Die Bezeichnung De Klassieker war früher in den Niederlanden einzig und allein den Duellen zwischen Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam, den Topklubs aus den beiden größten Städten des Landes, vorbehalten. Das war bereits seit dem Jahr 1921 so, als die Mannschaften der beiden Traditionsvereine zum ersten Mal aufeinander trafen.
Damals lag die Gründung des PSV Eindhoven gerade einmal acht Jahre zurück. Danach sollte es noch bis zur Einführung der Eredivisie im Jahre 1956 dauern, bis man auch in Eindhoven zahlreiche Erfolge feiern konnte und der PSV nicht nur zum dritten Topklub des Landes aufstieg, sondern auch zu einem ernsthaften Konkurrenten von Ajax Amsterdam wurde.
Während die alte Garde eingefleischter Ajax-Fans ihre gesamte Antipathie gegen den Erzrivalen Feyenoord Rotterdam richtet, ist die Verachtung der jüngeren Fans für den PSV Eindhoven mindestens ebenso groß. Die Rivalität zwischen den beiden erfolgreichen Klubs mit den unterschiedlichen Spielauffassungen- und Kulturen ist mittlerweile regelrecht zementiert, und entsprechend sind die Begegnungen zwischen den beiden Mannschaften längst zum echten Klassieker geworden.
Der Beginn
Im Jahre 1931 gewann Ajax das Finale der nach dem damaligen Modus ausgetragenen niederländischen Meisterschaft gegen die Philips-Werkmannschaft. Zwei Jahre zuvor hatte PSV seinen ersten Meistertitel geholt. Damit nahm die Rivalität zwischen den Boeren (Bauern) aus dem Brabant und den Ballkünstlern aus dem mondänen Amsterdam, der wirtschaftlichen und kulturellen Metropole des Königreiches, seinen Lauf.
Im Jahre 1965 brachte der Wechsel des Torhüters Gert Bals vom PSV zu Ajax zusätzlich Brisanz in die Rivalität zwischen beiden Klubs, die zehn Jahre später mit dem Gewinn der Meisterschaft durch den PSV ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Von nun an galt PSV Eindhoven als größter Konkurrent des erfolgsverwöhnten Klubs aus Amsterdam, der vor allem für seine Spielkultur vom "totalen" Fussball bekannt war. Der Erfolg des PSV beruhte dagegen mehr auf dem Fleiß der gesamten Mannschaft, was der Auffassung vom traditionell attraktiven Spiel à la Niederlande diametral entgegenstand. Es trafen also zwei gegensätzliche Spielkulturen aufeinander, was den Grundstein für eine erbitterte Rivalität legte, die bis heute nichts an Schärfe verloren hat.
Zahlen und Fakten
Seit der Einführung der Eredivisie im Jahre 1956 standen sich beide Mannschaften insgesamt 106 Mal gegenüber: 46 Mal behielt der PSV die Oberhand, 40 Mal ging Ajax als Sieger vom Platz. Die restlichen 20 Spiele endeten remis. Dabei landete Ajax zwei 5:0-Kantersiege (1957/58 und 1964/65) sowie im Jahre 2007 einen 5:1-Erfolg im Philips-Stadion von Eindhoven. Für den PSV stehen zwei klare 6:2-Siege (1975/76 und in der vergangenen Saison) zu Buche. Überdies konnte der Werksklub im eigenen Stadion bislang drei Begegnungen (1982/83, 1984/85, 1999/2000) jeweils mit 4:0 für sich entscheiden.
Insgesamt fielen die Ergebnisse der direkten Duelle jedoch meist wesentlich knapper aus. Während man sich in Eindhoven zehn Mal mit einem 1:1-Unentschieden trennte, gewannen die Godenzonen (Söhne der Götter, so der Spitzname der Ajax-Spieler) in Amsterdam sieben Mal mit 1:0. In der vergangenen Saison hatte Ajax seinen Erzrivalen in der Hinrunde vor heimischer Kulisse zwar mit 4:1 vom Platz gefegt, musste dann aber im Rückspiel in Eindhoven eine bittere 2:6-Niederlage hinnehmen. Für Revanchegelüste auf beiden Seiten ist also stets reichlich Platz...
Anekdoten und Sprüche
"Gegen Feyenoord zu gewinnen, ist schon wegen der Ehre eine Pflicht. Wenn wir hingegen den PSV besiegen, dann untermauern wir damit unsere sportliche Vorherrschaft in der Meisterschaft. Verlieren wir dieses Duell, kommt dies einer Demütigung gleich." Das sagte vor zwei Jahren der Platzwart der Amsterdam Arena, als FIFA.com dort ein Exklusiv-Interview mit Klaas-Jan Huntelaar führte! Diese Anekdote beweist, welch große Bedeutung die Ajax-Fangemeinde dem Derby beimisst.
