Franz Beckenbauer ist der mit Abstand populärste Fußballer Deutschlands, und auch weltweit ist er eine der führenden Persönlichkeiten des Sports. Seine Karriere begann der am 11. September 1945 in München geborene Sohn eines Postobersekretärs mit 9 Jahren als Jugendspieler des SC München 06, eher er 1958 zum FC Bayern wechselte.
Am 6. Juni 1964 gab er gegen den FC St. Pauli sein Debüt als Linksaussen für die Bayern. Gleich in seiner ersten Regionalligasaison gelang ihm der Aufstieg in die Bundesliga.
Bereits am 26. September 1965 feierte er im Alter von 20 Jahren seinen Einstand als Nationalspieler. Als Spieler nahm er an drei Weltmeisterschaften teil. 1966 stand der junge Beckenbauer zum ersten Mal bei einer WM auf dem Platz, und gleich in seinem ersten WM-Spiel gelangen ihm beim 5:0-Sieg über die Schweiz zwei Tore. Zwar unterlag Deutschland im legendären Endspiel in Wembley Gastgeber England, doch Beckenbauers Bilanz fällt nach über 30 Jahren positiv aus: "Vizeweltmeister ist ja auch nicht so schlecht für einen jungen Spieler", so Beckenbauer einmal gegenüber FIFA.com.
Auch seine zweite WM 1970 in Mexiko sorgte für bemerkenswerte Momente, als Beckenbauer im Halbfinale gegen Italien mit einer ausgerenkten Schulter spielte, den verletzten Arm dabei in einer Schlinge tragend. Doch sein Einsatz wurde nicht belohnt. Italien gewann das Spiel 4:3, und die Deutsche Elf musste sich mit Platz drei begnügen.
Dennoch hat Beckenbauer die Weltmeisterschaft in Mexiko bis heute in guter Erinnerung behalten: "Mexiko 1970 war eine herrliche Weltmeisterschaft. Es war noch nicht so fanatisch, noch nicht so von Sicherheit eingepfercht, man konnte noch tun und lassen, was man will. Wir hatten nur einen Polizisten, der mit einem Gewehr vor dem Eingang saß und das ganze Gelände bewacht hat. So etwas ist natürlich heute undenkbar. Damals ging es halt einfach noch ungezwungen zu. Die Spiele damals in Mexiko waren farbig. Das Land hat gelacht und der Fussball hat getanzt".
Titel im eigenen Land
1974 schlug dann seine große Stunde. Beckenbauer spielte jetzt auch in der Nationalmannschaft auf der Position, die er mit seiner Spielweise revolutionierte - als Libero hinter der Abwehr. Von hier aus organisierte er das Offensivspiel der Mannschaft und schaltete sich immer wieder in die Angriffe ein. Nicht zuletzt deswegen, weil es einfach seiner Natur entsprach, offensiv nach vorne zu agieren, anstatt den klassischen, defensiv orientierten Ausputzer zu spielen.
Die Weltmeisterschaft im eigenen Land war für die Mannschaft um Franz Beckenbauer schon etwas Besonderes. Die Fans in Deutschland erwarteten von Beginn nichts anderes als den Titel, und der Mannschaftskapitän war sich der hohen Erwartungshaltung bewusst: "Wenn du Gastgeber bist, hat du natürlich einen doppelten Druck, weil eigentlich jeder von dir den Titel erwartet".
Gemeinsam mit Gerd Müller, Paul Breitner, Wolfgang Overath und den übrigen Mitgliedern der Mannschaft hielten sie dem Druck stand und erspielten Deutschlands zweiten WM-Titel. Als Kapitän durfte er nach dem 2:1 Sieg über die Niederlande den neuen WM-Pokal als erster in Empfang nehmen.
Kein Ende des Erfolgs
Drei Jahre nach der Weltmeisterschaft wechselte Beckenbauer vom FC Bayern in die USA zu Cosmos New York. Bis zu seinem Abschied von München hatte er mit "seinen" Bayern alle wichtigen Titel (Hattrick im Europapokal, vier Meistertitel, vier deutsche Pokalsiege) gewonnen. In der amerikanischen Profiliga wollte er sich neuen Herausforderungen stellen, und sicher auch gutes Geld verdienen. Sportlich brachte der Abstecher in die USA ihn nicht weiter: "Fußballerisch kannst es vergessen".
Der Wechsel über den Atlantik beendete jedoch seine Karriere als Nationalspieler, da er vom DFB als Legionär nicht mehr für Länderspiele berücksichtigt wurde. Mit 103 Länderspielen überschritt er als erster deutscher Spieler die "magische" Grenze von 100 internationalen Auftritten.
Mit 35 Jahren gab er 1982 beim HSV für eine Saison sein Comeback in der Bundesliga, ehe er 1983 nach einem erneuten Gastspiel bei Cosmos New York seine Karriere beendete.
Nach dem Scheitern von Jupp Derwall bei der Europameisterschaft 1984 wurde Beckenbauer im Juli 1984 zum Teamchef der Nationalmannschaft berufen.
Sein erster großer Erfolg als Teamchef war die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, bei der er das Team bis in das Endspiel führte. Zwar ging der Titel an Argentinien, doch nach diesem Erfolg hatte Beckenbauer sich als Teamchef etabliert.
Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien wurde Deutschland ungeschlagen Weltmeister, und mit dem verwandelten Elfmeter von Andreas Brehme im Finale gegen Argentinien sicherte er sich endgültig einen Platz in Deutschlands Fußballgeschichte. Ihm gelang es als einzigem, sowohl als Mannschaftskapitän als auch als Trainer die Weltmeisterschaft zu gewinnen.
Bis heute ist der Gewinn seines zweiten WM-Titels, dieses Mal als Trainer, der absolute Höhepunkte in Franz Beckenbauers Fussball-Leben: "Der Titel als Trainer 1990 in Italien ist mir am wichtigsten, weil das eine Weltmeisterschaft war, die nicht zu überbieten ist", so Beckenbauer.




