Er war Ungarns bester Spieler aller Zeiten und einer der besten Spieler, die je an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft teilgenommen haben. Ferenc Puskas führte eine ungarische Weltklasse-Elf an, die in den frühen fünfziger Jahren als dominierende Nationalmannschaft im Weltfussball galt. Nur der Weltmeistertitel blieb dem ungarischen Ausnahmestürmer verwehrt. Im Finale der WM 1954 in Bern unterlag er mit seinem damals lange ungeschlagenen ungarischen Team Deutschland mit 2:3.

Puskas wurde 1927 in Budapest geboren und wuchs in direkter Nachbarschaft zum Kispest Athletic Club auf, dem Verein für den sein Vater sowohl als Spieler wie auch als Trainer aktiv war und bei dem seine eigene Karriere begann. Er begann bereits sehr früh mit dem Fussball und spielte bis zum Alter von 12 Jahren unter dem falschen Namen Miklos Kovacs für die Nachwuchsmannschaft des Klubs, weil er offiziell noch zu jung war. Es sollte jedoch nicht lange dauern, bis sein richtiger Name im ungarischen Fussball für Gesprächsstoff sorgte. Mit 16 Jahren gehörte der kleine Stürmer bereits zur Stammelf. Sein Ehrgeiz und sein eiserner Wille waren bereits in frühen Jahren erkennbar. 1945 debütierte Puskas mit gerade einmal 18 Jahren in der Nationalmannschaft. Die Partie gegen Österreich sollte der Auftakt einer beispiellosen Karriere im Dress der Ungarn werden. Es war überhaupt das erste Spiel seiner Mannschaft nach dem zweiten Weltkrieg.

Kein typischer Fussballer

Dabei war Puskas alles andere als der Prototyp eines beispielhaften Fussballers. Er war klein und übergewichtig, nicht sonderlich kopfballstark und benutzte ausschließlich seinen linken Fuß. Doch der ungarische Stürmer hatte es in sich. In 85 Länderspielen für sein Heimatland erzielte Puskas 84 Tore - eine beachtliche Bilanz. Kein anderer Nationalspieler konnte eine solche Torquote vorweisen, bis der Iraner Ali Daei im November 2003 den Rekord brach.

In seinem Heimatverein Kispest war er ebenfalls eine Führungspersönlichkeit. Kispest wurde 1949 zum Armeeklub und in Honved umbenannt. Weil Puskas bis zum Major aufstieg, nannten sie den Ausnahmestürmer fortan nur noch den "Major". Als Mannschaftskapitän führte er den Verein zu fünf Meistertiteln.

Die ungarische Nationalmannschaft war das dominierende Team der frühen fünfziger Jahre. 1952 führte Puskas als Kapitän die ungarische Elf zu olympischem Gold bei den Spielen in Helsinki. Das Team kam ungeschlagen zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1954 in die Schweiz. Vier Jahre lang schaffte es keine Mannschaft, die "magischen Magyaren" zu bezwingen.

Am härtesten hat dies wohl das "Mutterland des Fussballs" zu spüren bekommen. Im altehrwürdigen Wembley-Stadion, in dem England vorher nie ein Spiel gegen ein Team außerhalb Britanniens verloren hatte, siegte Ungarn am 25.11.1953 mit 6:3. Es sollte als Jahrhundertspiel in die Geschichte eingehen. Puskas und Co. brillierten vor 100.000 Zuschauern durch ihr variantenreiches Kurz- und Langpassspiel. Die Magyaren deklassierten das englische Team und verließen als klare Sieger den allerheiligsten Rasen von Wembley. Eine Demütigung für die englische Nationalelf.

Dreh- und Angelpunkt des "Wunderteams"

Das ungarische Team um seinen Kapitän Ferenc Puskas spielte Fussball wie von einem anderen Stern. Während England in der bereits von der WM bekannten Formation antrat, hatten sich die Ungarn für ein 4-2-4-System entschieden. Während die beiden Außenstürmer Kocsis auf der rechten Seite und Puskas auf seiner angestammten linken Position die Hauptantreiber des Spiels waren, stand Mittelstürmer Hidegkuti eher tief. In nur einem Spiel zerstörte Ungarn die Fussball-Macht Englands, die es zu diesem Zeitpunkt besaß. Doch bei der Blamage blieb es nicht. Weniger als sechs Monate später erhielten die Engländer die zweite Lehrstunde, als Ungarn im Rückspiel auf heimischem Boden gar mit 7:1 gewann.

