"Tadelloser Fussballer. Göttlicher Verteidiger. Unsterblicher Held von 1966. Erster Engländer, der den WM-Pokal in die Höhe reckte. Lieblingskind des Londoner East End. Größte Legende von West Ham United. Nationales Kleinod. Meister von Wembley. Fussballgott. Herausragender Kapitän. Ewiger Gentleman."
Jeder Besucher des neuen Wembley-Stadions, der vor der majestätischen Bronzestatue von Bobby Moore auf dem Wembley Way steht, kann die englische Version der obigen Inschrift lesen, die von Jeff Powell, einem persönlichen Freund und Kolumnisten der britischen Zeitung Daily Mail, stammt. Zu Lebzeiten und nach seinem Tod haben dem legendären Innenverteidiger Menschen aller Gesellschaftsschichten Tribut gezollt. In einem waren sich alle einig: Dieser Mann war ein beeindruckender Fussballer.
Sowohl Pelé als auch Franz Beckenbauer haben ihn als Gentleman, Freund und besten Verteidiger bezeichnet, gegen den sie jemals angetreten sind. Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair machte in Bezug auf Moore folgende Aussage: "Er war ein hervorragender Fussballer. Wenn man einen Menschen aus dem öffentlichen Leben mit Vorbildfunktion sucht, dann ist Bobby Moore eine ziemlich gute Wahl."
Sir Alf Ramsey, der englische Weltmeistertrainer von 1966, beschrieb ihn folgendermaßen: "Mein Kapitän, mein Führungsspieler, meine rechte Hand. Er war Herz und Seele des Teams. Ein gelassener, kalkulierter Spieler, dem ich hundertprozentig vertrauen konnte. Er war der beste Profi, mit dem ich je zusammengearbeitet habe. Ohne ihn hätte England die Weltmeisterschaft niemals gewonnen."
Warum war Moore so etwas Besonderes? Für viele war er der komplette Verteidiger. Er überzeugte durch Kopfball- und Zweikampfstärke sowie eine tadellose Ballverteilung beim Spielaufbau. Er war nicht gerade ein Sprinter, aber da er das Spiel so ausgezeichnet zu lesen verstand, geriet ihm dies selten zum Nachteil. Jock Stein, der legendäre Trainer von Celtic Glasgow, witzelte einmal: "Es sollte ein Gesetz gegen ihn geben. Er weiß schon 20 Minuten vor allen anderen, was passieren wird!"
Der Weg zu Ruhm und Ehre
Moore wuchs in Barking auf und stieß als 15-Jähriger zu West Ham United. Dort arbeitete er sich beständig hoch und feierte schließlich 1958 als 17-Jähriger sein Debüt in der ersten Mannschaft. Damals ersetzte er seinen an Tuberkulose erkrankten Mentor Malcom Allison in einer Partie gegen Manchester United. Moore konnte seine Fähigkeiten bereits in jungen Jahren unter Beweis stellen und wurde zu einer festen Größe in der Hintermannschaft der Hammers. Allison kam hingegen nie wieder für den Klub zum Einsatz.
Zwei Jahre später wurde Moore zum ersten Mal in die englische U-23-Auswahl berufen. Am 20. Mai 1962 feierte er in einem Vorbereitungsspiel für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft gegen Peru sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. Sein erster Auftritt war gleich von Erfolg gekrönt. Zum einen setzten sich die Three Lions in Lima mit 4:0 gegen den Gastgeber durch, und zum anderen hinterließ Moore beim damaligen Nationaltrainer Walter Winterbottom einen so starken Eindruck, dass dieser ihn mit zur WM in Chile nahm. Dort kam er auf dem Weg ins Viertelfinale in allen vier Spielen seines Teams zum Einsatz.
Moore war gerade einmal 22 Jahre alt, als er 1963 beim 4:2-Sieg gegen die Tschechoslowakei zum ersten Mal als Mannschaftskapitän der englischen Auswahl fungierte. Er sollte die Kapitänsbinde schließlich vom Sommer 1964 bis zu seinem letzten Länderspiel fast ein Jahrzehnt später durchgängig tragen. Im selben Jahr gewann er mit West Ham den FA Cup, wurde vom Verband der Fussballjournalisten als Fussballer des Jahres ausgezeichnet und erfolgreich gegen Hodenkrebs behandelt.
