Im 217. Züricher Derby zwischen dem FCZ und dem Grasshopper-Club geht es am letzten Spieltag der Schweizer Super League am kommenden Samstag, 30. Mai 2009, um Tore, Punkte und vor allem die Ehre. Seit dem vergangenen Wochenende ist die Meisterschaft entschieden. Der FC Zürich konnte das Dutzend Titel vollmachen, während der Grasshopper-Club den drei Top-Teams (neben dem FC Zürich sind das der FC Basel und die Young Boys Bern) hinterherläuft und am Saisonende den vierten Rang einnehmen wird.

So kommt dem neuerlichen Duell zwar keine entscheidende Rolle zu, doch die beiden Mannschaften aus dem gleichnamigen Kanton, werden alles daran setzen, das Stadion Letzigrund als Sieger zu verlassen.

Der Beginn
1897 fand in Zürich das erste Derby zwischen den beiden traditionsreichen Vereinen statt. Es ist somit eines der ältesten Duelle zwischen Stadtrivalen außerhalb Großbritanniens. Elf Jahre zuvor wurde der Grasshopper-Club gegründet, der bis zum heutigen Zeitpunkt auch der erfolgreichere Klub in Sachen Titel ist. Der FC erblickte 1896 das Licht der Welt.

Wie viele andere Partien zwischen Erzrivalen, war auch das Züricher Stadtduell seit jeher ein Aufeinandertreffen der verschiedenen Fangruppierungen und Schichten der Stadt. Der Grasshopper-Club wurde traditionell als Nobelklub der Schweiz betrachtet. Im Gegensatz dazu stand der FCZ als Symbol für die hart arbeitende Bevölkerung und galt somit lange als der Arbeiterverein.

In der Moderne jedoch werden diese Unterschiede kaum noch herangezogen. Der FC Zürich erfreut sich mittlerweile auch der Unterstützung vieler Zugezogener und verzeichnet dadurch ein leichtes Übergewicht, was die Anzahl der Fans angeht.

Zahlen und Fakten
Den bislang zwölf Meistertiteln und sieben Pokalsiegen des FCZ, stehen 27 nationale Meisterschaften und 18 Cup-Erfolge des Grasshopper-Club entgegen. Doch in der jüngsten Vergangenheit präsentierte sich der FCZ als der stärkere Klub. Den letzten Titel konnten die Grasshoppers im Jahr 2003 feiern, als man Schweizer Meister wurde. Der FC hingegen schloss die Super League 2006 sowie 2007 als Sieger ab und holte 2005 den Pokal nach Zürich.

Bis heute fand das Derby 216 Mal statt. Der Grasshopper-Club hat in der Statistik aller Partien zwar noch die Nase vorn, doch von den letzten zehn Begegnungen konnte man nur eine gewinnen. Im Dezember 2007 fuhr man den bislang letzten Erfolg gegen den Stadtrivalen ein.

Anekdoten und Sprüche
Viele bekannte Stars aus dem Fussball waren Teil des Züricher Derbys. So spielte beispielsweise der ehemalige Schweizer Nationaltrainer Jakob Köbi Kuhn für den FCZ. Auch Ozeaniens Fussballer des Jahrhunderts, Wynton Rufer, der sich immer noch gerne an die Duelle mit dem Stadtrivalen erinnert, war zu seiner aktiven Zeit ein Teil des Klassikers: "Das Züricher Derby zu spielen, war immer etwas Besonderes, auch wenn ich mit dem FCZ immer verloren habe", erklärte Rufer einst in einem Interview.

Der ehemalige 52-fache Schweizer Nationalspieler Thomas Bickel trug während seiner Profi-Karriere sogar beide Trikots der Züricher Top-Klubs und weiß, dass "das Derby natürlich kein Spiel wie jedes andere ist. Wenn der FC Zürich gegen Grasshoppers spielt, sind immer Emotionen und Brisanz drin. Es wird in den Zeitungen darüber berichtet. Die ganze Stadt spricht darüber. Das bekommt man natürlich auch als Spieler mit", so Bickel gegenüber FIFA.com.

Die Gegenwart
Seit dem vergangenen Sonntag steht der FC Zürich als neuer Meister und Nachfolger des FC Basel fest. Die Mannschaft von Trainer Bernard Challandes hat den vorzeitigen Titelgewinn ausgerechnet dem Grasshopper-Club zu verdanken, der Verfolger Basel mit 4:1 nach Hause schickte. Der gleichzeitige Auswärtssieg des FC bei Aufsteiger AZ Bellinzona bedeutete die zwölfte Meisterschaft in der Geschichte des Vereins.

Unter anderem ausschlaggebend für den jüngsten Erfolg ist die Offensiv-Stärke des FCZ. Mit Almen Abdi, Eric Hassli und Alexandre Alphonse schafften es gleich drei Spieler unter die besten fünf Torschützen der Super League. Grasshopper wird die Spielzeit 2008/09 indes als Vierter beenden und kann sich auch im vierten Jahr in Folge nicht für das internationale Geschäft qualifizieren.