Wenn die Argentinier die Welt bereisen, sind sie auf bestimmte
Dinge besonders stolz: auf ihre Süßspeise "Dulce de
Leche", ihr Rindfleisch und ... ihre Frauen. Es gibt jedoch
eine Sache oder besser gesagt eine Person, die das alles weit in
den Schatten stellt: Diego Armando Maradona, der als einer der
größten Fussballer aller Zeiten angesehen wird. In der Tat wird der
Spieler mit der Nummer 10 von seinen Landsleuten wie ein Gott
verehrt. Kein Wunder in einem Land, dass den Fussball wie eine
Religion lebt, atmet und praktiziert.
Freundschaft mit dem Ball
In einem ärmlichen Dorf geboren, widmete sich
Maradona von früh an seinem liebsten Spielgerät: einem Ball.
Natürlich galten bei den damaligen Spielen die Regeln des
Strassenfussballs. Man spielte damals auch um Geld, und dabei
konnte es schon einmal etwas ruppiger hergehen.
Mitte der 70er Jahre begann er in den jüngsten Mannschaften
der Argentinos Juniors zu spielen. Sein damaliger Trainer Francis
Cornejo war so überwältigt vom Potenzial des Linksfüßers, dass er
ihm sein Alter nicht glauben wollte. Nachdem Maradona seinen
Ausweis vorgelegt hatte und mitspielen durfte, stellten die
"Cebollitos" oder "Zwiebelchen", wie sie damals
liebevoll genannt wurden, einen neuen Rekord für Jugendmannschaften
auf, indem sie in 136 Spielen in Folge ungeschlagen blieben.
Der Beginn einer großen Karriere
Am 20. Oktober 1976, er war gerade 16 Jahre alt, feierte er sein
Debüt in der ersten Division im Team von Argentinos Juniors gegen
Talleres Córdoba. Es sollte der Beginn einer großen Karriere sein,
die am 29. Oktober 1997 mit dem 2:1-Sieg von Boca Juniors gegen
River Plate endete.
Gefeierter Superstar
Maradonas technische Fähigkeiten, seine Spielübersicht, seine
Schnelligkeit und seine Schusskraft ließen ihn zum gefeierten Star
der Mannschaften von Argentinos Juniors, Boca Juniors, FC
Barcelona, SSC Neapel, FC Sevilla und Newell´s Old Boys werden.
Seine größten Leistungen zeigte er jedoch im Trikot der
argentinischen Nationalelf, für die er in 91 Spielen 34 Treffer
erzielte. Damit ist er der zweiterfolgreichste Torschütze der
Gauchos, knapp übertroffen nur von Gabriel Batistuta. Die Verehrung
für Maradona in Argentinien ist so groß, dass der argentinische
Fussballverband sogar plant, zukünftig das Trikot mit der Nummer 10
in Länderspielen nicht mehr auszugeben.
Sein erstes Spiel im himmelblau-weißen Trikot der
argentinischen Nationalelf bestritt er am 3. April 1977. Es war ein
Freundschaftsspiel der Jugendnationalmannschaft gegen eine Auswahl
aus Chascomús, das mit einem 3:2-Sieg seines Teams endete. Kaum ein
Jahr später galt Maradona bereits als einer der besten Spieler
seines Landes. Dennoch beschloss der damalige Nationaltrainer César
Luis Menotti , ihn nicht in den Kader des Teams aufzunehmen, das
den ersten Sieg bei einem FIFA-Weltpokal(TM) nach Argentinien
holen sollte. Die Gründe dafür? Nun, er hielt ihn einfach für zu
jung. Für diesen Rückschlag, einen der härtesten seiner Karriere,
revanchierte sich Maradona auf seine eigene Art bei der
Jugend-Weltmeisterschaft der FIFA in Japan 1979. "Ich habe nie
mehr so viel Spaß auf einem Fussballplatz gehabt wie damals. Von
der Geburt meiner Töchter einmal abgesehen, fällt es mir schwer,
mich an ein ähnlich freudiges Ereignis zu erinnern", bemerkte
die Nummer 10 zum Gewinn dieses Titels.
Seine starke Persönlichkeit brachte ihn jedoch außerhalb des
Spielfeldes immer wieder in Schwierigkeiten. Aber so ist Maradona
nun einmal: entweder man hasst ihn oder man liebt ihn - dazwischen
gibt es nichts. Seine Kritiker beschuldigen ihn als launisch,
aufsässig, undiszipliniert und als schlechtes Vorbild für die
Jugend. Er hat es einmal sogar gewagt, im Fernsehen öffentlich den
Papst zu kritisieren. Seine treuen Anhänger dagegen verehren ihn,
weil er "immer die Wahrheit sagt" und "seine Ideale
nicht verkauft".
