Michel Platini ist es nie gelungen den FIFA-Weltpokal ™, die höchste Trophäe im Fussball, zu gewinnen. Es ist in der Tat die einzige Auszeichnung, die ihm seiner beeindruckenden Trophäensammlung fehlt, was jedoch seinem Status als Fussball-Legende keinerlei Abbruch tut. Seine technischen Fertigkeiten, sein Spielverständnis und sein todsicherer Instinkt vor dem Tor ließen ihn zu einem der besten Spieler aller Zeiten werden.

Frankreichs Aufstieg

Platini spielte in seiner Karriere für die Vereine AS Nancy-Lorraine, AS Saint-Etienne und Juventus Turin. "Zunächst habe ich für den größten Club in meiner Region gespielt, dann für den größten in Frankreich und schließlich für den größten Verein der Welt", pflegt er oft zu sagen.

Die berühmte Nummer 10 spielte ihren ersten FIFA-Weltpokal ™ 1978 im Alter von knapp 23 Jahren. Es sollte eine lehrreiche Erfahrung werden, da es auch ihm nicht gelang das Scheitern seines Landes, das sich zum ersten Mal seit 1966 wieder für eine Endrunde qualifiziert hatte, in der ersten Runde zu verhindern. Die Auslosung hatte die Franzosen in eine Gruppe mit zwei der Turnierfavoriten, Argentinien und Italien, geführt. Wie erwartet scheiterten die Franzosen bereits an der ersten Hürde. Dennoch gelang Platini ein Tor gegen den zukünftigen Weltmeister Argentinien, übrigens sein erstes Tor bei einem FIFA-Weltpokal ™.

1981, wie bereits vier Jahre zuvor und auch wiederum vier Jahre später gegen Jugoslawien, erzielte Platini das entscheidende Tor, das seinem Land die Qualifikation für ein großes Turnier sicherte. Es war ein herrliches Freistoßtor gegen die Niederlande im Prinzenpark in Paris, das Frankreich einen Platz bei der Endrunde zum FIFA-Weltpokal ™ 1982 sicherte.

Er wurde zu 'Platoche'

In diesem Jahr begann Platini, die Geschichte des FIFA-Weltpokals ™ mit zu prägen. Kurz vor dem Turnier war er sich übrigens mit Juventus Turin für die kommende Saison handelseinig geworden. Jeder, der über das Turnier in Spanien 1982 spricht, wird sofort an das fantastische Halbfinal-Match in Sevilla zwischen Frankreich und Deutschland erinnert. In diesem Spiel, das eines der besten aller Zeiten werden sollte, erzielte Platini ein Strafstoßtor zum Ausgleich und offenbarte sein ganzes Talent als Dirigent auf dem Platz. Nie zuvor haben französische Fussballanhänger so viele Tränen vergossen und sich vom Schicksal so ungerecht behandelt gefühlt. Ein Bild, an das sich viele erinnern, ist das des Spielführers Platini, der die Hand von Patrick Battiston hält, der bewusstlos vom Platz getragen werden musste. "An diesem Abend habe ich die Bandbreite der Emotionen eines ganzen Lebens durchlebt", erinnerte er sich später.

Platini stand 1984 im Zenit seines Könnens, als er die Franzosen zu ihrem ersten Sieg bei einem großen internationalen Turnier führte, der UEFA-Europameisterschaft auf eigenem Boden. "Platoche", wie er nun liebevoll von seinen Landsleuten genannt wurde, erzielte die Rekordzahl von neun Toren in fünf Spielen, einschließlich eines "perfekten" Hattricks (ein Tor mit links, eines mit rechts und eines mit dem Kopf) jeweils gegen Belgien und Jugoslawien.

