Die Suwon Bluewings und der FC Seoul mögen keine unmittelbaren Nachbarn mehr sein, doch die beiden Klubs wird auch weiterhin eine starke Rivalität verbinden. FIFA.com wirft einen genaueren Blick auf die Geschichte eines Duells, das eine ganze Nation in ihren Bann zieht.

Der Beginn
Die Rivalität zwischen den Suwon Bluewings und dem FC Seoul, der zuvor Anyang Cheetahs hieß, zeichnete sich bereits 1996 ab. Die kurz zuvor gegründeten Suwon Bluewings traten als neunter Klub der K-League bei, und das Team aus der Hauptstadt wurde im Rahmen einer Neugliederung der Profi-Liga von Seoul in das nahe Anyang verlegt, um die Struktur der höchsten nationalen Spielklasse zu dezentralisieren. Dies war die Geburtsstunde des Jijidae-Derbys, welches einem Hügel, der die Grenze zwischen Anyang und Suwon darstellt, seinen Namen verdankt.

Zu Beginn war die Rivalität zwischen den beiden Klubs nicht besonders ausgeprägt. Dies änderte sich, als der ehemalige Trainerassistent der Suwon Bluewings, Cho Kwang-Rae, zu Beginn der Saison 1999 zum Trainer der Anyang Cheetahs avancierte, und gleichzeitig der ehemalige Torjäger der Cheetahs, Seo Jung-Won, nach einem zweijährigen Zwischenspiel bei RC Straßburg nach Suwon wechselte.

Als die beiden Teams am 20. März jenes Jahres beim traditionellen Saison-Auftakt, dem Super Cup, aufeinandertrafen, zündeten die Fans der Cheetahs Trikots mit dem Schriftzug ihres ehemaligen Torjägers an. Diese Geste spornte den Stürmer erst recht an, und mit einem Doppelpack beflügelte er den Meister zu einem 5:1-Sieg gegen den amtierenden Pokalsieger. Seo Jung-Won ist bis heute der einzige Spieler, der in der Geschichte dieser Rivalität für beide Mannschaften Tore erzielte.

Zahlen und Fakten
In den bisherigen 54 Begegnungen zwischen diesen Mannschaften in den heimischen Wettbewerben liegt Suwon mit 22 Siegen bei 14 Unentschieden und 18 Niederlagen in der Statistik leicht vorne. Die Bluewings haben insgesamt auch mehr Titelerfolge zu verzeichnen. Erst in der vergangenen Spiezeit setzten sie sich im Finale mit einem Gesamtergebnis von 3:2 (in der Addition aus Hin- und Rückspiel) gegen den FC Seoul durch und konnten ihren vierten K-League-Titel feiern - einen mehr als ihre Erzrivalen.

Die Begegnungen zwischen diesen beiden Klubs galten schon immer als Publikumsmagnet, und der absolute Zuschauerrekord wurde am 8. April 2007 erreicht, als insgesamt 55.397 Fans das Seoul World Cup Stadium in einen Hexenkessel verwandelten. Die Gäste verdarben den Fans der Heimmannschaft jedoch die Party, denn ihr Nachwuchsnationalspieler Ha Tae-Goon erzielte in der ersten Halbzeit den einzigen Treffer der Partie. Dieser Erfolg war für die Akteure aus Suwon umso schöner, da sie nur vierzehn Tage zuvor in einem Ligapokalspiel gegen den FC Seoul mit 1:4 unter die Räder gekommen waren. In jener Begegnung avancierte Park Chu-Young zum ersten Spieler, dem bei diesem Derby ein Hattrick gelang.

Anekdoten und Sprüche
Der Neun-Tore-Krimi im Pokalspiel im Jahr 2000 gilt immer noch als eine der dramatischsten Partien in der koreanischen Fussballgeschichte. Nachdem es zur Halbzeit 3:3 unentschieden stand, sorgten die Suwon Bluewings nach der Pause zunächst für einen Zwei-Tore-Abstand, mussten jedoch nach dem 4:5-Anschlusstreffer wenige Minuten vor dem Schlusspfiff eine nervenaufreibende Schlussphase überstehen.

Das absolute Spitzenspiel zwischen den Rivalen endete mit einem Remis, und es wurde nicht auf koreanischem Boden ausgetragen. Nachdem Anyang und Suwon bereits in der Gruppenphase der Asiatischen Klubmeisterschaft 2001/2002 aufeinandergetroffen waren und sich nach einer hart umkämpften Partie mit einem torlosen Unentschieden getrennt hatten, standen sie sich im Finale, das im Azadi-Stadion in Teheran ausgetragen wurde, erneut gegenüber. Nach 120 torlosen Spielminuten musste das Elfmeterschießen entscheiden. Am Ende setzten sich die Suwon Bluewings mit 4:2 durch und verteidigten so den kontinentalen Meistertitel.

Sechs Jahre später standen sich die Erzrivalen erneut in einem Finale gegenüber: Dieses Mal ging es jedoch um die Meisterschaft in der K-League. Suwon hatte den Hauptstadtklub in der regulären Saison zweimal mit 2:0 auswärts geschlagen, worauf Seoul ebenfalls mit zwei aufeinanderfolgenden 1:0-Auswärtssiegen antwortete. Doch das Finale selbst wurde zu einem Riesenfest für Suwon, das auswärts ein 1:1-Unentschieden erkämpfen und sich vor den heimischem Fans mit einem 2:1-Sieg durchsetzen konnte.

Die Gegenwart
Anyang kehrte im Vorfeld der Saison 2004 nach Seoul zurück und sicherte sich im Mai desselben Jahres in seiner neuen Heimatstadt alle drei Punkte gegen Suwon. Die Mannschaft von Cha Bum-Kun hatte jedoch das bessere Ende für sich und gewann in dieser Spielzeit ihren dritten K-League-Titel.

2006 trennten sich die Rivalen vier Mal mit einem Remis, für größere Aufregung sorgte ein erneuter spektakulärer Transfer zwischen den beiden Klubs. Nationalspieler Baek Ji-Hoon wechselte die Seiten, was der Profikarriere des südkoreanischen Mittelfeldregisseurs offenbar zugute kam: Während er in den vier Jahren zuvor insgesamt nur vier Tore erzielen konnte, gelangen ihm im Trikot der Bluewings allein in der Saisonrückrunde gleich fünf Treffer.

Die Verpflichtung von Senol Gunes als Trainer des FC Seoul im darauffolgenden Jahr gab der Rivalität eine neue Dimension, als der türkische Coach verlautbaren ließ, dass er einen bedingungslosen Angriffsfussball favorisieren würde. Obwohl seine erste Saison mit einer bitteren Enttäuschung endete, in der seine Schützlinge nur knapp einen Platz in den Playoffs verpassten, ist es Gunes gelungen, den Hauptstadtklub wieder zu einem schlagkräftigen Ensemble zu formen, das in Zukunft jeder Gegner auf der Rechnung haben sollte.