Ein Fels in der Brandung, ein Arbeitstier, ein Perfektionist. Dino Zoff ist einer der größten Torhüter in der Geschichte des Fussballs. Werfen wir also noch einmal einen Blick auf die Karriere einer Legende.

Heute verbringt Dino Zoff seine Tage auf den Golfplätzen in der Gegend um Rom. "Golf ist die schönste Art, einen Spaziergang zu machen", zitiert er lächelnd Churchill. Zoff arbeitet an seinem Handicap mit der gleichen Hingabe, die er früher schon während der Trainingseinheiten als Torhüter an den Tag legte. Sein Leben und seine Karriere stehen und standen stets unter dem Motto: "Alles, was ich erreicht habe, habe ich Dank harter Arbeit erreicht.

Als Sohn von Landwirten wusste er schon von Kindesbeinen an den Wert der Dinge zu schätzen. Diese Mentalität ist typisch für die norditalienische Region Friaul, in der Zoff geboren wurde. Dort sind die Menschen noch erdverbunden und sich ihrer Wurzeln bewusst. Dieser Landstrich in Italien stand Jahrhunderte lang unter dem Einfluss des Kaiserreichs Österreich-Ungarn. Das prägt. "Mein Geburtsort Mariano Del Friuli stand lange Zeit unter österreichischer Herrschaft", erklärt Zoff. Wenn meine Großmutter Adelaide nach Udine fuhr, dann sagte sie immer: "Ich gehe zu den Italienern."

Bescheidener Beginn

Überhaupt spielten Großmutter Adelaides "Rezepte" eine wichtige Rolle in Dino Zoffs Leben. Nicht allein wegen der Ratschläge, die sie ihm mit auf den Weg gab, sondern auch wegen der "Eierkur", die sie ihrem Enkel verabreichte, auf dass er endlich größer werden möge. Mit 14 Jahren war Dino nämlich kaum einen Meter sechzig groß und wurde deshalb sowohl von Inter Mailand als auch von Juventus abgelehnt. Also fing er bescheiden an, debütierte bei Marianese, dem Klub seines Heimatdorfs. An eine Karriere als Profifussballer war damals nicht zu denken.

Aber die acht Eier täglich zeigten schließlich Wirkung: Dino legte 33 Zentimeter zu! 1961 wurde er im Alter von 19 Jahren schließlich von Udinese verpflichtet. Da maß er stolze 1,82 Meter. Zoff gab seinen Posten als Automechaniker auf, aber sein Profidebüt geriet zur Katastrophe: Fünf Tore schenkten sie ihm in Florenz ein. Am Ende der Spielzeit stieg sein Klub in die Serie B ab, und Zoff hatte ganze vier Spiele bestritten. Im Folgejahr machte er jedoch bereits wieder von sich reden, und Mantua engagierte ihn. Für Zoff der wichtige Wiedereinstieg in die prestigeträchtige Serie A.

In den folgenden vier Spielzeiten zwischen 1963 und 1967 arbeitete sich Zoff in den Kreis der Nationalmannschaft vor. Zum FIFA-Weltpokal ™ 1966 durfte er jedoch nicht fahren. Trainer Edmondo Fabbri nominierte lieber die Torhüter Albertosi, Anzolin und Pizzaballa. "Er wollte vermeiden, dass ihm Bevorzugung vorgeworfen wird", vermutet Zoff noch heute. Tatsächlich stammte Trainer Fabbri aus Mantua. Beruflicher Frust hier, privates Glück dort: Zoff traf seine spätere Frau Anna-Maria. Beide haben einen Sohn, Marco. Er ist heute Finanzfachmann. Zoffs Karriere kam in Schwung.

Der Mailänder AC klopfte bei ihm an, aber die immens hohe Ablösesumme schreckte die Verantwortlichen des Nobelklubs aus Italiens Norden ab. Zoffs nächste Station: Neapel. 130 Millionen Lire Ablöse blätterten die Neapolitaner seinerzeit für Zoff auf den Tisch und ließen zudem auch noch ihren Torhüter Bandoni im Tausch nach Mantua gehen. "An meine Zeit in Neapel habe ich nur tolle Erinnerungen", sagt Zoff rückblickend. "Eine wunderbare Stadt voller Leben."