Platinis Leistungen 1984 überraschten niemanden mehr in Italien, wo man sich bereits an die Dominanz von Juve unter der Führung des Franzosen, des "Francese", gewöhnt hatte. Im berühmten Trikot der "Alten Dame" mit den schwarzen und weißen Streifen sammelte Platini eine Vielzahl von Titeln und Ehrungen: zwei italienische Meistertitel, eine Coppa Italia, ein Sieg im UEFA-Pokal der Pokalsieger, ein europäischer Supercup-Sieg, ein Triumph in der Champions-League sowie ein Sieg im Weltpokal ... Er war auch drei Spielzeiten in Folge 'capocannoniere' (Torschützenkönig) in Italien und Europas Fussballer des Jahres! Ein Rekord für die Ewigkeit!

Höhen und Tiefen

"Hätte es zwischen 1982 und 1986 jedes Jahr einen FIFA-Weltpokal ™ gegeben, Frankreich hätte zwei- oder dreimal gewonnen", erklärte er einmal gegen Ende seiner Karriere. Aber obwohl Frankreich sich zum dritten Mal für eine Endrunde des FIFA-Weltpokals ™ qualifizierte, erwies sich 1986 in Mexiko erneut Deutschland als Stolperstein. Die bessere körperliche Fitness und der erfolgsorientiertere Spielansatz der Deutschen sicherte diesen den Sieg und die Halbfinalteilnahme. Dennoch war es das faszinierende Mittelfeldkleeblatt der Franzosen, mit Michel Platini, Alain Giresse, Jean Tigana und Luis Fernandez, bekannt auch als das "carré magique" oder "magische Viereck", das den größten Eindruck hinterließ. Ihr Flair und ihre Dynamik überzeugte auch die letzten Skeptiker im Achtelfinalspiel gegen Italien und schließlich im unvergesslichen Viertelfinal-Match gegen Brasilien in Guadalajara, das Pelé einmal als das "Spiel des Jahrhunderts" bezeichnete. Natürlich traf Platini in beiden Spielen ins Schwarze.

Aber der "schöne Fussball", den er praktizierte, forderte nun langsam seinen Tribut. Immer häufiger wurde er nun von Verletzungen geplagt, wie einem geschwollenen Knöchel, an dem er viele Monate laborierte. Auch die Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion hinterließ eine Narbe in der Seele eines Mannes, dessen Philosophie im Fussball wie im Leben in erster Linie etwas mit Spaß, mit Vergnügen zu tun hatte. Durch einen von Platini verwandelten Elfmeter besiegte Juventus schließlich Liverpool und gewann den Europa-Pokal. Später einmal hat er darüber gesagt: "Diese Nacht hatte nichts mit Fussball zu tun. Man musste uns den Pokal sogar in die Umkleidekabine bringen".

Neue Herausforderungen

Nachdem er seine Fussballstiefel 1987 an den Nagel gehängt hatte, wurde Platini Team-Manager der französischen Nationalmannschaft. Unter ihm bestritt Didier Deschamps sein erstes Länderspiel, und er war es auch, der das Stürmerduo Cantona und Papin zusammenstellte. Diese neue Generation von Spielern schaffte einen neuen Rekord von Länderspielen ohne Niederlage zwischen April 1989 und Februar 1992. In diesem Zeitraum gelang es den Franzosen auch, sämtliche Qualifikationsspiele zur Fussball-Europameisterschaft zu gewinnen. Als das Team jedoch in Schweden bereits in der ersten Runde ausschied, trat Platini als Team-Manager zurück.

Als Frankreich den FIFA-Weltpokal ™ 1998 vorbereitete, erhörte Platini erneut den Ruf seines Landes. Er nahm die Herausforderung an, als Vizepräsident des französischen Organisationskomitees neben Fernand Sastre zu arbeiten, dem Verantwortlichen der französischen Bewerbung um das Turnier. Wie gewohnt nahm Platini seine Pflichten äußerst gewissenhaft wahr, bevor er Joseph S. Blatter bei dessen Kampagne um die FIFA-Präsidentschaft unterstützte. Mittlerweile hat man ihn zum Vizepräsidenten des französischen Fussballverbandes (FFF) gewählt und seine Pflichten in den Chefetagen des Sports nehmen ständig zu. Dazu sagte er gerne: "Ich möchte dem Spiel, das mir so viel gegeben hat, auch etwas zurückgeben".