Mit Ausnahme von Diego Maradona strahlt kein Stern am sternenübersäten argentinischen Fussballhimmel heller als der von Mario Kempes. "El Matador" wurde am 15. Juli 1954 in Córdoba (Argentinien) geboren. Sein Vater, selbst in jungen Jahren ein guter Amateurfussballer, brachte seinen Sohn mit neun Jahren zum Fussball, und bereits sieben Jahre später führte Mario Kempes seine Mannschaft als bester Stürmer zur regionalen Meisterschaft. Am 5. Oktober 1973 hatte er sein Debüt in der ersten argentinischen Liga: Als Spieler von Instituto de Córdoba verlor er mit 0:1 gegen Newell's Old Boys.

Trotz seiner erfolgreichen Karriere im argentinischen Vereinsfussball zeigte Kempes seine besten Leistungen im Nationalteam. "Mein Land hat immer wieder das große Glück gehabt, hervorragende Fussballer hervorzubringen. Ich bin nur einer unter vielen, die alle ihre Rolle in der argentinischen Fussballgeschichte gespielt haben", sagte Kempes nach seinem Rücktritt mit der für ihn typischen Bescheidenheit.

Am 19. April 1972 streifte sich Kempes erstmals das Nationaltrikot über: In einem U-18-Match gegen Portugal in Cannes erzielte er ein Tor beim 3:1-Sieg der Argentinier. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft erfolgte ein Jahr später, als er mit gerade einmal 19 Jahren in der südamerikanischen Qualifikationsrunde für den FIFA-Weltpokal 1974 antrat. Die Presse gab diesem argentinischen Nationalteam den Namen "Geistermannschaft", da der damalige Trainer Enrique Omar Sívori eine große Zahl unbekannter Spieler nominiert hatte, um seinem Kader mehr Zeit zu geben, sich an die Höhenluft von La Paz zu gewöhnen. Argentinien gewann sein Match in Bolivien schließlich durch ein Tor von Oscar Fornari.

Drei WM-Teilnahmen

El Matador trat bei drei FIFA-Weltpokal-Endrunden an (Deutschland 1974, Argentinien 1978 und Spanien 1982), wo er insgesamt 18 Spiele bestritt. Der FIFA-Weltpokal in Deutschland verlief für Argentinien katastrophal: Die Mannschaft schied bereits in der Vorrunde aus, wobei man unter anderem gegen eine von Johan Cruyff angetriebene niederländische Mannschaft mit 0:4 unterging. Kempes gelang es in Deutschland nicht, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen - er blieb während des gesamten Turniers ohne Torerfolg.

Drei Jahre später stieg Kempes, nachdem er Argentinien für eine Rekordsumme in Richtung Spanien verlassen hatte, zum neuen Liebling der Fans des FC Valencia auf. Seinen damaligen Verein Rosario Central hatte er als bester Torschütze aller Zeiten verlassen - ihm waren in zwei Spielzeiten 100 Tore gelungen!

Aber auch seine Karriere im spanischen Fussball verlief äußerst eindrucksvoll: zwei Mal spanischer Pokalsieger, zwei Mal Europapokalsieger der Pokalsieger, Gewinner des Europäischen Super-Cups und zweimaliger Torschützenkönig der spanischen Liga (1976/77 mit 24 Toren und 1977/78 mit 28 Treffern).

In einer Zeit, in der sein Land von einer Militärdiktatur regiert wurde, war Kempes einer von nur zwei Spielern aus ausländischen Klubs, die Nationaltrainer César Luis Menotti ins argentinische Team für den FIFA-Weltpokal 1978 berief. "Er ist kraftvoll, hat eine hervorragende Technik, schafft Räume und hat einen harten Schuss. Spieler wie er können ein Spiel entscheiden, und darüber hinaus lässt er sich als Mittelstürmer einsetzen" - mit diesen Worten beschrieb Menotti den Wert Kempes' für die Mannschaft, die er für das FIFA-Weltpokal-Turnier 1978 zusammenstellte.