Bemerkenswerte Erfolge

Ausgerechnet vor heimischer Kulisse in Neapel feierte Dino Zoff denn auch sein Debüt in der Nationalmannschaft. Am 20. April 1968 war es, im Spiel gegen Bulgarien, Endstand 2:0. Der Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft war damit geschafft.

© Popperfoto Zoff machte mit einer Parade gegen Asparukov nachhaltig auf sich aufmerksam und holte nach dem abermaligen Aufeinandertreffen mit Jugoslawien im Finale zusammen mit der Mannschaft den Titel nach Rom. Nach vier Länderspielen war Zoff bereits Europameister. Ein toller Start in eine einzigartige Karriere. Zoff schaffte es auch, 1143 Minuten ohne Gegentor zu bleiben, wofür ihm die berühmte Newsweek den Titel "World's Best" verlieh. Dem war nichts hinzuzufügen.

Die Geschichte des großen Torhüters ist eng mit der der italienischen Nationalmannschaft verknüpft. Die einzige große Enttäuschung musste Zoff hinnehmen, als bei der Weltmeisterschaft 1970 Albertosi den Vorzug erhielt. Zwar konnte Zoff mit Juventus sechs "Scudetti" gewinnen, aber das Bild, das heute noch alle vor Augen haben, ist das, wie Zoff mit einem gewissen Ausdruck der Ernsthaftigkeit die wichtigste Trophäe des Fussballs überhaupt hochhält: Den Weltpokal. Das war 1982 in Spanien, und Zoff war damals bereits 40 Jahre alt. Daraufhin wurde ihm in Italien sogar eine Sonderbriefmarke gewidmet. Der Weltmeistertitel war Lohn für eine außergewöhnliche Karriere, für die tagtägliche Schinderei im Training und Zoffs Art, den FIFA-Weltpokal 1978 vergessen zu machen, wo er nach eigener Einschätzung "nicht immer auf der Höhe" war.

Der Titelsammler

Zoff wusste sich immer zu motivieren und sich trotz seines Alters immer neue Ziele zu setzen. Aber man darf sich von seiner Verschlossenheit und gelegentlichen Verbissenheit nicht täuschen lassen: Zoff hat seine Berühmtheit immer auch genossen. Er war gerne der Held. Mit 20 Jahren bereits in der Serie A, mit 30 Jahren beim großen Juventus, mit 40 Jahren Weltmeister. Es scheint, die Jahrzehnte seien an Zoff spurlos vorbeigegangen. Heute ist er sechzig Jahre alt und verspürt immer noch Lust zu trainieren, sich den Trainingsanzug überzustreifen und eine Übungseinheit zu leiten und sich selbst in Frage zu stellen.

Videokassetten mit seinen Erfolgen von damals sieht er sich nicht gern an. Seine Gedanken gelten stets der Zukunft. Zoff ist ein Felsbrocken. Mental wie physisch. 570 Begegnungen hat er in der Serie A bestritten und nie die Lust am Spiel verloren. Bei Juventus brachte er es auf 330 Partien am Stück. In seinen elf Jahren in Turin (1972 - 1983), wo man ihn von Neapel aus für 330 Millionen Lire und zwei Spieler (Carmignani und Ferradini) hatte ziehen lassen, betätigte sich Zoff als wahrer Titelsammler: Sechs Mal wurde er Meister, daneben zwei Mal italienischer Pokalsieger und ein Mal UEFA-Pokalsieger. Auch im Finale des Landesmeistercups stand er zwei Mal, ging aber jeweils als Verlierer vom Platz: 1973 in Belgrad gegen Ajax und 1983 in Athen gegen Hamburg.

"Es gibt eine Sache, gegen die ich nicht ankämpfen kann", erklärte er schließlich am 2. Juni 1983, "und das ist das Alter." Zoff hängte also seine Fussballschuhe an den Nagel. Doch auch in seiner zweiten Karriere als Trainer hatte er Erfolg, und führte die italienische Nationalmannschaft im Sommer 2000 bis in das Finale der Europameisterschaft.