Ein kleines Schulkind sagte einmal, Fritz Walter sei "der Erfinder von Kaiserslautern." Nun, die Barbarossa-Stadt in der Pfalz gab es zwar schon lange bevor Fritz Walter das Licht der Welt erblickte, doch es ist unstreitig, dass der geniale Fussballer einen großen Anteil daran hat, dass der Name seiner Heimatstadt über die Grenzen des Landes hinaus in der Fussball-Welt Bekanntheit erlangte.
Doch noch prägender waren seine Erfolge mit der deutschen
Nationalmannschaft. Fritz Walter war der Spielführer jener
deutschen Elf, die 1954 zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft für
Deutschland holte, was als "Wunder von Bern" in die
Geschichte einging. Er war das Sinnbild des Aufschwungs Deutschland
nach dem Krieg. Er war der Kopf der Mannschaft, der verlängerte Arm
von Trainer Sepp Herberger auf dem Spielfeld. An ihm richtet sich
die deutsche Nationalelf auf.
Am 31. Oktober 1920 erblickte Friedrich Walter in
Kaiserslautern das Licht der Welt. Aber kaum einer nannte den
kleinen Jungen Friedrich, sondern nur kurz "Fritz". In
der Straße seiner Eltern begann der kleine Fritz mit dem
Fussballspielen, ehe er sich mit acht Jahren dem 1. FC
Kaiserslautern anschloss. Schon früh wurde das große Talent Walters
entdeckt und so gab er sein Debüt in der Seniorenmannschaft des FCK
bereits mit 17 Jahren.
Drei Treffer bei Nationalelf-Debüt
Seine Leistungen blieben auch dem Bundestrainer
Sepp Herberger nicht verborgen und so wurde Fritz Walter am 14.Juli
1940 erstmals in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Und sein
Debüt im Spiel gegen Rumänien konnte sich sehen lassen. Denn der
damals erst 19-jährige Debütant erzielte beim 9:3-Sieg gleich drei
Treffer. Welch ein Einstand!
Seine Leistungen im Trikot der Nationalelf und seines
Vereines versprachen eine verheißungsvolle Karriere. Doch wie bei
vielen Fussballern der damaligen Zeit wurde Fritz Walters Aufstieg
durch den zweiten Weltkrieg zunächst jäh gestoppt. Während seiner
besten Fussballjahre von 1943 bis 1950 bestritt der Spielmacher
kein einziges Länderspiel. 1942 wurde der Lauterer zur Wehrmacht
eingezogen. Walter geriet in russische Gefangenschaft, kehrte
jedoch 1945 ohne Blessuren wieder nach Hause zurück.
Nach den Wirren des Krieges baute Bundestrainer Herberger ein
neues Team auf, das 1950 zum ersten Mal antrat. Kapitän Fritz
Walter lief erst am 15. April 1951 wieder im Trikot der Nationalelf
gegen die Schweiz in Zürich auf. Im gleichen Jahr feierte Walter
mit seinem Klub, dem 1. FC Kaiserslautern die deutsche
Meisterschaft. Zwei Jahre später wiederholte das Team vom
Betzenberg das Kunststück und wurde mit Kapitän Fritz Walter zum
zweiten Mal Deutscher Meister. Die Lauterer Elf wurde in Anlehnung
an ihren herausragenden Star fortan nur noch die
"Walter-Elf" genannt.
Bundestrainer Sepp Herberger hatte mittlerweile eine gute
Truppe um den Lauterer Kapitän aufgebaut. Fünf Spieler aus
Kaiserslautern standen im Kader der DFB-Elf, die 1954 zur
Weltmeisterschaft in die Schweiz reiste. Neben Fritz Walter
nominierte Herberger dessen Bruder Ottmar Walter, Horst Eckel,
Werner Kohlmeyer und Werner Liebrich.
Fritz Walter war nicht nur Kapitän, er war der Kopf der
Mannschaft und der verlängerte Arm des Bundestrainers, den er immer
respektvoll den "Chef" nannte.
Ein anderes Team galt zu dieser Zeit allerdings als
unschlagbar: Die Ungarn kamen mit einer Serie von 29 Spielen ohne
Niederlage zur Weltmeisterschaft in die Schweiz und waren der
haushohe Favorit. Mit ihrem Kapitän Ferenc Puskas schienen die
"Magischen Magyaren" unbezwingbar.
Nach dem Auftaktsieg gegen die Türkei schickte Bundestrainer
Sepp Herberger im zweiten Vorrundenspiel gegen Ungarn nur seine
zweite Garde aufs Feld - und die musste bluten. Mit 3:8 verlor das
Team um Fritz Walter gegen Puskas und Co., was dem Bundestrainer
viel Kritik einbrachte. Doch die Niederlage war von Herberger
einkalkuliert und so kam es zum Entscheidungsspiel gegen die
Türken, das das Team um den Lauterer Kapitän klar mit 7:2 gewann.