Was das Fussballspielen angeht, so hat der "Zehner"
trotz seines wenig athletischen Aussehens (er war weder besonders
groß, noch übermäßig schlank) mit dem Ball wahre Wunderdinge
vollbracht. Der große Michel Platini merkte dazu an: "Diego
tat Dinge, die keinem anderen gelangen. Er kann mit einer
Grapefruit das tun, was ich mit einem Ball mache."
Ausgestattet mit einem linken "Zauberfuß", besaß Maradona
auch die Fähigkeit, niemals die Balance zu verlieren, wie ein
Zirkusartist, nicht einmal in größter Bedrängnis. Seine Schusskraft
war so geachtet, dass, jedes Mal, wenn seinem Team ein Freistoß
zugesprochen wurde, die Fans bereits vorher in den Jubelruf
"Goool!" ausbrachen.
Sein Debüt bei einem Weltpokal in der A-Nationalmannschaft
gab er 1982 in Spanien. Obwohl das damalige argentinische Team noch
größtenteils aus Weltmeistern bestand, verabschiedete es sich mit
einer eher dürftigen Leistung. In der Vorrunde unterlag man gegen
Belgien und besiegte Ungarn (mit zwei Treffern von Diego) und El
Salvador. Doch bereits in der zweiten Runde, in der Maradona sich
nicht gegen die ihm zugewiesenen aggressiven Manndecker durchsetzen
konnte, kam das Aus. Man verlor gegen Italien und anschließend
gegen Brasilien. In diesem Spiel sah der "Zehner" die
rote Karte.
Der Durchbruch
Beim FIFA-Weltpokal
™ 1986 in Mexiko sollte er die höchsten Weihen als
Spieler empfangen. Was immer man von einem Spieler auf einem Platz
verlangen kann, Diego hat es bei diesem Turnier vollbracht. Seine 5
Treffer gegen Italien, England England und Belgien reichten aus, um
dem Team von Carlos Bilardo den Titel zu sichern und ihn als
weltweit besten Spieler zu bestätigen. Sein einziger Makel: Im
Endspiel gegen Deutschland, das die "Gauchos" mit 3:2
gewannen, gelang ihm kein Treffer.
Vier Jahre später war Italien als Veranstalter des
FIFA-Weltpokals
™ an der Reihe. Es war das Land, in dem Maradona
Sonntag für Sonntag im Trikot des SSC Neapel die Massen
begeisterte. Argentinien verfügte nicht mehr über den Glanz von vor
vier Jahren und die Nummer 10 war durch eine schwere
Knöchelverletzung stark gehandicapt. Die Vorrunde begann man mit
einer überraschenden Niederlage gegen Kamerun. Anschließend folgte
ein Sieg gegen die Sowjetunion und ein Unentschieden gegen
Rumänien. Von da an übernahmen Diego und Sergio Goycochea als
Führungsspieler das Zepter und brachten die Mannschaft nach Siegen
gegen Brasilien, Jugoslawien und auch gegen Gastgeber Italien bis
ins Finale. An diesem Tag erwies sich das deutsche Team jedoch als
zu stark, und das Elfmetertor von Andreas Brehme in den letzten
Spielminuten ließ den argentinischen Traum von einem dritten
Triumph wie eine Seifenblase zerplatzen.
Seinen letzten Auftritt im argentinischen Trikot hatte er beim
FIFA-Weltpokal
™ 1994 in den USA. Diego sollte jedoch kaum zum Zug
kommen und schließlich unter skandalösen Umständen abtreten. Nach
einem Sieg gegen Griechenland (4:0, mit einem Treffer des
Spielführers) besiegte man Nigeria mit 2:1. Dieser 25. Juni 1994
sollte jedoch als schwarzer Tag in die Geschichte der
argentinischen Nationalelf eingehen: Die Doping-Kontrolle der
Nummer 10 ergab einen positiven Ephedrin-Befund und zwang den
argentinischen Fussballverband, Maradona aus dem Wettbewerb zu
nehmen. "Man hat mir die Beine abgeschnitten", erklärte
der Star damals unter Tränen vor laufenden Kameras. Der Schock saß
tief beim argentinischen Team. Maradona wurde durch einen Youngster
namens Ariel Ortega ersetzt, aber das argentinische Team schied
nach Niederlagen gegen Bulgarien und Rumänien aus.
Die Argentinier beschlossen, den vergangenen 10. November den
"Tag 10" zu nennen: Im Stadion von Boca Juniors in Buenos
Aires erfuhr Maradona damals seine verdiente Ehrung. Die
gegenwärtige Nationalelf Argentiniens mit Diego als Kapitän trat
gegen eine Auswahl mit zahlreichen internationalen Stars an. Das
Spiel, das - nebenbei bemerkt - mit einem Sieg der Argentinier
endete, sah zwei Treffer, Emotionen und schließlich Tränen der
"Nummer 10".



