen Republik lange als der ewige Zweite.

Langsam aber sicher tritt Slavia jedoch aus dem Schatten von Sparta heraus und konnte zumindest in den vergangenen beiden Spielzeiten den Nachbarn hinter sich lassen und zweimal die Meisterschaft gewinnen.

Zahlen und Fakten
Zum 270. Mal treffen die beiden Klubs am kommenden Samstag aufeinander. Die letzte Partie zwischen Slavia und Sparta fand im April diesen Jahres statt, als das Heimteam erstmals in die damalige neue Arena "Eden" (Synot Tip Aréna seit 1. April 2009) zum Derby lud. Das 1:1 war auf dem Weg zur zweiten Meisterschaft in Folge von Slavia eine Vorentscheidung.

Die letzte Niederlage Slavias liegt bereits mehr als zwei Jahre zurück, als man auswärts 0:1 unterlag. Die letzte Schlappe vor eigenem Publikum datiert vom 14. März 2004. Damals setzte sich Sparta mit 2:0 durch.

Die Bilanz der vergangenen zwölf Begegnungen liest sich relativ ausgeglichen. Dreimal gewann Slavia, während Sparta viermal die Oberhand behielt. Fünf Unentschieden führten in den letzten sechs Jahren zu Punkteteilungen.

Der Top-Scorer im Prager Derby ist übrigens ein gebürtiger Österreicher. Josef Pepi Bican erzielte in 37 Partien 35 Tore.   

Anekdoten und Sprüche
"Während der gesamten Saison wird der Fokus auf das Derby gelegt. Schon Wochen zuvor wird in den Medien über nichts anderes berichtet. Die Spieler bereiten sich gezielt auf das Spiel vor, und die Atmosphäre ist wirklich beeindruckend."
Horst Siegl (Sparta Prag, 1987-2000)

"Man kann auf beiden Seiten in den Wochen vor dem Match spüren, dass die Anspannung größer wird. Der Siegeswille auf Seiten Spartas ist dabei viel größer als auf Seiten Slavias."
Pavel Horvárth (Sparta Prag, 1991-93 und 2006; Slavia Prag 1997-2000)

Die Gegenwart
FK Jablonec führt nach neun Spieltagen überraschenderweise die Gambrinus Liga in der Tschechischen Republik an. Pokalsieger FK Teplice folgt mit einem Punkt Abstand auf Position zwei, ehe die zwei Prager Traditionsklubs auf den Plätzen drei und vier folgen.

Der amtierende Meister Slavia Prag hat 16 Punkte auf dem Konto und musste die bislang einzige Saison-Niederlage am 2. August in der Auswärtspartie gegen den 1. FC Brno hinnehmen, als man mit 0:2 das Nachsehen hatte.

Noch ungeschlagen ist hingegen Sparta Prag. Jedoch konnte das Team auch nur drei seiner neun Begegnungen gewinnen und teilte sich sechsmal die Punkte mit dem Gegner.