Heimspiel

Argentiniens Vorrundensiege über Ungarn und Frankreich sicherten dem Team einen Platz in der Zwischenrunde (obwohl man gegen Italien mit 0:1 verlor). Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Kempes die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt - ihm war nicht ein einziges Tor gelungen. "Ich sagte ihm, er solle sich seinen Schnurrbart abrasieren", verriet ein triumphierender Menotti später, als er die begehrte FIFA-Weltpokal-Trophäe in die Luft recken konnte. "Und das schien genau der richtige Tipp gewesen zu sein - Mario wurde mit sechs Treffern WM-Torschützenkönig, und man wählte ihn zum Besten Spieler des Turniers."

In der Zwischenrunde schlug Argentinien Polen (Kempes traf zwei Mal), spielte Unentschieden gegen Brasilien und gewann auch gegen Peru, wobei Kempes erneut zwei Tore schoss. Damit stand man im Finale gegen die Niederlande. Der 25. Juni 1978 war ein Tag, den kein Argentinier jemals vergessen wird: Argentinien-Niederlande 3:1. Kempes erzielte zwei Tore für seine Mannschaft, das erste in der 38. Minute der ersten Halbzeit, und das zweite, nach einem seiner typischen kraftvollen, mutigen Sololäufe, in der 15. Minute der Verlängerung.

"Der Gewinn des FIFA-Weltpokals war genau das, was das schwer geprüfte argentinische Volk nötig hatte - er brachte Freude in ihr Leben. Ich erinnere mich, dass ich nur deshalb in die Mannschaft kam, weil andere Spieler wie Osvaldo Piazza nicht nominiert werden konnten. Ich trug das Trikot mit der Nummer 10, und dafür musste Diego Maradona, den ich noch nie hatte spielen sehen, zu Hause bleiben. Natürlich entwickelte er sich bald darauf zum größten argentinischen Fussballer aller Zeiten. Außerdem war ich der zweite Argentinier, der Torschützenkönig bei einem FIFA-Weltpokal werden konnte, nach Guillermo Stábile", erzählt Kempes.

Nachfolger Maradona

1982 fuhr Argentinien, mit vielen der Weltmeister von 1978 im Team, als einer der Favoriten zum FIFA-Weltpokal nach Spanien. Aber der Mannschaft gelang es nicht, ihren Erfolg zu wiederholen, und Argentinien schied aus dem Turnier aus, bevor Kempes sein erstes Tor erzielen konnte. Im Jahr darauf gab er die Nummer 10 an den Jungstar star Diego Maradona, weiter, der in seiner Autobiographie Mario Kempes als den Mann beschreibt, "der dem argentinischen Fussball zur Weltgeltung verhalf".

Neben seinen Toren wird Kempes vor allem für seine faire Spielweise im Gedächtnis bleiben: In seiner gesamten internationalen Laufbahn erhielt er nie eine gelbe oder rote Karte.

In seiner langen Vereinskarriere trat Kempes als Spieler für die argentinischen Clubs Instituto de Córdoba (1973-74), Rosario Central (1974-1976) and River Plate (1981-1982) in Argentinien an; in Spanien trug er die Farben von FC Valencia (1976-1981 und 1982-1984) und Hércules de Alicante (1984-1986). Von 1986 bis 1992 spielte er in Österreich für First Vienna (1986-1987), VSE St. Pölten (1987-1990) und schließlich Kremser SC (1990-1992). Danach zog er sich für drei Jahre vom aktiven Fussball zurück, in denen er von der Regierung der argentinischen Provinz Mendoza für seine Verdienste geehrt wurde und als Assistent des uruguayischen Trainers Héctor Núñez beim FC Valencia tätig war. 1995 hatte er ein kurzes Comeback im chilenischen Vereinsfussball, bevor er einen Posten als Spielertrainer beim indonesischen Fussballmeister Pelita Hyatt annahm. 1986 hängte er als 41-Jähriger seine Fussballschuhe endgültig an den Nagel.

1999 gewann Kempes mit dem bolivianischen Club The Strongest seinen ersten Meistertitel als Trainer; danach wechselte er zu einem anderen bolivianischen Verein, Independiente Petrolero.