1965 gab es mit West Ham United eine weitere Trophäe. Das Team sicherte sich den Europapokal der Pokalsieger. Zwölf Monate später sollte Moore sich dann endgültig in die Herzen der englischen Fussballfans spielen. Seine Geschichte war noch beachtlicher, wenn man bedenkt, dass er um ein Haar gar nicht bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft dabei gewesen wäre. Nach einem Disput mit den Verantwortlichen von West Ham war er nämlich vereinslos und konnte daher nicht für den WM-Kader nominiert werden.
Daraufhin schaltete sich Nationaltrainer Ramsey ein. Er bestellte den Vereinstrainer Ron Greenwood zum Mannschaftshotel der Nationalelf, damit die Streitigkeiten beigelegt werden konnten. Diese Intervention sollte sich als entscheidend erweisen. Moore unterschrieb einen neuen Vertrag und führte die Engländer als Mannschaftskapitän zum Weltmeistertitel. Er reckte den Jules-Rimet-Pokal in die Höhe, wischte sich die schmutzigen Hände ab und durfte anschließend Queen Elizabeth II. die Hand schütteln.
Auszeichnungen und Erfolge
Nachdem Moore 1966 als erster Fussballer die begehrte Auszeichnung "BBC Sports Personality of the Year" erhalten hatte, wurde ihm auch noch der britische Ritterorden "Order of the British Empire" (OBE) verliehen. Er wurde immer wieder in die Nationalelf berufen und hatte vor Beginn der WM 1970 in Mexiko bereits 78 Länderspieleinsätze zu verzeichnen.
Für den eleganten Abwehrspieler brachen durchwachsene, aber denkwürdige Zeiten an. Im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft trat England in Bogotá gegen Kolumbien an. Dort wurde ein Versuch unternommen, Moore in den Diebstahl eines Armbands aus einem Juweliergeschäft hineinzuziehen. Er wurde zunächst festgenommen, später aber in allen Punkten entlastet und konnte beim Weltturnier dabei sein – wieder einmal nach einer ungewöhnlichen Zwangspause.
Obwohl er 1966 beim 4:2-Sieg im Finale gegen die Bundesrepublik Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt hatte, bleibt er vor allem für das zweite Gruppenspiel der WM-Auflage von 1970 in Mexiko gegen Brasilien in Erinnerung. Obwohl Ramseys Schützlinge am Ende mit 0:1 unterlagen, schauen sich die Fussballfans auf der ganzen Welt immer wieder die legendäre Szene an, in der er Jairzinho perfekt vom Ball trennt. Ein Foto von Moore und Pelé, wie sie sich nach dem Abpfiff lächelnd die Hand reichen und die Trikots tauschen, ist zu einem Symbol für Fairplay im Fussball geworden.
1973 wurde Moore zum Rekordspieler West Hams und brachte es außerdem auf 100 Länderspieleinsätze für England. Im Anschluss sollte er das Trikot der englischen Nationalelf noch acht weitere Male tragen – zum letzten Mal am 14. November 1973 bei einer 0:1-Niederlage in einem Freundschaftsspiel gegen Italien. Paradoxerweise war der Torschütze damals der aktuelle englische Nationaltrainer Fabio Capello, der den Treffer heute als Höhepunkt seiner Spielerkarriere bezeichnet.
Die letzten Auftritte
Nach drei Jahren in Diensten des FC Fulham spielte Moore noch eine Weile für San Antonio Thunder und die Seattle Sounders in der NASL, bevor er die Fussballschuhe im Alter von 37 Jahren an den Nagel hängte. Es folgte eine kurze, nicht sehr erfolgreiche Zeit als Trainer. Dann verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Im April 1991 musste er sich einer Notoperation am Magen unterziehen. Am 14. Februar 1993 gab er bekannt, dass er an Darmkrebs leide. Zehn Tage später verstarb er im Alter von 51 Jahren.
Moores Vermächtnis wird bleiben: In seinem Namen wurde eine Wohltätigkeitsorganisation ins Leben gerufen, die sich dem Kampf gegen den Krebs verschrieben hat. Die Südtribüne in West Hams Heimstadion in Upton Park wurde mit seinem Namen versehen. Vor dem Wembley-Stadion wurde eine Bronze-Statue aufgestellt. Vor allem aber lebt er in den Herzen all derer weiter, die ihn spielen sahen.