In der Zwischenrunde besiegten die Deutschen Jugoslawien mit 2:0,
in der Vorschlussrunde konnte dann Österreich mit 6:1 geschlagen
werden, wobei Fritz Walter zwei Elfmeter versenkte. Was folgte war
das legendäre Endspiel im Berner Wankdorfstadion gegen den großen
Favoriten Ungarn.
"Fritz, ihr Wetter"
Es regnete in Strömen an diesem 4. Juli in Bern.
Doch dies war genau das Wetter, das Fritz Walter liebte.
"Fritz, ihr Wetter", sagte Herberger auf der Fahrt zum
Stadion zu seinem Kapitän, und dieser erwiderte: "Chef, ich
hab nix dagegen."
Doch trotz "Fritz-Walter-Wetter" gingen die Ungarn
mit 2:0 in Führung. Ungarns "Major" Ferenc Puskas
erzielte bereits nach sechs Minuten die Führung, Czibor sorgte zwei
Minuten später für das 2:0. Doch die deutsche Elf spielte unbeirrt
weiter. Max Morlock erzielte den Anschlusstreffer und nach einem
Eckball von Spielführer Fritz Walter erzielte Helmut Rahn das 2:2.
Ungarn war weiter feldüberlegen, doch in der 84. Minute geschah das
Wunder: Helmut Rahn traf zum 3:2 für Deutschland. Kapitän Fritz
Walter reckte zum ersten Mal den Weltmeisterpokal für Deutschland
in die Höhe.
Der Gewinn der Weltmeisterschaft war weit mehr als nur ein
Titelgewinn. Es war der Start für ein neues Deutschland, richtete
die Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg wieder auf und erfüllte
ein ganzes Land mit unheimlichem Stolz. Fritz Walter, der Kapitän
der Weltmeisterelf war das Sinnbild dieses Erfolges. Der geniale
Mittelfeldspieler wurde anschließend mit Ehrungen überschüttet. Er
erhielt als erster Fussballer überhaupt das große
Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland sowie das
Silberne Lorbeerblatt. Der Ehrenspielführer der deutschen
Nationalmannschaft erhielt 1995 zudem den Verdienstorden des
Fussball-Weltverbandes FIFA.
Ein Grandseigneur des Spiels
Fritz Walter war ein begnadeter Techniker, ein Ästhet am
Ball, ein Grandseigneur des Spiels. Der Lauterer war einer der
besten Fussballer, den die Welt je sah. Ein torjagender
Spielmacher, der sein Talent mit sehr viel Fleiß und großem Ehrgeiz
pflegte. Der torgefährliche Mittelfeldspieler traf in 379 Spielen
für den 1. FC Kaiserslautern 306 Mal ins Schwarze. Sein schönstes
Tor erzielte er im Spiel gegen Wismut Aue, als er einen Eckball mit
der Hacke im Flug über den Kopf im Tor versenkte - ein
Jahrhunderttor.
Auch im Trikot der Nationalelf war der geniale Techniker
torgefährlich: 33 Treffer markierte Walter während seiner 61 Spiele
für Deutschland. Im Halbfinale der WM 1958 gegen den Gastgeber
Schweden verletzte sich Fritz Walter und musste ausgewechselt
werden. Es war das letzte Spiel im Nationaltrikot für den damals
bereits 37 Jahre alten Spielmacher.
Seine Beliebtheit blieb jedoch ungebrochen. Sie war auch
Folge seiner Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Und der Treue zu
seinem Verein, dem 1. FC Kaiserslautern. Hochkarätige Angebote wie
vom französischen Klub FC Nancy und dem spanischen Verein Atletico
Madrid schlug der bodenständige Lauterer trotz hoher Gagen aus. Er
blieb in der Pfalz, wo er von 1928 bis 1959 insgesamt 31 Jahre lang
für seinen FCK spielte.
Aus Dank wurde das Stadion am Betzenberg 1985 schon zu
Lebzeiten nach ihm benannt. 2006 wird das komplett umgebaute
Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern Austragungsort der FIFA
Fussball-Weltmeisterschaft sein. Dass die WM in seine Heimstadt
kommt, ist zu einem großen Teil auch ihm zu verdanken - er sorgte
als WM-Botschafter und Symbolfigur seiner Stadt maßgeblich für den
Zuschlag.
Leider wird das deutsche Fussball-Idol die WM-Spiele im Jahre
2006 nicht mehr live in seinem Stadion erleben können. Am 17.Juni
2002 starb Fritz Walter im Alter von 81 Jahren.
