Keine Liste afrikanischer Fussball-Legenden ist komplett ohne den Namen Abedi Pelé. Er war ein begnadeter Techniker, ein eleganter Athlet und bei allem Selbstvertrauen ein ruhiger Zeitgenosse. Das machte ihn zu einem der erfolgreichsten Exporte und einem der beliebtesten Söhne Afrikas.

Geboren wurde Abedi Ayew 1962 in armen Verhältnissen der Vororte von Accra. Sein Talent war schon als Kind so offensichtlich, dass er früh den Spitznamen "Pelé" bekam, als er auf den roten Staubstraßen dem Ball nachjagte. Er ragte stets heraus und war noch nicht mal ein Teenager, als er bereits landesweit Aufmerksamkeit erregte.

Seinen ersten Profivertrag unterschrieb er dann 1978 beim neu gegründeten Verein Real Tamale United. Von da an reihte sich Erfolg an Erfolg, bis er über zwei Jahrzehnte später seine Karriere auf dem Olymp des ghanaischen Fussballs beendete - als einer der Besten seines Landes und der Welt.

Beginn einer Welt-Karriere
Als Afrika erstmals auf Abedi Pelé aufmerksam wurde, war dieser ein gerade mal 17-jähriges Wunderkind, das Ghana zum Gewinn des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 1982 in Libyen verholfen hatte. Es war der vierte und bislang letzte kontinentale Titel für die Black Stars, aber für Abedi Pelé war er auch der Startschuss zu einer Vereinskarriere, die ihn durch ein halbes Dutzend Länder auf der ganzen Welt und fast doppelt so viele Mannschaften führen sollte.

Und obwohl er meist mit seinen Profi-Erfolgen in Frankreich in Verbindung gebracht wird, lieben ihn die Fans in Afrika vor allem wegen seiner Leistungen bei fünf Afrikanischen Nationen-Pokalen - Rekord für das Turnier übrigens. Seine Sternstunde hatte Abedi Pelé dabei 1992, als er den Goldenen Schuh gewann und einen ganzen Kontinent als Herz und Seele der damals bärenstarken Offensive der Black Stars begeisterte. Nicht nur seine Gesamtleistung stimmte, im Viertelfinale gegen Kongo legte er zudem einen Sololauf hin, der dem von Diego Maradona in Mexiko 1986 in nichts nachstand.

Die große Blütezeit
1992 schien der zweite Titelgewinn schon fast sicher, als Abedi Pelé mit Ghana ungeschlagen ins Endspiel stürmte. Doch sein heldenhafter Einsatz beim Halbfinalsieg über Nigeria hatte ihm die zweite Gelbe Karte eingebracht. Abedi Pelé musste tatenlos mit ansehen, wie seine Mannschaft das Finale gegen die Elfenbeinküste mit 10:11 im Elfmeterschießen verlor.

Dennoch bleibt das die größte Blütezeit von Abedi Pelé. Von 1991 bis 1993 wurde er drei Mal Afrikas Fussballer des Jahres. 1990 wurde er zudem Nationalmannschaftskapitän, eine Position, die er voller Stolz sechs Jahre lang ausfüllte. In insgesamt 16 Jahren mit den Black Stars brachte er es auf 33 Tore in 67 Länderspielen. Er gilt als einer der besten Spieler aller Zeiten und war doch nie bei der Endrunde einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ dabei, weil sich die Black Stars erst 2006 erstmals qualifizieren konnten. Immerhin: Zwischen 1986 und 1998 bestritt er vier Mal die Qualifikation.

Einmal Marseille und zurück
Nachdem er 1982 mit 17 schon Afrika-Meister wurde, suchte Abedi Pelé sein Glück im Ausland. In den nun folgenden vier Jahren spielte er bei Klubs im Nahen Osten, kehrte dann kurz nach Westafrika zurück, ging in die Schweiz und landete schließlich in Frankreich bei Chamois Niort. In der französischen Liga schaffte Abedi Pelé dann den Durchbruch zum Weltstar und zum bekanntesten und einflussreichsten afrikanischen Spieler seiner Generation.

War die Zeit bei Niort und anschließend beim FC Mulhouse und OSC Lille noch so etwas wie Abedi Pelés Lehrjahre, so folgte bei Olympique Marseille 1990 der Aufstieg zum Superstar. Auch der Klub erlebte in den drei Jahren mit dem Ghanaer goldene Zeiten. Wie in der Nationalmannschaft, so spielte Abedi Pelé auch bei Marseille entweder im offensiven Mittelfeld oder als hängende Spitze. Für ihn die optimale Position, aus der heraus er Tore vorbereiten und eine nicht unerhebliche Anzahl selbst schießen konnte. Mit Abedi Pelé als gelegentlichen Kapitän wurde Marseille mehrfacher französischer Meister und erreichte zwei Mal das Endspiel im Europapokal.

1991 war Abedi Pelé im Europapokal der Landesmeister der entscheidende Mann beim beeindruckenden Viertelfinalsieg gegen Titelverteidiger AC Mailand. Dann traf er beim Halbfinalerfolg über Spartak Moskau doppelt, ehe seine Mannschaft im Finale das Elfmeterschießen gegen Roter Stern Belgrad verlor. Zwei Jahre später wurde OM zum ersten (und bis heute einzigen) französischen Verein, der - wieder gegen eine hochklassig besetzte Mannschaft aus Mailand - die UEFA Champions League gewinnen konnte. Es war eine von Abedi Pelés so charakteristischen scharfen Flanken mit dem linken Fuß, die Basile Boli zum Tor des Tages verwertete. Abedi Pelé wurde zum besten Spieler der Partie gewählt.

Eine Inspiration für Afrikas nächste Generation
Weil Marseille danach in rechtliche Schwierigkeiten geriet, verbrachte der großartige Ghanaer den Rest seiner Laufbahn bei wechselnden Klubs, wobei er auf jeder seiner Stationen beliebt war und zu beeindrucken wusste. Auf eine Saison in Lyon folgte eine beim FC Turin, wo er zum besten Ausländer gewählt wurde. Dann ging es zu 1860 München und schließlich wieder zurück in den Nahen Osten. Vielleicht ist es dieser kosmopolitischen Karriere zu verdanken, dass Abedi Pelé heute auftritt wie ein geborener Staatsmann der Fussballwelt. Auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere zur Jahrtausendwende ist er seinem Sport eng verbunden geblieben.

Der wichtigste Beitrag des einzigen Ghanaers, der auf der Liste des anderen Pelé unter den 'FIFA 100' der größten Spieler aller Zeiten zu finden ist, könnte allerdings sein, dass er ganzen Generationen von Afrikanern als Inspiration gedient hat, die ihn gegen die Besten der Welt haben spielen sehen. Sein Erbe sieht man heute überall in Europa auf den Plätzen der Topvereine: afrikanische Talente, wohin man auch schaut.