Keine Frage, Ungarn war der Topfavorit bei der Weltmeisterschaft Schweiz 1954. Die magischen Magyaren verfügten über den stärksten Sturm der Welt, und das bewiesen sie auch beim Turnier in der Alpenrepublik. Im ersten Spiel deklassierten sie Südkorea mit 9:0 (Puskas erzielte den ersten und letzten Treffer) und fegten auch West-Deutschland, das allerdings nur mit der zweiten Garde angetreten war, mit 8:3 vom Platz (auch hier traf der Mannschaftskapitän ins Schwarze). Doch das Spiel gegen Deutschland forderte ein prominentes Opfer - Ferenc Puskas.

In einem Zweikampf mit Deutschlands Werner Liebrich verletzte sich der ungarische Star am Knöchel und musste im Viertelfinale und im Halbfinale aussetzen. Den 4:2-Sieg gegen Brasilien, der als "Battle of Bern" in die Geschichte eingegangen ist, sah Puskas nur von der Tribüne aus, ebenso wie das 4:2 im Halbfinale gegen Uruguay.

Das Finale in Bern
Doch dann kam das Finale. Alles drehte sich nur um Puskas. Konnte der Kapitän der Ungarn spielen? War seine Verletzung auskuriert? Wie fit war der Starspieler der Magyaren? Doch der ungarische Ausnahmespieler wollte um keinen Preis das Endspiel verpassen, es war der Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn. Puskas lief auf, doch er war nicht topfit.

Zunächst lief es gut für die magischen Magyaren. Puskas machte seine Kritiker mundtot, als er bereits in der sechsten Minute zum 1:0 einschoss. Zwei Minuten später folgte das 2:0. Doch Deutschland kam im strömenden Regen von Bern zurück, egalisierte noch vor der Pause, und drei Minuten vor Schluss jagte Helmut Rahn das Leder zum 3:2 in die Maschen. Puskas machte doch noch ein weiteres Tor, der Treffer wurde jedoch wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben. Nach 31 Spielen ohne Niederlage war Ungarn geschlagen.

Nach dem Finale von Bern fiel die ungarische Mannschaft nach und nach auseinander und in Puskas' Leben sollte es auch bald dramatische Änderungen geben. Er spielte zunächst weiter für seinen Klub Honved in Budapest und reiste mit diesem 1956 zu einem Europapokalspiel gegen Bilbao nach Spanien. In Ungarn kam es zur gleichen Zeit zu einem politischen Volksaufstand. Puskas sowie einige seiner Mitspieler kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück und blieben im Westen. Nach einer 15-monatigen Sperre war der 30-Jährige vollkommen außer Form und untrainiert, und für viele hatte er seinen Zenit bereits überschritten.

Puskas und Real Madrid
Doch sein alter Freund Emil Oesterreicher, der als Manager mit Puskas bei Honved arbeitete, holte den genialen Spieler schließlich zu Real Madrid. Er nahm innerhalb von sechs Wochen 18 kg ab und startete in einen weiteren äußerst erfolgreichen Karriereabschnitt. Bei Madrid spielte er an der Seite des großen Alfredo Di Stefano, und das Sturmduo sollte zu einem der gefürchtetsten Offensiv-Reihen im internationalen Fussball werden. Madrid entwickelte sich zu einer dominierenden Mannschaft im europäischen Fussball, nicht zuletzt dank des kleinen dicken Ungarn, der für Tore am Fließband sorgte und viermal Torschützenkönig der spanischen Liga wurde. Die Königlichen gewannen in der Ära Puskas fünf nationale Meisterschaften und zwei Europapokale der Landesmeister. Sein bestes Spiel machte Puskas sicherlich im Europapokalendspiel 1960 vor 130.000 Zuschauern im Hampten Park, als Real Eintracht Frankfurt 7:3 besiegte. Di Stefano erzielte einen Hattrick, doch Puskas war der Mann des Abends. Er markierte vier Tore beim viel umjubelten Sieg. In 39 Spielen erzielte Puskas 35 Tore für die Königlichen. Eine atemberaubende Bilanz.

1962 wurde Puskas in die Nationalelf Spaniens für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Chile berufen. Doch der Erfolg blieb aus. Spanien schied bereits nach der Gruppenphase aus, und Puskas konnte keinen einzigen Treffer für sich verbuchen.

Puskas spielte noch bis 1967 bei den Königlichen, bevor er seine Karriere im Alter von 40 Jahren beendete. Zuvor hatte er für den spanischen Renommierklub 324 Tore in 372 Spielen erzielt. Als Trainer führte er später Panathinaikos Athen ins Europacup-Finale. Doch sein größter persönlicher Triumph war, als er 1992 als 65-Jähriger endlich wieder in sein Heimatland Ungarn zurückkehren durfte.