Im Jahr darauf nutzten zwei frühere PSV-Mitglieder die Möglichkeit, die bestehende Rivalität mit Ajax Amsterdam quasi auf ewige Zeiten festzuschreiben. Die Rede ist von Eric Gerets und Boudewijn Zenden, die mit Olympique Marseille zum Rückspiel im Achtelfinale des UEFA-Pokals nach Amsterdam gekommen waren und sich vor dem Spiel wie folgt äußerten: "Ajax war schon immer ein Rivale von PSV" erinnerte sich der belgische Coach, der früher sowohl als Spieler (1985-1992) als auch als Trainer (1999-2002) in Eindhoven aktiv war. "Ich bin hier nicht gerade beliebt, zumal wir damals, als ich zum PSV kam, die Hegemonie von Ajax beenden konnten. Das hat man bei Ajax sicher nicht vergessen. Sympathien für mich wird man daher in Amsterdam kaum haben. Doch das beruht auf Gegenseitigkeit."
"Ich habe acht Jahre für den PSV gespielt. Vier Jahre davon war ich in der Nachwuchsabteilung, die restlichen vier habe ich in der ersten Mannschaft gespielt. Und was die Rivalität mit Ajax angeht, so hat es diese schon immer gegeben", so Boudewijn Zenden alias "Bolo", der von 1994 bis 1998 das Trikot des PSV Eindhoven trug. "Ich will unbedingt gewinnen, allein schon deshalb, weil es gegen Ajax geht!"
Im Juli 2007, als das Gezerre um den Wechsel des Dänen Kenneth Perez von Ajax nach Eindhoven kein Ende nehmen wollte, ließ sich PSV-Sportdirektor Jan Reker angesichts der in seinen Augen viel zu hohen Ablösesumme, die von der Amsterdamer Klubführung gefordert wurde, zu einer etwas seltsamen Bemerkung hinreißen, die inzwischen in die Annalen einging: "Ich bin doch nicht so blöd, als dass ich mich von Ajax an der Nase herumführen lassen würde. Falls sie den Transfer blockieren sollten, könnte ich ein paar Details über ihr Geschäftsgebaren preisgeben, die ihnen bestimmt nicht gefallen dürften."
Die Ältesten unter den Fans der Godenzonen haben sicher noch eine weitere Besonderheit aus der Geschichte dieses Derbys in Erinnerung. Es war in der Saison 1970/71, als ein gewisser Johan Cruyff nach einer Verletzungspause am 30. Oktober 1970 für die Partie gegen PSV Eindhoven in die Mannschaft von Ajax zurückkehrte. Nachdem er zunächst noch auf der Ersatzbank gesessen hatte, wurde Cruyff im Verlauf des Spiels eingewechselt. Das Besondere daran war, dass sein Trikot nicht die von ihm bevorzugte Rückennummer neun hatte - diese war bereits an Gerrie Mühren, dem von Beginn an spielenden Stürmer, vergeben - sondern er stattdessen mit der ungewohnten Rückennummer 14 auflief. Da Ajax das Duell am Ende mit 1:0 für sich entschied, trug Cruyff fortan nur noch die Rückennummer 14, mit der er später zur Legende wurde.
Die Gegenwart
Der jüngste Wechsel des hoffnungsträchtigen Nachwuchstalents Ismaïl Aissati von Ajax zum PSV sorgte bereits vor dem ersten Duell der bevorstehenden Saison noch einmal für zusätzlichen Zündstoff. Die Klingen sind also geschärft. Ajax hat unter seinem neuen Trainer Martin Jol für die kommende Saison nur ein einziges Ziel im Visier: In Amsterdam soll endlich wieder ein Meistertitel gefeiert werden, denn der letzte Titelerfolg datiert aus dem Jahre 2004.
Seit dem Jahre 2000 sicherte sich der PSV sieben Mal die Meisterkrone, davon vier Titel in Folge (2005 bis 2008), wobei der Titelkampf im Jahr 2007 erst am letzten Spieltag und buchstäblich in letzter Minute entschieden wurde. Eine Erfolgsserie, die man in der Amsterdam Arena, wo sich zuletzt eher die Trainerwechsel häuften als die Titel, sicher mit Argwohn beobachtet. Hinzu kommt, dass der Erzrivale aus Eindhoven inzwischen auch auf der europäischen Bühne den Durchbruch geschafft hat. Davon zeugt der Einzug ins Halbfinale der UEFA Champions League im Jahr 2005.
